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Agraraktien, die Profiteure des Rohstoffbooms?

21.01.2011 13:40
von Thomas Spinnler
Wer sich nicht in Agrar-Rohstoffen engagieren möchte, könnte einen Blick auf Aktien des Agrarsektors werfen. Aber Anleger sollten genau hinsehen, denn die Risiken sind je nach Branche durchaus verschieden.

Experten und Marktbeobachter sind sich weitgehend einig: Die Preise für Agrarrohstoffe werden weiter zulegen. Die Gründe für diese Prognose sind bekannt und plausibel. Es ist ein so genannter Megatrend: Zum einen sorgt die wachsende Weltbevölkerung für eine wachsende Nachfrage nach Nahrungsmitteln.

Die Verwestlichung der Essgewohnheiten in den Schwellenländern spielt dabei genauso eine Rolle wie der Klimawandel und die Tatsache, dass sich Agrarrohstoffe auch als Biokraftstoffe verwenden lassen. Preistreibend wirkt schließlich auch das Schrumpfen des weltweiten Angebots an Ackerland durch Erosion oder Verstädterung.

Verlustausgleich über den Aktienmarkt?
Jeder Anleger kann die Folgen am eigenen Geldbeutel beobachten: Im Dezember kosteten Lebensmittel 3,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt zur Eröffnung der „Internationalen Grünen Woche“ mit. Experten zufolge müssen sich die Deutschen auch im laufenden Jahr auf steigende Nahrungsmittelpreise einstellen. Bauern und Ernährungsindustrie erklären die Zeit vergleichsweise stabiler Preise jedenfalls für beendet.

Ist es da nicht einen Versuch wert, sich die gestiegenen Kosten über Gewinne an der Börse zurückzuholen? „Wir sehen die Entwicklungsmöglichkeiten für Aktien aus dem Bereich Agrar sehr positiv“, sagt Harald Gruber, Analyst bei Silvia Quandt Research, im Gespräch mit boerse.ARD.de. Die Unternehmen böten gute Chancen auf Wertzuwachs und ein stetiges, starkes Gewinnwachstum. Und Gruber meint, es sei noch nicht zu spät, einzusteigen: „Der Agrarsektor wird nachhaltig über die nächsten Jahre profitieren“, lautet seine Prognose.

Saatgut ist gefragt

Bereits kurz nach dem Jahreswechsel machte der der US-Agrochemiekonzern Monsanto mit unerwartet positiven Zahlen zum ersten Quartal auf sich aufmerksam. Vor allem im Geschäft mit Saatgut legte der Konzern zu und schrieb insgesamt schwarze Zahlen. Noch im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der Konzern einen Nettoverlust von 1,1 Milliarden Dollar eingefahren, im Vorjahr sogar beinahe das Doppelte. Das könnte ein Signal für die Branche sein: Experten sehen in den verbesserten Zahlen ein Zeichen dafür, dass Saatprodukte zukünftig höhere Preise erzielen dürften.

„Wir bleiben bullish“

Die Morgan-Stanley-Analysten Vincent Andrews und Megan Davies äußern sich ebenfalls optimistisch. „Wir bleiben ‚bullish'“, schreiben sie in einer aktuellen Sektor-Studie. Sie glauben, dass die Bewertungen insbesondere für den kanadischen Kali- und Düngemittelkonzern Potash und für Monsanto attraktiv seien, wenn man das aktuelle Preisumfeld der Agrarrohstoffe berücksichtige. Monsanto und der Rivale Syngenta sind unlängst wegen seiner Praxis der Genmanipulation unter Beschuss geraten. Von steigenden Mineraldüngerpreisen könnten letztlich auch die deutschen Branchenvertreter K+S sowie KWS Saat profitieren.

Auch Kalisalze stehen wieder stärker im Fokus. Analysten der US-Bank vergleichen die Situation mit dem Jahr 2007, als die Nachfrage nach Kalisalzen ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte: „Wir sehen Raum für Nachfrage, die die Spitze von 2007 noch übersteigen könnte.“ Der Grund für den starken Bedarf nach Düngemitteln liegt auf der Hand: Wenn die Anbauflächen insgesamt zurückgehen, müssen die vorhandenen Gebiete intensiver bewirtschaftet werden. Das funktioniert nur mit chemischer Nachhilfe.

Aber Investoren sollten daran denken, dass gerade Kali oder Mineraldünger volatilere Produkte als Saatgut sind. „Mineraldünger, das heißt Stickstoff, Kali und Phosphat sind gewöhnlich zyklischer bezogen auf den Preis, verglichen mit Saatgut oder Agrochemie. Denn erstere stellen den größten Kostenblock unter den Agro-Rohstoffen für die Landwirte dar“, stellt Gruber fest. Das Feld Agrochemie, also unter anderem Schädlings- oder Pilzbekämpfung, wird unter anderem auch von BASF und Bayer kultiviert.

Auch die Produzenten nicht vergessen…
Neben den Unternehmen, die sich auf Düngemittel und Kalisalze spezialisiert haben, könnte es sich auch lohnen, die Aktien anderer Konzerne zu beobachten. Weniger bekannt dürfte zu Beispiel KTG Agrar sein, mit einer Fläche von 30.500 Hektar ein führender Produzent von Agrarrohstoffen in Westeuropa. Der Konzern ist mit Aktivitäten in den Segmenten ökologischer und konventioneller Landbau sowie Biogaserzeugung recht breit aufgestellt.

Ein Neuling auf dem Börsenparkett ist Tonkens: Das Unternehmen widmet sich schwerpunktmäßig der Milchproduktion und dem Anbau von Getreide, Kartoffeln, Mais und Zwiebeln auf einer bewirtschafteten Fläche von rund 3.000 Hektar.

