Leserin-Anfrage

Leserin-Anfrage im März 2012

Sehr geehrte Frau …,
Anbei die Stellungnahme von Herrn Nationalrats-Abg. Wolfgang Pirklhuber zu Ihrer Anfrage (im Text).
Liebe Grüße Lygia Simetzberger

Anfang der weitergeleiteten E-Mail:

Von: Wolfgang Pirklhuber <wolfgang.pirklhuber@gruene.at>
Datum: 11. März 2012 10:37:38 MEZ
Betreff: Re: [Gen-Dialog Europa – Für ein gentechnikfreies Europa] Kontakt|Impressum

Die Antwort ist gar nicht so schwierig:

was regen wir uns eigentlich über Gentechnik auf, wenn wir es mit zahllosen anderen Produkten seit Jahrzehnten zu uns nehmen? (Haben Sie einmal versucht, bei einem Arzneimittelhersteller eine verbindliche Auskunft über die Quellen des am meisten verwendeten Trägerstoffs Sojalecithin zu erhalten. Lapidare Antwort: Arzneimittel unterliegen nicht dem Gentechnikgesetz.

Diese Behauptung stimmt – nur Lebensmittel unterliegen den entsprechenden Kennzeichnungsvorschriften der EU. Es ist allerdings schon so, dass (leider) die Herkunft von Soja-Lecithin per Analyse nicht eindeutig einer Gentech-Sojabohne oder einer Nicht-Gentech-Sojabohne zugeordnet werden kann! Allerdings ist der Unterschied zwischen Lebens- und Arzneimitteln wohl doch gravierend – das eine nehmen wir täglich zu uns, das andere brauchen wir (hoffentlich) nie!

Sojaöl ist übrigens bei so ziemlich allen frei verkäuflichen Produkten (DM-Markt etc). Hauptzusatz.

Hier wäre die Frage zu stellen – Hauptzusatz bei welchen Produkten? – Auch bei Sojaöl ist die Herkunft aus GVO-Sojabohnen nicht nachweisbar, da das Öl keine DNA mehr enthält. Allerdings müssen bei Lebensmitteln die entsprechenden Angaben gemacht werden!

Lt. Gentechnikgesetz heißt bei uns „ohne Gentechnik“ = max. 0,9 % GVO. Produkte sind also gar nicht frei, wenn „ohne Gentechnik“ drauf steht. Die Kennzeichnung ist also eine Mogelpackung und Verbraucherverarschung.

Diese Aussage ist falsch: Wenn auf einem Produkt obensteht „ohne Gentechnik hergestellt“ oder „gentechnikfrei“, dann entspricht das Produkt dem österr. Lebensmittelcodex für gentechnikfreie Produkte. Diese Regelung ist eine national-staatliche Regelung. Ähnlich gibt es in Deutschland, Frankreich, Irland. Auf EU-Ebene laufen derzeit Studien, die prüfen sollen, ob eine „gentechfreie Auslobung“ auf EU-Ebene geregelt werden soll. Der Inhalt der österr. Regelung: Sämtliche landwirtschaftliche Rohstoffe müssen frei von GVOs sein – nur bei Futtermitteln gibt es für bestimmte Zusatzstoffe (einige Aminosäuren, Phytasen) eine Ausnahme. Akzeptiert wird dabei nur eine geringfügige Positiv-Reaktion an der Nachweisgrenze, die derzeit bei etwa 0,1 % liegt. Das Problem der Kontamination besteht ausschließlich bei Futtermitteln. Durch GVO-Soja, was etwa 80 % der Sojaschrot-Importe von ca. 550 000 Tonnen in Österreich jährlich ausmacht, kommt es immer wieder zu sogenannten „Kreuzkontaminationen“ von gentechnikfreien Futtermitteln. Daher fordern wir ja auch die 100 % Umstellung bei allen Futtermitteln in Österreich.

Der Kennzeichnungsschwellenwert für GVOs gemäß den EU-Regelungen besteht tatsächlich bei 0,9 %. Allerdings gilt dies nur für zufällige und technisch unvermeidbare Kontaminationen. Jede positive Analyse auch unter diesem Schwellenwert (wohl gemerkt – wieder nur bei Futtermittteln) muss zu VERBESSERUNGEN des Verfahrens/Unternehmens führen, sonst verliert er seinen BIO-Status! Im Biolandbau sind gemäß EU-Bio-Verordnung GVOs nicht erlaubt!

In Amerika erlaubt der Ökosektor sogar 2%, was bei 95 % GVO-Pflanzenanbau auch nicht wundert.
Am schönsten aber ist die Empfehlung, auf Bio umzusteigen, wohlwissennd, dass das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis wegen seine BT-Toxins wichtigstes Pestizig im Bioanbau ist. Diesen Widerspruch konnte mir noch niemand erklären.

