Gentechnik-Alarm an der Uni Graz

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Zuletzt aktualisiert: 18.07.2011 um 10:36 Uhr
Gentechnik-Alarm an der Uni Graz

Aufregung um Botanischen Garten: Gen-Pflanzen sind ohne Genehmigung in offenen Gewächshäusern gezogen worden. Insider schlägt Alarm: Pollen und Samen können ungehindert in die Umwelt gelangen.

Fünf Seiten voller Insider- und Fachwissen umfasst die Sachverhaltsdarstellung, die dieser Tage an die Staatsanwaltschaft Graz ging – und die G7 vorliegt. Die darin erhobenen Vorwürfe sind massiv: Am Institut für Pflanzenwissenschaften der Uni Graz in der Schubertstraße 51, auf dem Areal des Botanischen Gartens, komme es bei Forschungsprojekten zu „Anbau, Kultivierung und Experimenten mit gentechnisch veränderten Organismen“. Das ist an einer Uni nichts Ungewöhnliches. In diesem Fall ist das aber brisant.

Denn mit der Kultivierung der Organismen – konkret handelt es sich um genmanipulierte Raps-, Tabak-, Tomaten und Arabidopsis-Pflanzen – verstoße der Projektleiter gegen das Gentechnikgesetz, so der Vorwurf in dem Papier. Solche Versuche müssten in einem geschlossenen System mit Filtern durchgeführt werden, um zu verhindern, dass Pollen und Samen in die Umwelt gelangen.

Keine Filter
In der Realität sieht das am Institut in der Schubertstraße ganz anders aus: Die Versuchspflanzen werden in Gewächshäusern im Eingangsbereich des öffentlich zugänglichen Botanischen Gartens gehalten. Diese seien nicht mit Pollen-, Luft- oder Abwasserfiltern versehen, außerdem stehen die Fensterklappen oft tagelang offen. Über die Bestäubung durch Insekten und Windverfrachtung werde genmanipuliertes biologisches Material in die Umwelt verbracht. Und das in der viel gerühmten „gentechnikfreien Steiermark“.

Projekt nicht bewilligt
Doch es kommt noch dicker. Wie unsere Recherchen ergaben, ist für dieses Gen-Forschungsprojekt, aber auch für weitere in den Labors nicht einmal die gesetzlich erforderliche Bewilligung eingeholt worden. Dem zuständigen Ministerialrat im Wissenschaftsministerium, Alois Haslinger, „liegt von der Karl-Franzens-Universität kein einziger Antrag für solche Versuche vor“.

Der verantwortliche Projektleiter, Univ.-Prof. Thomas Roitsch, verwies auf Anfrage nur an den Institutsleiter und Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät Karl Crailsheim. Dieser hat „erst vor Stunden von der Sache erfahren“, als G7 ihn damit konfrontiert: „Es stimmt, da ist ein Fehler passiert. Ich habe alle Versuche stoppen lassen und werde die Sache jetzt überprüfen.“

Die Rechtfertigung des Projektleiters, der aus Deutschland kommt, war laut Crailsheim: „Er dachte aus seinen Erfahrungen in Deutschland, es genügt, den Sicherheitsbeauftragten zu informieren.“ Auch das Wissenschaftsministerium hat sich nach der G7-Recherche nun in die Causa eingeschaltet.

Bernd Hecke
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