Entgegnung – 10 DOGMEN der Grünen Gentechnik

Entgegnung von Anton Moser, DI Dr techn Univ Prof Biotechnologie, ammoser@chello.at

zu den Aussagen der Genforschung-Veranstaltung der RLB OÖ vom 7. Oktober 2010

http://www.be24.at/blog/entry/648369/genforschung-veranstaltung-in-der-rlb-ooe

Auszug aus dem Buch von Anton Moser (2009)

NaturKultur – ganzheitliche Lebensform nach der Weisheit der Natur

(Anhang 2)

10 Dogmen der „Grünen Gentechnik“ mit Genetisch Manipulierten Organismen (GMO)

Anton Moser, DI Dr techn Univ Prof iR  Biotechnologie TU Graz
Vorstandsmitglied Europ. Federation Biotech EFB & Intern. Ecol. Engng. Society IEES
sowie Intern. Organisation Biotech & Bioengng. IOBB als europ. Repräsentant bis 1996


Das Potential der GMO ist groß:

Durch Eingriff in das Erbmaterial können Eigenschaften von einer Spezies auf andere übertragen werden: Chance auf mehr Stabilität gegen Schädlinge, mehr Ertrag, bessere Eigenschaften & Zusammensetzung, Pestizid/Herbizid-gerechter u.ä.m.

Aber zur ganzheitlichen Einschätzung der GMO sind die Hintergründe dafür klar aufzuzeigen, wie dies in den folgenden 10 Dogmen kurz, aber prägnant zusammengefasst wird. (Der Begriff Dogma ist hier im Falle der Wissenschaft & Technik direkt anwendbar, da in Analogie zur katholischen Kirche etwas behauptet wird, ohne es zu hinterfragen) (lit.131).

Zuerst über das Gebiet der Grundlagenwissenschaft, die Genetik, wo behauptet wird:

1. „1 Gen = 1 Protein = 1 Eigenschaft“: aber bei der Fruchtfliege z.B. ist das Verhältnis 1: 38.000 Proteine! Die Situation ist also in Wirklichkeit viel komplexer!

2. „1 Gen = 1 Legostein“, man verschiebt Gene willkürlich von einer Spezies in andere: Aber es existieren viele Wechselwirkungen mit benachbarten Genen und auch mit der Umgebung, ein Gen ist nämlich mehr als reine Materie, es ist ein Stück Lebendiges!

3. „Gentransfer = natürlich“: ist aber anti-evolutionär, da er über Grenzen der Spezies hinausgeht (z.B. von Fisch auf Tomate; Bazillus thuringiensis auf Mais, der bt-Mais).

Das beinhaltet, dass das bt-Toxin (das als solches auch in der Biolandwirtschaft ver-wendet werden darf, weil es in der Sonne sofort zerstört wird) an die Pflanze gebunden, stabil bleibt und von allen (!) Insekten gefressen wird, sodass mit den Jahren die Wirkung ausbleibt, da sich die Insekten daran gewöhnen (biol. Evolution). Daneben wird das pflanzen-gebundene Toxin im Magen z.B. von Kühen nicht abgebaut, es bleibt in Darm, Blut, Embryos und auch Düngerhaufen weiter negativ wirksam.

Neueste Ergebnisse bezeugen, dass horizontaler Gentransfer bei GMO mit ungeheuren Folgen auftritt. Transgene springen nämlich über Artgrenzen auf Bakterien, Pflanzen, Tier & Mensch 103-106 mal häufiger über als bisher angenommen (horizontaler Gentransfer kommt auch in der Natur vor), da Transgene um vieles instabiler sind, zerfallen und sich neu kombinieren! Das ist für vermehrte Auftauchen neuer, durch Viren und Bakterien verursachter Krankheiten und die zunehmende Resistenz gegen Antibiotika und Arzneimittel, auch Allergien verantwortlich.

4. „Gene = Buch des Lebens“:

Aber Gene sind nur die Buchstaben, es gibt eine Ebene über der der Gene, die erst bringt Ordnung & Sinn in die materiellen Bausteine (lit.131):

Das beweist die „Epigenetik“und die  „Wellengenetik“ seit mehr 10 Jahren (s.Kap.8.1)!

