Keine Sau will Genfraß

Im Bild: Volker Helldorff beim Vernetzungstreffen in Raab am 15.1.2011

Der markante Spruch des engagierten Kärntner Biobauern Volker Helldorff – auch in Deutschland als Parole in Verwendung:

http://www.donaukurier.de/lokales/hilpoltstein/Keine-Sau-will-Genfrass;art596,2417860

16.05.2011 18:42 Uhr

„Keine Sau will Genfraß“

Hilpoltstein/Roth (HK) Das Bündnis „gentechnikfreier Landkreis Roth und Stadt Schwabach“ hat wieder mobil gemacht: mit einer großen Kundgebung auf dem Rother Marktplatz.

Einmal mehr waren Traktoren mit Transparenten unterwegs, auf denen Forderungen standen wie „Nein zur Dumping-Genmilch“, „Bauern & Verbraucher, wehrt euch!“ oder, ganz drastisch: „Keine Sau will Genfraß“. Dazu spielten die „Staufer Burgbläser“, und die Trommlergruppe „Trommel-Fell“ aus Schwabach. Die Bürgerinitiative „Zivilcourage“ hatte zu ihrer sechsten Kundgebung gegen Gentechnik eingeladen und viele besorgte Bürger waren gekommen.
Die Hauptrednerin Andrea Dornisch von Zivilcourage fand wie immer drastische Worte. „Wir haben keine Wirtschaftsdemokratie, sondern eine Diktatur der Konzerne. Unser Planet befindet sich im letzten Stadium unternehmerischer Habgier“, empörte sie sich und ging mit den handelnden Politikern hart ins Gericht. „Bei der Gentechnik tischen uns diese Handlanger der Agrochemiekonzerne das Märchen der Koexistenz auf und belügen uns nach Strich und Faden. Und jetzt, wo die Koexistenz scheitert, weil der Wind weht und die Bienen fliegen, schreien sie nach einer legalisierten Saatgutverunreinigung, anstatt ein sofortiges Verbot genveränderter Organismen zu fordern“, sagte Dornisch.
Wer die Aufhebung der Nulltoleranz fordere, sei nicht gegen, sondern für das Ende der gentechnikfreien Landwirtschaft und für die Leibeigenschaft der Bauern. Auch an der EFSA, der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, ließ Dornisch kein gutes Haar. Gegründet, um die ökologische und gesundheitliche Risikoeinschätzung von GVO-Pflanzen zu beurteilen, säßen dort in Wirklichkeit zahlreiche mit den Saatgutfirmen kooperierende Mitarbeiter, die sich massiv für die Einführung der Agro-Gentechnik einsetzten. Dornisch: „Unser Bündnis Zivilcourage wird sich weiterhin einmischen und genau verfolgen, wie unsere Politiker auf Bundesebene abstimmen, und wir werden es – gemeinsam mit anderen Nichtregierungsorganisationen – über alle unsere Netzwerke in die Öffentlichkeit tragen.“
Michael Stöhr aus Stauf, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz und Moderator der Kundgebung, hielt es für eine Ausrede der Saatgut-Großkonzerne, dass eine Vermischung nicht zu vermeiden sei. Deren Ziel sei nach wie vor die Gewinnmaximierung. Auch Landrat Herbert Eckstein sprach sich gegen diese Verschmutzungsklausel sowie gegen eine Anonymisierung der Lebensmittelerzeugung aus. Er verwies darauf, dass sich der Landkreis Roth bereits seit 2007 erfolgreich gegen die schleichende Einführung der Agro-Gentechnik einsetze. Wichtig sei es, Märkte für gentechnikfreie Lebensmittel zu schaffen. Im Landkreis Roth klappe dies bisher gut, nicht zuletzt durch die Aktion „Original regional“.
Laut Bauernverband-Kreisobmann Thomas Schmidt aus Kraftsbuch seien sowohl Bauern als auch Verbraucher gleichermaßen verantwortlich, „von unten“ etwas gegen die Einführung der Gentechnik zu tun. Auch Hans Beer, Imkermeister aus Heideck, nahm den Verbraucher in die Pflicht. Jeder habe es mit seinem Einkauf in der Hand, wen er unterstütze. Und Manfred Gilch (Bund Deutscher Milchviehhalter) aus Pierheim bezeichnete die Gentechnik nicht etwa als Fortschritt, wie sie oft verkauft würde, sondern als Rückschritt ins Mittelalter, denn die Bauern würden sich in dauerhafte Leibeigenschaft der Saatgutkonzerne begeben. Deshalb forderte er: „Finger weg vom Reinheitsgebot des Saatguts.“
Von Tobias Tschapka

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