Save Our Seeds

http://blogs.taz.de/saveourseeds/2011/03/16/bauernverband_fuer_saatgutverunreinigung/

Bundesrats-Ausschuss will Nulltoleranz im Saatgut kippen
16.03.2011

Bauernverband für Gentechnikgrenzwerte im Saatgut
von saveourseeds

DBV Sekretär Helmut Born fordert Gentechnik-Grenzwerte im Saatgut
“Wir fordern deshalb, für Saatgut geeignete Kennzeichnungsschwellenwerte für zugelassene GVO einzuführen” und “wir benötigen die Einführung pragmatischer Toleranzwerte für zufällig bzw. technisch unvermeidbare Verunreinigungen mit in der EU nicht zugelassenen GVO“. Eindeutige Worte vom Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Helmut Born. Geschrieben an Mitglieder des Europäischen Parlaments anläßlich eines Berichts des EP zum Vorschlag der EU Kommission, künftig den Mitgliedstaaten das letzte Wort beim Anbau von Gentechnik auf ihren Äcker zu geben. Dies lehnt der Bauernverband ab.
Der Brief, der “Save Our Seeds” heute zugespielt wurde, könnte viele Mitglieder des DBV erstaunen. Denn in der deutschen Öffentlichkeit zeigte sich der Bauernverband in letzter Zeit eher moderat was seine Unterstützung der “Grünen Gentechnik” und den Schutz der Landwirte vor unerwünschter Verunreinigung ihres Saatgutes und ihrer Felder betrifft. Der Bayerische Bauernverband etwa fordert unmißverständlich ein gentechnikfreies Bayern.
Genauere Beobachter der Positionierung des Bundesverbandes mag der Inhalt des Briefes weniger überraschen. Erst im November stellte DBV Generalsekretär Born zusammen mit Gentechnik-Betreibern die Forderungen des “Deutschen Bioökonomierates” vor, der sich in seiner Stellungnahme vehement für eine Liberalisierung des Gentechnikgesetzes auf deutscher und europäischer Ebene einsetzt und Milliarden-Investitionen der Bundesregierung in die Gentechnikforschung für erforderlich hält, damit industrielle Rohstoffe von deutschen Äckern für die Chemie- und Ölindustrie fließen können.

Auf den letzten Skandal gentechnischer Verunreinigung von etwa 3000 Hektar mit einer Maissorte der Firma Pioneer hatte DBV-Präsident Sonnleitner im vergangenen Jahr zum Entzücken grosser Saatgutunternehmen wie KWS, Monsanto und Syngenta mit der Forderung nach einem “neuen Umgang mit Gentechnik” reagiert: Wenn es unvermeidbare technische Rest-Vermengungen mit genveränderten Pflanzen an der Nachweisgrenze gebe, müssten diese toleriert werden.
In einem Positionspapier machte der Bauernverband bereits im Dezember 2010 deutlich, dass er nationale Selbstbestimmung beim Anbau von Gentechnikpflanzen ablehnt, weil dies zu einer “Zersplitterung des europäischen Binnenmarktes” führe. Auch die Bundesregierung lehnt eine derartige Verantwortung ab: Schließlich müsste sie gegenüber dem Agro-Gentechnik mehrheitlich ablehnenden Wahlvolk dann selbst Position beziehen und könnte die Entscheidung nicht länger auf “die Mehrheiten in Brüssel” schieben. Ähnliches dürfte auch Born befürchten: Anstatt den Anbau “nur auf wissenschaftlicher Grundlage und nach Möglichkeit auf EU-Ebene vorzunehmen“, hätte das Wahlvolk bei nationaler Entscheidungsfreiheit ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Demokratie aber tut der Gentechnik erfahrungsgemäß nicht gut. Ob der vehemente Einsatz seiner Funktionäre für die Gentechnik dem Deutschen Bauernverband letztlich gut tut bleibt abzuwarten. Dass sie damit im Namen der Mehrheit ihres Berufsstandes sprechen darf jedenfalls bezweifelt werden.

P.S. Ob auch der Bundesrat am Freitag dieser Woche für eine Aufweichung der Nulltoleranz für Gentechnik im Saatgut stimmt, wird derzeit heftig diskutiert….