Alles zusammen bedeutet dies einen fundamentalen Irrtum:

  • Gene sind nicht die eigentlichen Akteure in der Biologie, sie empfangen nur Signale
  • Gene sind nicht der Kommandeur der Natur, des Lebens
  • Gene reagieren auf „Inwelt“ (andere Gene) und auf Umwelt (physikal. & psychisch)
  • Gene werden also reguliert (s. Epigenetik), sind Kommunikatoren, d.h. das „Klavier“

Epigenetik ist sozusagen das Gedächtnis der Gene mit biologischer & psychischer Prägung durch Umweltfaktoren, indem Erfahrungen des Organismus in seiner Umwelt gespeichert werden in Form biochemischer Skripts, was die Arbeitsweise der Gene ändert. Epigenetik spielt auch beim Menschen eine wichtige Rolle (lit.30). Dadurch sind Gene als nicht egoistisch einzustufen, wie es R. Dawkins meint („Selfish Gene“).

  • „Pianist“ sind die oft kleinen Biomoleküle, die der Anfang des Lebens sind in kooperativer Verbindung mit Aminosäuren & Proteinen
  • „Dirigent“ ist also der gesamte Organismus.
  • Keine höheren Erträge wie bekannt: Druker,1999: FDA/USA: www.biointegrity.org

Ergo: Man darf sich nicht wundern, dass bei GMO völlig unerwartete und schlimme Folgen für Mensch & Natur auftreten, wie viele Erfahrungen weltweit zeigen, auch wenn sie in wissenschaftlichen Studien (wenn diese überhaupt gemacht werden!) nicht bewiesen werden.

Bei GMO muß das vorhandene Potential zufolge des Kapitalismus um jeden Preis umgesetzt werden (lit.70). Daher auch die Kritik an der Konzeption jetziger Wissenschaft, die nur reduktionistische Faktenfabrik ist. Ganzheitliche, lebensgerechte Wissenschaft in Zukunft bringt Wissen immer kombiniert mit Werten (=Erkenntnis) (vgl. NATURKULTUR, lit.44).

Genetik als Grundlagenwissenschaft beantwortet nur die Frage, ob man etwas tun kann.

Es ist unverantwortlich, dass der Mensch sich mit den GMO’s in die seit 4,5  Mrd. Jahren laufende erfolgreiche Evolution der Natur hineinmischt, denn

Das Einzige, das wir wissen, ist, dass wir nichts wissen und verstehen“ (lit.72).

Das Gebiet der Anwendung in freier Natur, der Agro-Gentechnik, ist ebenso zu hinterfragen:

5. „Man kann es, also muss man es tun“ ist der Slogan der modernen Zeit. Jede Anwendung ist aber keine Frage des Könnens, sondern eine Frage des Sollens d.h. Ethik (Ethik kann leicht erklärt werden als der Respekt vor dem Leben in all seinen Formen). Und offiziell haben wir keine Ethik mehr in der Politik, seit der Atombombe 1943: „Man kann sie bauen – also muss man sie verwenden“ war der Slogan in den USA.

6. „Koexistenz ist realisierbar“: Studien zeigen aber, dass es nicht real sondern sogar unlogisch ist, wenn man natürliche Pflanzen und GMO eng nebeneinander pflanzt: Weder Pollenbarrieren noch Hecken (lt. EU!) können den Pollentransfer verhindern!

Daher werden Biobauern die Existenz verlieren und Konsumenten die Wahlfreiheit.

Die Gesundheit der Natur und damit auch die des Menschen ist auf stärkste gefährdet!

Percy Schmeiser hat für seinen Kampf, der klar zeigt, dass Koexistenz irreal ist und GMO keinen Vorteil bringen, 2007 den Alternativen Nobelpreis erhalten (lit.76)

7. „substantielle Äquivalenz ist gegeben“, d.h. GMO- und natürliche Nahrung seien in der Substanz gleichwertig: Dies ist aber nur eine Behauptung, sie wird nur kurz & rein materiell untersucht ohne Rücksicht auf die Zusammensetzung und Qualität. Es war eine reine politische Entscheidung durch US Präsident Bush Sen. im Jahre 1992 (lit.132)!