…und die Risiken

Natürlich besteht für Privatanleger auch die Möglichkeit, sich über Rohstofffonds am Markt zu engagieren: Wenn sie in Rohstofffonds investieren, kaufen Anleger eine bessere Risikostreuung mit, erklärt Gruber. Aber wenn eine einzelne Aktie gut laufe, seien die Gewinnchancen auch höher. Das funktioniert natürlich in beide Richtungen.

Risikolos ist der Sektor ohnehin nicht: Ein konjunktureller Einbruch der Weltwirtschaft würde auch auf den Preisen der Agrarrohstoffe lasten. Außerdem spielt naturgemäß das Wetter eine große Rolle. Durch die globale Erwärmung haben sich die Wetterkapriolen verschärft – wie erst jüngst in Australien zu beobachten war

http://www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/bwien/spenden-spekulation-sternsinger-haben-sich-mit-conwert-verzockt-454935/index.do

Spenden-Spekulation: Sternsinger haben sich mit Conwert verzockt

Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ berichtet, hat die Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar seit 2005 insgesamt rund 400.000 Euro an Spendengeldern in Einzelaktien bei der Conwert Immobilien Invest AG investiert.

2009 seien die Aktien während der Immobilienkrise von ursprünglich 13,2 Euro pro Stück auf 2,9 Euro abgestürzt. Der derzeitige Wert liege wieder bei 10,9 Euro.

Erwin Eder, Geschäftsführer der Dreikönigsaktion, erklärt gegenüber „profil“, den Kursverfall zu bedauern. Der Anlageberater der Sternsinger habe die Geldanlage als „mittleres Risiko“ bezeichnet und den Abschluss empfohlen.

„profil“ veröffentlicht eine das Aktiengeschäft betreffende Abrechnung der Grazer „Capital Bank“, welche die Dreikönigsaktion der Diözese Linz als Investor ausweist. Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz erklärt gegenüber „profil“, es habe sich „nicht um eine hoch spekulative Veranlagung“ gehandelt. Diese entspreche „den Ethikrichtlinien der österreichischen Bischofskonferenz“.

http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2011/nr2-vom-1012011/agrarfreihandel-fuehrt-zu-mehr-hunger-und-ausbeutung-in-der-welt/

Agrarfreihandel führt zu mehr Hunger und Ausbeutung in der Welt

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise und den verheerenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und auf die darin lebenden Menschen tritt immer wieder die Spekulation mit Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen in den Fokus des weltweit vernetzten Finanzmolochs. Da die Derivatgeschäfte an den Finanzmärkten Hochrisikogeschäfte sind, haben sich in den letzten Jahren die Fondsmanager und Berufsspekulanten vermehrt auf die Nahrungsmittelbranche gestürzt, um ihre zweifelhaften Gewinne in einen neuen Sektor zu investieren, eine neue Blase zu bilden und erneut Milliardengewinne einzustreichen. Dies hat zu enormen Preissteigerungen von Getreide und anderen Agrarprodukten geführt, die besonders ärmere Länder in schwere Krisen gestürzt haben. Auf Grund dieser Entwicklung hat der Uno-Menschenrechtsrat bereits im Juni 2008, noch vor dem Zusammenbruch der Lehman Brothers, eine Sondersitzung einberufen, um auf diese dramatischen Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und eine Resolution zu verabschieden, die dem Menschenrecht auf Nahrung verstärkte Beachtung schenkt und die Staatengemeinschaft verpflichtet, alles daran zu setzen, dass die Ärmsten der Armen nicht unter der Habgier und der damit verbundenen Spekulationswut der «Satten» zu leiden haben.

thk. Neben der unsäglichen Spekulation mit Agrarprodukten hat sich für kleine Länder und Entwicklungsländer der Freihandel à la WTO als besonders heimtückisch herausgestellt, da ausschliesslich die Industrienationen mit grossflächigem Agrarland einen Vorteil besitzen und so zu Preisen produzieren können, die vor allem die noch schwachen Märkte der Entwicklungsländer sowie deren einheimische Landwirtschaft zerstören. Somit werden vornehmlich Entwicklungsländer weiterhin in der Abhängigkeit von den reichen Nationen gehalten. Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre, legt in seinem publizierten Vortrag «Globalisierung und Landwirtschaft – Mehr Wohlstand durch weniger Freihandel» wissenschaftlich einleuchtend und nachvollziehbar dar, dass der Freihandel in der Landwirtschaft zur Verarmung besonders der ländlichen Bevölkerung sowie zu einem Verschwinden von bäuerlichen Betrieben führen muss. Die lange im Vokabular der Globalisierer geführte These vom «Wohlstand für alle durch freie Märkte» wird damit endgültig ad absurdum geführt (vgl. Kasten).

Landraub verstärkt Spekulation

Als neue Bedrohung für die Ernährungssicherheit ganzer Staaten kommt der in den letzten Jahren immer stärker grassierende Kauf von fruchtbarstem Landwirtschaftsland in Afrika, Asien und Europa hinzu (vgl. Leitartikel auf Seite 1), unter anderem auch von Erdöl exportierenden oder produzierenden Ländern, die gleichzeitig Agrarrohstoffe für Biodiesel anbauen wollen, um sich diesen Markt ebenfalls zu sichern, auf Kosten der oft schlecht ernährten oder gar hungernden Bevölkerung in diesen Ländern. Während der von der Uno (FAO) in Auftrag gegebene Weltagrarbericht (IAASTD) auf Grund seriöser wissenschaftlicher Studien schon vor zwei Jahren zu dem eindeutigen Schluss kam, dass die kleinräumige, lokal oder regional verankerte Landwirtschaft am besten dazu geeignet ist, die Bevölkerung des jeweiligen Landes mit genügend Nahrungsmitteln zu versorgen, finden sich immer wieder die grossen Apostel des Agrarfreihandels, die nach wie vor die «heilenden Kräfte des freien Marktes» zum besten geben. Dabei ignorieren sie bewusst, dass die Organisationsform des Familienbetriebs oder der genossenschaftliche Zusammenschluss, wie er auch in der Schweiz traditionell immer betrieben wurde und heute noch betrieben wird, am besten dafür geeignet ist.