Mehr Details sowie Abbildungen – siehe zitierter Originalbericht (Link)

 

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/23440.html

14.03.2011 | permalink
Gentechnik: Baden-Württemberg rudert in Saatgutfrage zurück

Benedikt Haerlin (Foto im Artikel) setzt sich mit Save our Seeds schon seit Jahren für die Reinhaltung des Saatgutes ein.

Weitere Informationen: www.saveourseeds.org
Dem baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium wird seitens der Landtagsgrünen vorgeworfen, nicht mehr für die Reinheit des Saatgutes einzustehen. Das Ministerium weist den Vorwurf zurück und teilte am Wochenende mit, dies entbehre jeglicher Grundlage. Vergangene Woche hatte Baden-Württemberg gemeinsam mit Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine Änderung der Verwaltungsvorschrift im Bundesrat gefordert, eine „praktikable technische Lösung für die Nulltoleranz bei Saatgut baldmöglichst zu definieren“. Das Ministerium verschanzt sich nun hinter der Argumentation es gäbe in der Bundesrepublik Deutschland keine einheitlich festgelegten Regeln zur labortechnischen Untersuchung von eventuell gentechnisch verändertem Saatgut. Es gäbe auch keine einheitliche Vorgehensweise bei der Beprobung, Untersuchung und Interpretation der Ergebnisse. Eine Forderung nach einem Grenz- oder Toleranzwert bei Saatgut, sei dies jedoch nicht. Nach Angaben von Benedikt Haerlin, Save our Seeds, existieren bereits einheitliche Verfahrensregeln. Seiner Einschätzung nach zielt das Ministerium vornehmlich darauf ab, Ergebnisse so interpretieren zu können, dass der Nachweis von GVO im Saatgut bei den Stichproben der Länderbehörden nicht in jedem Falle zu einer Aberkennung der Saatgutzulassung führt. Dennoch begrüßt er die Klarstellung aus Baden-Württemberg, fordert jedoch die Bundesländer dennoch auf, den Antrag abzulehnen und zu dokumentieren, dass sie es mit der Einhaltung der Nulltoleranz in der Praxis weiterhin ernst meinen.

Hier ein Link zur Einrichtung Save Our Seeds – lesens- und abonnierenswert!

http://blogs.taz.de/saveourseeds/bio/ >

Wer steckt dahinter?

An dieser Stelle denkt Benny Haerlin laut über allerlei Fragen im engeren und weiteren Zusammenhang der Agro-Gentechnik nach. Er befaßt sich schon länger mit diesen Fragen und ist privat ein grosser Freund der Suppe und ihrer Kultur. Zusammen mit dem Informationsdienst Gentechnik vermeldet er Globales und Lokales, Wissenschaftliches, Lächerliches und Kurzweiliges aus der wilden Welt der Gentechnik und Landwirtschaft. Seiner Meinung nach dreht sich bei der Debatte letztlich alles um Sex – von Pflanzen, Tieren und Mikro-Organismen. Wer den beherrscht entscheidet was morgen auf diesem Planeten noch leben und gegessen werden darf. Es geht also um freie Liebe auf dem Feld.

Save our Seeds” ist eine europäische Initiative der Zukunftsstiftung Landwirtschaft gegen Gentechnik im Saatgut. Über 200.000 Bürgerinnen und Bürger, 350 Organisationen mit 25 Millionen Mitgliedern aus ganz Europa stecken dahinter. Wer will kann gerne mitmachen.

Ausserdem befassen wir uns mit globalen Landwirschafts- und Ernährungsfragen und versuchen, nach fünf langen Jahren in den Korridoren der UNO und der Weltbank die interessanten Botschaften des Weltagrarberichts zu verbreiten: www.weltagrarbericht.de

und sind Mitglied der Bloggereigenossenschaft agrardebatte.de

Zudem betreiben wir unbeirrt und mit wachsender Begeisterung einen “Zwergenaufstand” in deutschen Gärten: die Aktion Bantam-Mais und organisieren immer mal wieder grössere Parties der gentechnikfreien Regionen Europas.

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