Potentielle Gefahren für die Gesundheit der Menschen auf Basis von Indizien und
Erfahrungen (vgl. auch horizontaler Gentransfer) sind hier aufzuzeigen (lit. 69,70):

* ganzheitliche Langzeitstudien nicht vorhanden, auch nicht gefordert von Behörde (EU)
*  toxische, immunogene/allergene/kanzerogene Moleküle dringen über Darmwand ein
* bt-toxine in GMO-Pflanzen wurden nie sorgfältig analysiert, sind aber klar anders als bei dem in Bakterien eingebauten Toxin (z.B. bt-Mais)
* Studie in Australien abgebrochen: Ratten zeigen Entzündungen bei GMO-Erbsen, d.h. Leben wird materiell gesehen, nicht als Qualität mit Information: unerforscht (lit.44)
* aktuell: schwerste Gesundheitsschäden nachgewiesen (Seralini-Studie, lit.74)

8. „Profit muss sein, sagt die Wirtschaft“: Allgemeiner Hintergrund ist überall der  neoliberaler Kapitalismus. Als Lösung gilt die „Öko-soziale Marktwirtschaft“, bei der Mensch & Natur nicht als Kapital genommen werden, diesem nicht unterliegen (lit.44)

9. „Menschenrechte? nicht betroffen!“:

Diese werden aber doch verletzt: das Recht auf Nahrung (§11), Gesundheit (§12), Arbeit (§6), freie Forschung (§15), Eigentum (Biobauern),  Selbstbestimmung (§1). Siehe auch www.ProLeben.at & Buch (lit.70).

10. „Demokratie? nicht betroffen!“: aber keine Mit-Sprache/-Entscheidung der Bürger. Die Zukunft liegt klar in direkter Demokratie auf Basis eines höheren Bewusstseins der
Menschen (bottom-up): Das Volk entscheidet mittels sog. Laien-Konsens-Konferenzen (Vorbild Norwegen bei Gentech-Gesetz GenAct, lit.68, 69,75).

Essentielle Aussage: Die Wissenschaft soll ihre Hausaufgaben machen, bevor es zu einer Anwendung kommt!

Ergo: Grüne Gentechnik als Anwendung der Genetik auf Pflanzen und Lebensmittel ist wie jede Technik keine Frage des Könnens, sondern des Sollens, d.h. die öko-sozialen Folgen sind vorher mittels ganzheitlicher Wissenschaft & Erfahrungen zu klären. Dabei sind sowohl Langzeitstudien durchzuführen, bes. durch unabhängige Wissenschaftler, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden und die der Gesellschaft und nicht der Wirtschaft verantwortlich sind. Das Vorsorgeprinzip als ethische Linie (lit. 69) ist dabei anzuwenden.

Das neueste Buch von Klaus Faißner* (lit.129) schildert den akuten Zustand der Sache!

Zusammengefasst bedeutet die jetzige Situation folgendes:

1)    Die Gentechnik spiegelt den allgemeinen Zeitgeist wider, der seit der Aufklärung von Wissenschaftsgläubigkeit dominiert wird: die Genetik als Grundlagenwissenschaft folgt dem materiell-reduktionistischem Denken, Darwins Hypothesen werden als wahr verkauft, obwohl sie als pseudowissenschaftlich erkannt wurden: Das Recht des Stärkeren dominiert nicht die Evolution, weder beim Menschen noch in der Natur!

2)     In der Anwendung dann, in der Gentechnik, herrscht unser Wirtschaftdenken vor: Ethik wird marginalisiert („Ich muss tun, was ich machen kann“, das Sollen spielt kaum eine Rolle), und damit werden die öko-sozialen Folgen vernachlässigt. Produzieren und Konsumieren gehören zusammen!

Die Zukunft braucht also eine zweite Aufklärung, die die Dogmen der Wissenschaft überwindet und ganzheitlich wird. Bewusstseinsbildung, die bei Einzelnen (eventuell bei einer kleinen Mehrheit in der Bevölkerung) schon begonnen hat, ist das Vordringlichste!

Auf Grund dieser Aussagen der 10 Dogmen kann sich jeder Bürger seine Meinung bilden!

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* Klaus Faißner, Wirbelsturm und Flächenbrand, Das Ende der Gentechnik, ISBN: 978-3-200-01749-8 (Anm. gs)

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