Lokal verankerte, kleinräumige Landwirtschaft löst Hungerkrisen

«Das Konzept, in durchrationalisierten Monokulturen riesige Mengen weltweit gehandelter Agrarrohstoffe aus wenigen standardisierten Hochleistungspflanzen zu gewinnen und dann in immer aufwendigeren und komplexeren industriellen Verarbeitungsgängen zu der scheinbaren Vielfalt zu verarbeiten, die wir aus unseren Supermärkten kennen, hat wesentlich zu den modernen Formen der Über- und Fehl ernährung beigetragen. Es erfordert gewaltige Mengen an Pestiziden und Kunstdünger und verbraucht mittlerweile rund 70 Prozent unserer gesamten Süsswasserentnahme. Ausgelaugte versalzene Böden, Entwaldung, die Vergiftung ganzer Wasserläufe und natürlicher Nahrungsketten und ein Artensterben unbekannten Ausmasses sind der ökologische Preis des Fortschritts. Trotz Überproduktion ist das industrielle Modell globalisierter Landwirtschaft unfähig, die Grundbedürfnisse von Milliarden von Menschen nach ausreichender und ausgewogener Ernährung zu befriedigen. Statt dessen erlaubt es, besonders in Lateinamerika und in Teilen Asiens und Afrikas, eine florierende industrielle Produktion sogenannter cash-crops, die an der unversorgten Bevölkerung vorbei auf dem Weltmarkt verkauft werden.» Soweit der Kommentar der deutschsprachigen Broschüre zum Weltagrarbericht «Wege aus der Hungerkrise – Die Erkenntnisse des Welt agrarberichtes und seine Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen». Dieser von über 400 Wissenschaftlern ausgearbeitete Bericht kommt denn auch auf folgenden Ausweg aus dieser Krise: «Diversifizierte, kleinbäuerliche Höfe stellen den Löwenanteil der weltweiten Landwirtschaft. Auch wenn die Produktivitätszuwächse in speziellen Grossbetrieben mit hohem Input schneller erreicht werden können, liegt der grösste Spielraum in der Verbesserung von Existenzgrundlagen und von Gerechtigkeit in den kleinteiligen und vielfältigen Produktionssystemen der Entwicklungsländer. Dieser kleinbäuerliche Sektor ist dynamisch und reagiert schnell auf veränderte sozioökonomische Rahmenbedingungen, denen er sein Produktangebot, besonders auch die Steigerung der Produktion, bei gesteigerter Nachfrage anpasst.»1

Setzt die Linke noch immer auf Hochkapitalismus?

Trotz dieser Erkenntnis und den verheerenden Entwicklungen auf den Agrarmärkten parallel zu der Finanzkrise, deren Ausmass vor allem deswegen niemand absehen kann, weil Milliarden von neu geschöpftem Geld im Umlauf sind, scheint offensichtlich eine Mehrheit der Linken immer noch am neoliberalen Projekt des Agrarfreihandels festhalten zu wollen. Die unsinnige Argumentation, dass der Freihandel im Agrarwesen gerade den Unterprivilegierten zugute käme, stösst bei der betroffenen Bevölkerung schon lange auf Widerstand, und in letzter Zeit macht sich auch bei politischen Vertretern zunehmend Skepsis breit und sie wird im seriösen wissenschaftlichen Diskurs immer häufiger in Frage gestellt.
Als der Nationalrat in der Wintersession über die parlamentarische Initiative von Nationalrat Joder abstimmen musste, waren es lediglich zwei Nationalräte der SPS, die für die Initiative gestimmt hatten und somit dem Agrarfreihandelsabkommen mit der EU den Garaus machen wollten – das erklärte Ziel dieser Initiative. Dass der Nationalrat diese am Schluss angenommen hat, ist der Weit- und Einsicht vieler Parlamentarier und nicht zuletzt auch den Bemühungen der bäuerlichen Verbände zu verdanken.

Wo bleiben die Gewerkschaften?

Dass unsere Gewerkschaften sich letzte Woche zu Wort gemeldet haben und bei Schweizer Arbeitnehmern in den Jahren 2000 bis 2008 auf Grund steigender Lebenshaltungskosten, vor allem im Bereich Energie und Gesundheit, einen Einkommensverlust von 1400 Franken feststellten und dies anprangerten, gehört eigentlich zu ihrem Kerngeschäft. Aber dass die Gewerkschaften noch nie ein Wort darüber verloren haben, dass die Bauern seit Jahren einen jährlichen Einkommensverlust in dieser Grössenordnung verzeichnen, gehört wahrscheinlich ins gleiche Kapitel wie die Unterstützung der Linken für einen Agrarfreihandel mit der EU. Alles, was nach Internationalismus riecht, wird unterstützt.

Bauernverband für mehr Ernährungssicherheit

Noch haarsträubender war in einem Teil unserer Medien die Argumentation bezüglich Dioxin-verseuchter Lebensmittel in der EU. Dass ein Agrarfreihandelsabkommen zu einer besseren Information der Schweiz über den Dioxin-Skandal hätte führen müssen, entbehrt jedwelcher Grundlage. Erst nach Tagen kommt das ganze Ausmass des Skandals ans Tageslicht, und man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass die EU-Behörden völlig ahnungslos sind und das Ganze eher verharmlost haben, als dass sie über das wirkliche Ausmass Bescheid wissen. So kommen jeden Tag neue Ungeheurlichkeiten ans Tageslicht.
Bis heute gibt es, der Unabhängigkeit sei Dank, keine Hinweise, dass verseuchte Produkte in die Schweiz gelangt seien. Bei einem Agrarfreihandel mit der EU hätten wir die Produkte im Land ohne jede Kontrolle an der Grenze. Das sind die rosigen Aussichten eines solchen Freihandelsabkommens mit der EU, unter dem die EU-Bürger ebenfalls leiden.
Am 4. Januar hat sich der Schweizerische Bauernverband an seiner Neujahrs-Pressekonferenz dezidiert und fundiert zu der gesamten Problematik der Landwirtschaft, des Agrarfreihandels mit der EU und der Ernährungssicherheit geäussert. Dabei kamen verschiedene kritische Punkte zur Sprache, die ein Agrarfreihandel mit sich bringen würde, und dass gerade in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit nichts Unsinnigeres getan werden könnte, als die Nahrungsmittelversorgung im eigenen Land vermehrt vom Ausland abhängig zu machen. Im folgenden druckt Zeit-Fragen, die wichtigen Stellungnahmen der Pressekonferenz ab.    •