Diese Argumentation zeigt, dass der Begriff der substanziellen Äquivalenz, mit dem die GVO-Befürworter seit Jahren hausieren gehen, offensichtlich auch von kritischen KonsumentInnen aufgegriffen wird. Die Kernaussage dieses Theorems: GVO-Pflanzen sind in der praktischen Verwendung von GVO-freien Pflanzen nicht zu unterscheiden – sie seien in der Substanz eh gleich = substanzielle Äquivalenz. Im Umkehrschluß: Ein Mais mit einem BT-Gen sei ja eh dasselbe wie Mais + BT-Anwendung in der Landwirtschaft. Die substanzielle Äquivalenz ist Quatsch wie inzwischen viele Studien bewiesen haben. Die Wechselwirkung von Genen, die in Pflanzen eingebaut werden, mit anderen Genen in dieser Pflanze und der Umwelt sind vorhanden und nicht ausreichend erforscht. Praktisches Beispiel: In den USA sind erstmals resistente Schädlinge beim Anbau von BT-Mais nachgewiesen worden – im Unterschied dazu: BT-Präparate im Biolandbau werden nur sehr selektiv eingesetzt, z.B. beim Kartoffel-Anbau gegen die Kartoffel-Käferlarven, werden nur auf die Pflanze gesprüht, das Verfahren ist relativ unsicher – hängt von der Witterung ab – und es wurden noch nie Resistenz-Wirkungen von Schädlingen festgestellt. Die BT-Präparate sind nicht Bestandteil der Pflanze!

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Abg. z. NR DI Dr. Wolfgang Pirklhuber
Sprecher für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Regionalpolitik
Grüner Klub im Parlament, A-1017 Wien
Tel. 01-40110-6672 Fax 01-40110-6882
email: wolfgang.pirklhuber@gruene.at, web:http://www.pirklhuber.at

Anbei die Stellungnahme von Freimut Gruber:

Liebe …..

Das freie BT-Toxin zur Schädlingsbekämpfung (alleine das Wort „Schädling“ widerstrebt mir, da in der Natur alles seinen Platz hat, es gibt auch kein „Unkraut“, beides eine Erfindung der Industrie!!!) verflüchtigt sich bei Anwendung und wird sofort unschädlich. Das in den Pflanzen produzierte ist in der Pflanze, kann sich also nicht entschärfen und ist damit hochgiftig!

LG FG

Gentech-Gift im Blut von Babys nachgewiesen!

Eine neue Studie von Aziz Aris und Samuel Leblanc aus Kanada weist das Vorkommen eines Giftstoffs aus Gentechnik-Pflanzen im menschlichen Blut nach. Die Theorie, das Gentechnik-Gift würde im menschlichen Verdauungstrakt zersetzt, ist somit widerlegt. Gesundheitsrisiken beim Verzehr des Toxins wurden wissenschaftlich nachgewiesen.

Das BT-Gift stammt aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis und wirkt gegen bestimmte Insekten. Das Gift produzierende Eiweiß Cry1AB ist bei Gentechnik-Pflanzen wie Mais, Soja und Baumwolle im Genom eingebaut und gelangt über die Nahrungskette in den Körper. Bei den in der Studie untersuchten Frauen und Föten (!) wurde Cry1AB im Blut nachgewiesen. Dass die Frauen mit dem Gift gearbeitet haben, konnte in der Studie ausgeschlossen werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bacillus_thuringiensis

Anbei erste Antwort (Gennetz-Red.)

Liebe…,

herzlichen Dank für Ihren konstruktiven Beitrag, den wir gerne veröffentlichen würden. Ich habe Ihr Mail an alle unseren aktiven Plattform-Mitglieder zur Stellungnahme geleitet, zumal einige kompetemter in diesen Fragen sind.
Sie haben Recht: Dies dürfte auf unseren Seiten nicht erwähnt sein,….
Wir verfolgen die gelegentlichen Versuche, ein ehrliches Gütesiegel bzw. eine klare Produktdeklaration nach Kategorien einzuführen, doch es zeigt sich hier derzeit „wie in einer Nußschale“, wie überall Welten aufeinanderprallen. Man soll jedenfalls immer daran glauben, dass neue Wege möglich sind (bzw. werden).
Der einzige Ausweg ist wirklich, auf bewusste, natürliche Ernährung umzusteigen (optimal Eigenbau bzw. Freunde), bewusstes Leben in Selbstverantwortung, einen weiten Bogen um die Pharmazie und künstliche Kosmetika schlagen – wirklich nur, wo unvermeidlich, und im Übrigen ein vergnügtes, angstfreies Leben zu leben,…
So weit einmal meine spontane Antwort, wie sie meinem Background entspricht. Liebe Grüße Lygia Simetzberger

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Liebe/r Seitenbetreiber(in),

was regen wir uns eigentlich über Gentechnik auf, wenn wir es mit zahllosen anderen Produkten seit Jahrzehnten zu uns nehmen? (Haben Sie einmal versucht, bei einem Arzneimittelhersteller eine verbindliche Auskunft über die Quellen des am meisten verwendeten Trägerstoffs Sojalecithin zu erhalten. Lapidare Antwort: Arzneimittel unterliegen nicht dem Gentechnikgesetz. Sojaöl ist übrigens bei so ziemlich allen frei verkäuflichen Produkten (DM-Markt etc). Hauptzusatz.
Lt. Gentechnikgesetz heißt bei uns „ohne Gentechnik“ = max. 0,9 % GVO. Produkte sind also gar nicht frei, wenn „ohne Gentechnik“ drauf steht. Die Kennzeichnung ist also eine Mogelpackung und Verbraucherverarschung.
In Amerika erlaubt der Ökosektor sogar 2%, was bei 95 % GVO-Pflanzenanbau auch nicht wundert.
Am schönsten aber ist die Empfehlung, auf Bio umzusteigen, wohlwissend, dass das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis wegen seine BT-Toxins wichtigstes Pestizid im Bioanbau ist. Diesen Widerspruch konnte mir noch niemand erklären.

Vielleicht können Sie mir helfen?

Gruß…

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