Josef Hoppichler

Die Gentechnik drängt sich auf den Teller

Die Gentechnik drängt weiter in die Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie.
Dadurch wird es immer schwieriger, „Gentechnikfreiheit“ zu gewährleisten.

Von Josef Hoppichler
Es wir freigesetzt, was das Zeug hält:
Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) werden massenweise freigesetzt, weltweit im Zehntausendermaßstab und in der EU im Tausendermaßstab. Mit Stand 2002 hat es im Gemeinsamen Europa seit dem 92er Jahr 1.912 Freisetzungsanträge gegeben. Der Großteil davon waren landwirtschaftliche Kulturpflanzen und hier wiederum Mais, Raps, Zuckerrübe Kartoffel in führender Position. 2003 wurden bereits die ersten Anträge auch für die bedeutendste Getreidepflanze gestellt; seitdem ist auch Weizen in der Warteschleife. Noch eine Kennzahl zur Größenordnung: Auf über 6.300 Standorten wurden bereits über 15.000 Freisetzungsversuche durchgeführt. Österreich wurde nicht zuletzt auf Grund des Gentechnikvolksbegehrens von diesem Boom verschont.
Welche gentechnischen Veränderungen dort das Licht der Umwelt erblickten, ist noch interessanter. In mehr als 50 % der Fälle handelt es sich um Herbizidresistenzen; d.h. es wurden landwirtschaftliche Nutzpflanzen untersucht, denen ein Gen eingeschleust wurde, das sie gegen ein chemisches Pflanzengift resistent macht. Hauptsächlich bezog sich dies auf die Mittel ‚Roundup’ der Firma Monsanto und auf das Mittel ‚Basta’ der Firma Bayer Crop Science. Diese beiden großen Agrochemiekonzerne zusammen mit Syngenta, eine pro forma Abspaltung vom Schweizer Chemiekonzern Novartis, sowie der vom Chemieriesen Dupont aufgekaufte Saatgutkonzern Pioneer beherrschen im Prinzip die Entwicklung und das zukünftige Geschäft mit den Gentechnikpflanzen.

Mehr nachzulesen online im Aurora Magazin >

 

Einladung zur Buch-Präsentation und Diskussion

„Die Agro-Gentechnik zwischen
Gen-Verschmutzung und
Gentechnik-Freiheit“

an der Bundesanstalt für Bergbauernfragen
Marxergasse 2/Mezzanin
1030 Wien

am Dienstag,  16. November 2010
14:00 – 15:30 (open end – mit Buffet)

mit einleitenden Worten von
Markus Schörpf
(Obmann der ARGE-Gentechnik-frei)

Moderation: Elisabeth Loibl

Die Bundesanstalt für Bergbauernfragen hat sich im Rahmen eines mehrjährigen Projektes intensiv mit der globalen Entwicklung des Anbaus gentechnisch veränderter Organismen (GVO) sowie mit den damit verbundenen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Dimensionen auseinandergesetzt:

Jetzt ist es endlich fertig – das Buch über
„Die Gen-Verschmutzung und die Gentechnik-Freiheit“

Es analysiert die wichtigsten Entwicklungstendenzen und Problembereiche der Agro-Gentechnik sowie die unterschiedlichen Politik-Reaktionen differenziert nach Ländern und geografischen Regionen: Nordamerika (USA und Kanada), Südamerika (Argentinien und Brasilien), Asien (Japan, Indien, China), Australien und Europa (EU, gentechnikfreie Regionen).

Eine solche Analyse war notwendig, um den Weg eines „gentechnikfreien Österreich“ abzusichern und ihn gleichzeitig in den internationalen Kontext einzubetten.
Nicht verschwiegen wird, dass die Agro-Gentechnik ein globales Problem ersten Ranges ist. Eine Hundert-Prozent-Gentechnikfreiheit, wenn eine landwirtschaftliche Kulturpflanze als GVO angebaut wird, ist durch das Potential der Auskreuzung der Pflanzen und vor allem durch die Vermischung der Ernteprodukte und Nahrungsbestandteile im Rahmen globaler Handelsströme nicht mehr möglich. Deshalb ist auch von „Gen-Verschmutzung“ die Rede, ein Begriff, der vom Nobelpreisträger Georges Köhler bereits 1992 geprägt wurde.

Allein die bisherigen Großversuche mit GV-Pflanzen – zu 80 Prozent handelt es sich um herbizidresistente, d.h. pestizidbedürftige Pflanzen – bedingen, dass die globalen Probleme mit GVO-Verunreinigungen stark zugenommen haben, und sich gleichzeitig enorme Risikopotentiale im globalen Maßstab ankündigen.

Dieses Buch beschäftigt sich nicht nur mit dem Problem des GVO-Anbaus und der Gen-Verschmutzung, sondern versucht auch die alternativen Ansätze für Gentechnikfreiheit insbesondere für Europa aufzuzeigen. Das Umfeld der Agro-Gentechnik ist zwar schwierig und komplex – aber angesichts der Alternativen nicht hoffnungslos.

„Die Agro-Gentechnik zwischen Gen-Verschmutzung und Gentechnikfreiheit“ – 378 Seiten, 107 Tabellen, 62 Abbildungen – Forschungsbericht Nr. 64 der Bundesanstalt für Bergbauernfragen kann über office@berggebiete.at oder http://www.berggebiete.at  als Buch bestellt werden (wird ca. 21 € kosten).


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