1    Global Report of International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD), Agriculture at a Crossroad.

«Zusammenfassend kann man sagen: Freihandel bei landwirtschaftlichen Produkten führt zu vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. Verlierer sind die meisten Bauern, sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern, während sich einige Grossbauern und ein paar internationale Konzerne zu den Gewinnern zählen dürfen. In den ärmsten Entwicklungsländern machen die sich auf der Verliererseite befindenden Kleinbauern zudem die Mehrheit der Bevölkerung aus. Aus diesem Grund sind gerade diese Länder am stärksten von den negativen Folgen des Freihandels betroffen, obwohl sie gemäss der Theorie am meisten profitieren sollten.
Die wohlstandsmindernden Auswirkungen des Freihandels bei Agrargütern lassen sich aber erst erkennen, wenn man den Handel nicht ausschliesslich unter dem Gesichtspunkt der Theorie der komparativen Vorteile betrachtet. Diese kann nämlich wesentliche Aspekte des Handels mit Agrargütern nicht erfassen und prophezeit deshalb Wohlstandsgewinne, die sich in der Realität in Verluste verwandeln.»

Quelle: Binswanger, Mathias. Globalisierung und Landwirtschaft. Mehr Wohlstand durch weniger Freihandel. ISBN 9-783854-525837, S. 52 f.

http://www.suite101.de/content/rueckrufaktion-von-lidl-wegen-hoher-ethephon-werte-in-paprika-a98014

Rückrufaktion von Lidl wegen hoher Ethephon-Werte in Paprika

16.01.2011 Ruth Weitz

Durch den immer weiter um sich greifenden Dioxin-Skandal wird die Meldung über eine Rückrufaktion der Supermarktkette Lidl kaum wahr genommen. In den Gemüseregalen nordrhein-westfälischer und niedersächsischer Lidl-Filialen wurden beim „Paprika Mix“ mit der Losnummer L-01-05 TUTW hohe, den Grenzwert weit überschreitende Rückstände von Ethephon gefunden. Der in Neckarsulm residierende Konzern hat das Gemüse sofort aus dem Verkauf genommen und am Samstag, 15. Januar 2011, eine Rückrufaktion gestartet.

Belasteter Paprika stammt aus Spanien

Der Lebensmittel-Discounter forderte die Verbraucher auf, den aus Spanien stammenden Paprika-Mix aus den Lidl-Filialen nicht zu essen und ihn gegen Erstattung des Kaufpreises an den Kassen zurückzugeben. Wie Lidl erklärt, handelt es sich um Gemüse, das zwischen dem 10. und 13. Januar 2011 verkauft wurde.

Überhöhte Ethepon-Rückstände in Obst und Gemüse sind gesundheitsschädlich

Laut Konzern-Mitteilung ist Ethephon bei überhöhten Rückständen gesundheitsschädlich und kann Reizungen der Haut sowie auf Schleimhäuten hervorrufen. Ethephon beim Obstanbau und bei der Gemüsezucht ist erlaubt und wird von vielen Agrarbetrieben verwendet. Durch Ethephon reifen bestimmte Obst- und Gemüsesorten schneller als gewöhnlich. Ethephon zeigt seine höchste Wirksamkeit in Phasen des natürlichen Blüten- und Fruchtfalls, mit dem Fremdwort Abszission bezeichnet. Wenn die von der Natur gegebene Tendenz zum Blüten- oder Fruchtfall gering ist, sind höhere Dosierungen von Ethephon notwendig, um die Fallintensität zu verstärken.

Der Wachstumsregler Ethephon und was er bewirkt

Ethephon (2-Chlorethylphosphonsäure), auch Bromeflor, Arvest oder Ethrel genannt, ist ein Wachstums- und Reiferegler für Pflanzen der Firma Rhône-Poulenc. Er wird vor allem bei Weizen, Kaffee, Tabak, Baumwolle und Reis angewendet. Aber auch bei Tomaten, Paprika, und verschiedenen Obstsorten wie Äpfel wird Etephon eingesetzt. Es ist ein in Wasser leicht lösliches Nervengift und kann bei direktem Kontakt Haut- und Augenverletzungen, Kreislaufprobleme bis hin zum Koma sowie Atemstillstand auslösen.

Die chemische Keule und die Gentechnik in der Landwirtschaft

Um höhere Erträge zu erzielen, setzen die meisten Agrarerzeuger auf chemische Mittel zur Düngung und zum Schutz der Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen ein. Mittlerweile ist auch die grüne Gentechnik auf dem Vormarsch. Genveränderte Pflanzen sind gegen viele Einflüsse wie Schädlingsbefall, Krankheiten und Witterungseinflüsse resistent, weil ihre Gene biochemisch manipuliert wurden. Bereits seit Mitte der 1980er Jahre gibt es Bestrebungen, Proteine in Tieren und Pflanzen zu produzieren, um dadurch eine höhere Ausbeute zu erzielen. Beispielsweise wurden Schafe gentechnisch so verändert, dass ihre Milch ein Protein zur Blutgerinnung enthält und Bakterien so manipuliert, dass sie Insulin produzieren. Welche Auswirkungen solche gentechnischen Veränderungen auf den menschlichen Organismus haben und ob gefährliche Mutationen aus einer gentechnisch erzeugten Pflanze oder einem mit Genveränderungen manipulierten Tier entstehen können, wurde noch nicht hinlänglich erforscht.

Stellungnahmen und Erläuterungen beim Bundeslandwirtschaftsministerium

Die Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel sowie die Haltung der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zum Einsatz von chemischen Zusätzen und Gentechnologie in der Agrarwirtschaft sind im Internetportal des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nachzulesen.

http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2011/nr2-vom-1012011/kein-kniefall-vor-der-eu/

Kein Kniefall vor der EU

Die schwer angeschlagene EU versucht der Schweiz Befehle zu erteilen

Grosse wirtschaftliche Schwierigkeiten, katastrophale Finanz- und Währungsprobleme, ein eklatantes Demokratiedefizit und ein andauerndes «Schönreden» der offenkundigen Schwierigkeiten – mit diesem Zustand ist die Europäische Union seit geraumer Zeit konfrontiert. Doch anstatt vor der eigenen Tür zu wischen und die Hausaufgaben zu machen, wird nun grossmundig verkündet, dass der bilaterale Weg mit der Schweiz an Grenzen gestossen sei, deshalb überdacht, neu definiert und angepasst werden müsse. Diese Strategie ist jedoch derart durchsichtig und unehrlich, dass selbst Befürworter eingestehen, die EU habe nur die Absicht, die Schweiz als goldene Milchkuh zu missbrauchen und dazu die einzigartige direkte Demokratie und die Volksrechte in diesem Land zu zerstören.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat in beeindruckender Art und Weise hervorgebracht und erhärtet, was vermutlich in der EU schon lange hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde. Nämlich die Tatsache, dass in einem direktdemokratisch regierten Land, in dem der Souverän (das Volk) das letzte Wort hat, die Anfälligkeit auf Krisen viel weniger gross ist. Warum wohl? Die Regierung und das Parlament sind bei ihrer Arbeit gehalten, mehrheitsfähige Lösungen zu suchen, vorzuschlagen und umzusetzen. Allenfalls kann die Umsetzung erst nach einer Urnenabstimmung erfolgen. Verfassungsänderungen müssen den Stimmberechtigten zwingend unterbreitet werden. Eine verantwortungsvolle Politik der kleinen Schritte ist zwar weniger spektakulär, verhindert aber grössere Fehler, die allenfalls nicht mehr korrigiert werden können. Das Regierungssystem der Schweiz garantiert eine hohe Mitsprache des Volkes, Stabilität und Sicherheit. Diesem Erfolgsmodell muss auch in Zukunft Sorge getragen werden.

Die EU auf Schleuderkurs

Getragen von der Vision eines einzigen zentralistisch und diktatorisch regierten Staates in Europa sind in Brüssel über Jahre Entscheidungen getroffen worden, die mangels Solidarität unter den einzelnen Mitgliedsländern vielfach nach eigenem Gutdünken interpretiert und vielleicht umgesetzt wurden. Die Bevölkerung wurde bewusst nicht mit einbezogen. Wahrscheinlich wegen des schlechten Gewissens sind dann in einigen wenigen Staaten zur EU-Verfassung und nachher zum Vertrag von Lissabon Volksabstimmungen durchgeführt worden. Die Resultate zeigen deutlich, dass die Menschen in der EU grossmehrheitlich mit dem beschrittenen Weg nicht einverstanden sind und mehr Mitsprache wollen.
An den jeweiligen Sitzungen der Minister war und ist das gemeinsame Photo wichtigster Programmpunkt, um Einheit demonstrieren zu können. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber bereits aufgelistet. – Mit der Einführung des Euro wurde die eigenstaatliche Währungsintervention in Krisensituationen ausser Kraft gesetzt. In der Wirtschafts- und Finanzkrise sind deshalb viele EU-Länder Gefangene der neuen Währung geworden. Sie können den Schutz ihrer eigenen Interessen nicht mehr wahrnehmen. Welche Herausforderung das für den Moloch in Brüssel darstellt, erleben wir jetzt täglich. Gewaltige finanzielle Rettungsschirme sind praktisch aus dem Nichts installiert worden. Der IWF, dessen Aufgabe es eigentlich ist, den Entwicklungsländern, meistens den Ärmsten der Armen unter die Arme zu greifen, wird nun herangezogen, um arg verschuldete EU-Mitgliedstaaten zu unterstützen und vor dem Staatsbankrott zu bewahren. Es ist noch nicht abzuschätzen, welche Dimension das Rettungspaket erhält, wenn die Hilfe auch auf Italien und weitere Länder ausgeweitet werden muss. Dieser Schleuderkurs ist darauf zurückzuführen, dass über Jahre über die Verhältnisse gelebt, der Schuldenwirtschaft nie ernsthaft der Kampf angesagt wurde und die Menschen in den EU-Staaten nie in einen demokratischen Weiterentwicklungsprozess mit einbezogen waren.
Wer nun aber glaubt, die EU würde auf Grund dieser dramatischen Situation intern über die Bücher gehen, sieht sich in dieser Annahme schwer enttäuscht. Nicht etwa die eigenen Fehler, das eigene Unvermögen sollen korrigiert werden, sondern ein funktionierendes und erfolgreiches Land will man enger an sich binden, ja am liebsten direkt einverleiben. Es ist den EU-Strategen in Brüssel natürlich nicht entgangen, dass die Schweiz die wirtschaftlichen Turbulenzen der letzten Jahre gut überstanden hat, der Staatshaushalt schwarze Zahlen schreibt, Schulden abgebaut werden konnten und der Schweizer Franken für sichere Anlagen so begehrt ist wie noch selten. Darum ist die Absicht für eine engere und/oder andere Zusammenarbeit zum Thema geworden.

Die Schweiz hat keinen Grund, vom erfolgreichen Weg abzurücken

Weltweit werden dem demokratischen System und den Volksrechten der Schweiz hohe Anerkennung zuteil. Fortschrittliche Staaten übernehmen sogar unsere Verfassung und die Gesetze. Doch mit dem Miteinbezug der Bevölkerung in den politischen Prozess tun sich alle sehr schwer. Der «Machtverlust» der «classe politique» ist für viele Politiker nicht zu verkraften. Der Bürger hat sich mit der Wahl der politischen Garde zu begnügen und muss nachher alles hinnehmen, was beschlossen wird.
Dabei zeigt die Schweiz in beeindruckender Art auf, dass die Politik vor dem Volk keine Angst haben muss. Vielmehr verhilft die Mitarbeit des Volkes zu vernünftigen und ausgewogenen Lösungen, zu stabilen Verhältnissen und zu einer vertrauenswürdigen Volkswirtschaft. Menschen schätzen Sicherheit persönlich, beruflich und finanziell. Sie sind darum auch bereit, sich langfristig dort zu engagieren, wo das Risiko am kleinsten ist, aber die eigenen Bedürfnisse am besten abgedeckt werden. Es muss ein erstes Ziel sein und bleiben, dass der Staat finanziell nur das Notwendige fordert und dem Bürger, zusammen mit der Eigenverantwortung, möglichst viel zum Leben bleibt. Wichtig ist, dass dieses erfolgreiche Modell auch in Zukunft für unser Handeln im Zentrum steht. Denn damit haben wir keinen Grund, von unserem erfolgreichen Weg abzurücken.
Eine erfolgreiche Aussenpolitik für die Schweiz muss auch darin bestehen, dass alles unternommen wird, um andere Länder davon zu überzeugen, wie wichtig der Einbezug des Volkes in die Entscheidungsfindung für eine prosperierende Zukunft ist. Das ist unser Aushängeschild und unsere Stärke. Dieser Leistungsausweis verlangt keinen und verbietet einen Kniefall vor der EU.

Ernst Schibli, Nationalrat, Otelfingen

http://inge09.blog.de/2010/10/15/gvo-konzern-monsanto-laesst-gegner-blackwater-ausspionieren-9632366/

Neuer Skandal: Monsanto und Blackwater

Der berüchtigte GVO-Saatgut-Monopolist Monsanto hat die nicht minder berüchtigte private Sicherheitsfirma Blackwater angeheuert, um – so wird behauptet – Gegner und Kritiker sowie deren unbequeme Vorgehensweise auszuspionieren. Die Zusammenarbeit von Monsanto und Blackwater ist ein Hinweis darauf, was sich wirklich hinter der »wunderbaren Biotechnologie« verbirgt. Das Zusammenwirken ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass der größte Saatgut-Konzern der Welt und GVO-Monopolist zu immer drastischeren Mitteln greift, um sein Saatgut an den Mann bringen zu können.

Der berüchtigte Agrobusiness-Konzern Monsanto hat den nicht minder berüchtigten privaten US-Sicherheitsdienstleister Blackwater angeheuert – genau die Firma, der neben anderen Verbrechen zur Last gelegt wird, 2007 wahllos 17 irakische Zivilisten getötet zu haben. Blackwater-Söldner hatten damals auf einem belebten Markt das Feuer eröffnet.

Die weltweite Empörung über die Söldnertruppe war so gewaltig, dass Blackwater inzwischen den Firmennamen geändert hat und sich seither unverfänglicher Xe Services nennt. Außerdem wurden Dutzende Strohfirmen gegründet, die nicht umgehend als Blackwater zu erkennen sein sollen. Die Regierung Obama beauftragt entgegen anderslautenden Beteuerungen immer noch Tochterfirmen von Blackwater, unter anderem für die »Sicherheit« in Afghanistan. Selbst die Deutsche Bank hat für Dienstleistungen im Ausland die Blackwater-Strohfirma Total Intelligence Solutions von Eric Prince, dem Gründer und Eigentümer von Blackwater, angeheuert.

Wie Jeremy Scahill, der seit geraumer Zeit über Blackwater recherchiert, in der Zeitschrift The Nation berichtet, hat Monsanto Blackwater 2008 angeheuert – auf dem Höhepunkt der Skandale und Enthüllungen, denen zufolge Blackwater als skrupellose Killertruppe operiert, und dafür auch ehemalige Angehörige der CIA und der Special Forces einsetzt. (1) Laut Scahill hat der Koordinator von Blackwaters verdeckten CIA-Operationen, der ehemalige CIA-Beamte Enrique »Ric« Prado, ein weltweites Netzwerk ausländischer Agenten aufgebaut. Potenziellen Blackwater-Kunden gegenüber wurde deren »Bestreitbarkeit« als »großes Plus« herausgestrichen. Die CIA hat sich häufig »privater« Firmen bedient für die Durchführung illegaler Aktionen, ebenso in Fällen, wo die Beteiligung der US-Regierung verheimlicht werden sollte. Blackwater war seit Anfang 2004 das Zentrum gezielter Tötungsprogramme der CIA. Eine feine Gesellschaft, die da für Monsanto oder die Deutsche Bank arbeiten soll. Mit denen legt sich so leicht niemand an.

Heuert Monsanto CIA-Killer an, um Blogs auszuspionieren?

Laut dem Bericht hat Monsanto 2008 die Fima Total Intelligence Solutions für Aufgaben im Ausland angeheuert. Allem Anschein nach sei, so berichtet Scahill, »die Beziehung zwischen den beiden Firmen 2008 bei einem Treffen zwischen Total-Intelligence-Chef Cofer Black mit Kevin Wilson, Monsantos Sicherheits-Manager für globale Angelegenheiten, im Januar in Zürich vereinbart worden«. Was, bitte, heißt Sicherheits-Manager für »globale Angelegenheiten«?

Scahill berichtet über ein Gespräch mit einem Blackwater-Angestellten, der vor Beginn der Zusammenarbeit mit Vertretern von Monsanto gesprochen hatte. Diesem Bericht zufolge schlug Monsanto Blackwater vor, die Firma solle »zu einer Art Geheimdienstabteilung von Monsanto entwickelt werden« (2). Angeblich bestand der Auftrag darin, in Aktivistengruppen einzudringen, die gegen Monsanto agierten. Der Blackwater-Mitarbeiter sprach von Monsantos »großzügigem Schutz-Budget«. Ist »Schutz« hier im Sinne der Camorra oder der Mafia zu verstehen?

Monsanto behauptet, die Zusammenarbeit mit Eric Prices Strohfirma sei in diesem Jahr beendet worden, die Infiltration von Aktivistengruppen sei zu keinem Zeitpunkt geplant gewesen. Blackwaters Tätigkeit für Monsanto habe vielmehr darin bestanden, »die Berichterstattung in lokalen Medien und anderen öffentlich zugänglichen Informationsquellen zu verfolgen«. Da drängt sich natürlich die Frage auf, warum Monsanto die weltweit berüchtigte, private Sicherheitsfirma einsetzen muss, um Zeitungsartikel zu lesen. Angaben zufolge soll die Blackwater-Strohfirma den Inhalt von Aktivisten-Blogs und -Websites überprüft haben, darunter möglicherweise auch diese hier.

Wenn Monsanto ehemalige CIA-Agenten anheuert, dann ist es dem Unternehmen absolut ernst damit, seine tödlichen Produkte zu verkaufen. Doch damit diskreditiert sich die Firma, die in Deutschland ein Joint Venture mit der BASF betreibt, nur noch weiter. Im Juli 2010 haben BASF Plant Science und Monsanto eine gemeinsame Presseerklärung herausgegeben, in der es hieß: »BASF und Monsanto gaben heute bekannt, dass sie die gemeinsame Entwicklung ertragreicherer und stresstoleranter Nutzpflanzen um Weizen als weitere Pflanze ausdehnen. Darüber hinaus erhöhen die Unternehmen ihre Investitionen in die Zusammenarbeit. Grund sind die erfolgreich identifizierten Ertragsgene und die kommerziellen Erwartungen. BASF und Monsanto arbeiten seit 2007 gemeinsam an Mais, Soja, Baumwolle und Raps. Ursprünglich umfasste das gemeinsame Budget ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Durch die neue Vereinbarung können im Laufe der Zusammenarbeit Investitionen in Höhe von über 1 Mrd. US-Dollar hinzukommen.« (3)

Die Firma Monsanto hat uns Agent Orange, die PCBs, rBST, DDT und Aspartam beschert – und jetzt auch noch Auftragskiller …

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/f-william-engdahl/neuer-skandal-gvo-konzern-monsanto-laesst-seine-gegner-von-blackwater-ausspionieren.html __________

Quellen:

(1) Jeremy Scahill, »Blackwater’s Black Ops«, The Nation, 15. September 2010.

(2) Ebenda.

(3) BASF Plant Science und Monsanto weiten ihre Zusammenarbeit zur Ertragssteigerung von Nutzpflanzen aus, unter: http://www.basf.com/group/pressemitteilungen/P-10-350

http://www.theintelligence.de/index.php/enthuellungen/politik-wirtschaft/1603-privater-geheimdienstdie-deutsche-bank-zaehlt-zu-den-kunden.html

Privater Geheimdienst – Die Deutsche Bank zählt zu den Kunden

15. 10. 2010 | Von: kh

So manche Entwicklungen, die sich im Hintergrund globaler Veränderungen abspielen, stellen unser Weltbild auf den Kopf. Dazu gehören private Unternehmen im Bereich Sicherheit. Als internationaler Marktführer gilt Xe-Services, besser bekannt unter dem alten Namen Blackwater. Angeboten wird ein Söldnerheer ebenso wie Geheimdienst-Informationen. Der ehemalige Direktor der CIA, Cofer Black, sitzt in der Chef-Etage. Zu den bewaffneten Einsätzen von Xe-Service zählt die Präsenz im Irak und in Afghanistan ebenso wie der Auftrag, in New Orleans, nach dem verheerenden Hurrikan Katrina, für Ordnung zu sorgen. Kürzlich wurden dem amerikanischen Journalisten Jeremy Scahill Dokumente zugespielt, die aufzeigen, dass neben der US-Regierung auch das Königreich Jordanien, die kanadische Armee, die holländische Polizei, Monsanto, Walt Disney Company, Royal Caribbean Cruises und eben auch die Deutsche Bank zu den namhaften Kunden zählen.

Dass die aus dem Irak abziehenden Truppen durch Söldnerheere, Security Contractors genannt, ersetzt werden, darüber hat The Intelligence bereits berichtet. Das mit Abstand größte Unternehmen dieser Branche änderte vor einigen Monaten seinen Namen von Blackwater auf Xe-Services. Die Zahl der Mitarbeiter wird auf 40.000 geschätzt. Insbesondere der englische Wikipedia-Artikel berichtet über eine Menge umstrittener Einsätze, zu denen auch die Ermordung von Zivilisten im Irak gehört. Die Legalität des dortigen Engagements befindet sich, nebenbei erwähnt, in einer rechtlichen Grauzone. Ebenfalls als umstritten gilt der Auftrag, der Xe-Services von der amerikanischen Katastrophenbehörde FEMA, nach den, vom Wirbelsturm Katrina verursachten, Verwüstungen erteilt wurde. Rund 600 schwer bewaffnete private Angestellte leisteten Dienste, die eigentlich von offiziellen Polizeieinheiten ausgeführt werden sollten.

Jeremy Scahill setzt sich seit Jahren intensiv mit den Machenschaften dieses Unternehmens auseinander. Im Jahr 2008 veröffentliche er ein Buch mit Namen  „Blackwater – Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt“. Dank Dokumenten, die ihm kürzlich zugespielt wurden, erklärte er in einem bei The Nation erschienen Beitrag Zusammenhänge zwischen CIA, Xe-Services und dem Saatgut-Giganten Monsanto. Und es scheint als würde dieser, weltweit kritisierte, führende Hersteller von Saatgut, bereits die Kontrolle über Xe-Services übernommen haben.

Einer der Schlüsselnamen ist Cofer Black. Nach 28 Dienstjahren bei der CIA, wo er zum Rang eines Direktors aufstieg, diente er von 2005 bis 2008 als Vize-Vorsitzender von Blackwater. Mittlerweile hält er den Vorsitz eines Unternehmens namens Total Intelligence Solutions.

Der zitierte Artikel bei The Nation erwähnt, dass Monsanto Aufträge an Blackwater erteilt hätte, was vom Saatgut-Hersteller auf der eigenen Webseite jedoch vehement dementiert wird. Allerdings, die Inanspruchnahme der Dienste von Total Intelligence Solutions wird dort durchaus bestätigt. Dabei handelt es sich um ein eigenständiges Unternehmen, als dessen Besitzer ein gewisser Erik Prince, ehemaliger Angehöriger der amerikanischen Marine, genannt wird. Und welche Firma gehört ebenfalls diesem Erik Prince? Richtig! Xe-Services.

Was den von der Deutschen Bank erteilten Auftrag betrifft, so handelte es sich um Geheimdienst-Information im Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen zu China. Für einen Preis von 70.000 Dollar wurde ein Bericht über Sicherheitsvorkehrungen geliefert, in dem vor Wanzen in Hotelzimmern der gehobenen Preisklasse ebenso gewarnt wurde wie vor dem Klonen elektronischer Geräte. Außerdem sollten Mitarbeiter der Deutschen Bank misstrauisch reagieren, wenn sie sich plötzlich von reizenden jungen Damen umschwärmt fänden. Es könnte sich, so der Bericht, um Mitarbeiterinnen des chinesischen Geheimdienstes handeln.

Dass sich die Deutsche Bank auf diesem Wege wertvolle Informationen beschafft, ist natürlich legitim. Vielmehr sollte die gesamte Entwicklung zu berechtigter Sorge anregen. Ein Privatunternehmen verfügt über mehrere zehntausend bewaffnete Mitarbeiter. An der Spitze stehen ehemalige Geheimdienst-Angehörige, die wiederum über entsprechende internationale Verbindungen verfügen. Auch wenn ein einzelner Mann, Erik Prince, als Besitzer gilt, ein derartiger Aufstieg vom Navy-Seal zum Inhaber der weltweit stärksten Privatarmee lässt berechtigt darauf schließen, dass eine mächtige Lobby hinter diesem Mann steckt.

Monsanto ist ein Thema für sich. Auch wenn es in Deutschland bis dato gelungen ist, sich von den Machenschaften dieses Unternehmens zu distanzieren, es sind immer mehr Länder auf dieser Welt, dessen Landwirte in die Abhängigkeit von Monsanto gezwungen werden. Traditionelle Feldfrüchte werden durch genetisch veränderte, nicht reproduktionsfähige Samen ersetzt, was wiederum bedeutet, dass jedes Jahr neues Saatgut angekauft werden muss. Dieser selten erwähnte Umstand, dass ein einziges Unternehmen immer mehr Kontrolle über die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln ausübt, sollte nicht nur Landwirte mit Sorge füllen. Ein, im Vorjahr beim Spiegel erschienener Artikel, beleuchtet ausführlich die Macht dieses Unternehmens. Und die Frage ist, wie lange sich Deutschland, im Zusammenhang mit der fortschreitenden Globalisierung, gegen den internationalen Druck erwehren kann. Und dazu kommt, dass, wenn wir Jeremy Scahills Recherchen Glauben schenken, dieses Unternehmen nicht nur auf Regierungen Einfluss ausübt, sondern auch über eine Privatarmee mit dem dazugehörigen Geheimdienst-Apparat verfügt.

Noch weiter abgerundet wird dieses bedrohliche Gesamtbild, das immer mehr darauf verweist, dass die Interessen multinationaler Konzerne über die Entwicklungen demokratischer Länder bestimmen, durch ein Detail, auf das Scahill am Rande verweist. 500.000 Aktien von Monsanto wurden zum Preis von 23 Millionen Dollar von der Bill & Melinda Gates Foundation angekauft. Schon mehrfach hat The Intelligence über den Schwindel mit den Spendengeldern berichtet. In diesem Fall entschied Bill Gates, einen Teil jener Gelder, die angeblich wohltätigen Zwecken dienen sollen, in ein Unternehmen zu investieren, das Landwirte zu zwingen versucht, sich dem Monopol patentierten Saatgutes zu unterwerfen, anstatt in gewohnter Weise einen Teil der Ernte als solches zu nutzen.

Heutzutage scheint es noch undenkbar, dass private Sicherheitskräfte durch die Straßen Deutschlands patrouillieren könnten. Auch in New Orleans hätte man vor wenigen Jahren über ein derartiges Szenario noch gelächelt. Kleinbauern finden in Deutschland noch Unterstützung. Vor Jahren war dies auch in den USA der Fall, und plötzlich verdrängen neue Regelungen, die enorme Investitionen fordern, landwirtschaftliche Kleinbetriebe. In Afghanistan kämpfen deutsche Soldaten Seite an Seite mit NATO-Truppen – und Söldnern von Xe-Services. Und wenn wir nicht alle – und zwar sehr rasch – unsere Aufmerksamkeit derartigen internationalen Entwicklungen widmen, so werden wir eines Tages vor vollendeten Tatsachen stehen, von deren Vorbereitungen wir nicht die geringste Ahnung hatten.

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