Warum wir auf China hören sollten

http://zeit-fragen.ch/index.php?id=364

Warum wir auf China hören sollten

von Stephen S. Roach*

Peking ist entsetzt über Washingtons Haushaltspolitik – und sein Appetit nach Dollar-Anlagen wird bald gesättigt sein. Schlechtes Zeichen für die klamme US-Wirtschaft.

Die Chinesen haben die Dynamik der amerikanischen Wirtschaft lange bewundert. Aber zur US-Regierung und deren dysfunktionaler Wirtschaftspolitik haben sie das Vertrauen verloren. Nach der Subprime-Krise kam die Debatte über die Schuldengrenze und das Haushaltsdefizit. Führende chinesische Politiker haben kein Verständnis dafür, wie die USA Politik auf Kosten der finanziellen Stabilität machen. «Das ist schockierend», sagte mir ein hochrangiger Funktionär. «Die andauernde Verantwortungslosigkeit der Regierung ist erstaunlich.»
China steht nicht unbeteiligt am Rand. Nach der asiatischen Finanzkrise der späten 90er Jahre hat das Land etwa 3200 Milliarden Dollar Fremdwährungsreserven angehäuft, um sein System gegen externe Schocks abzusichern. Zwei Drittel dieser Summe stecken in Dollar-Anlagen, darunter hauptsächlich US-Schatzbriefe und andere öffentliche Wertpapiere. Dadurch hat China Ende 2008 Japan als grössten Investor in US-Finanzanlagen abgelöst. Nicht nur aus Sicherheitsbedürfnis ist China eine so grosse Wette auf die einst relativ risikolosen Papiere eingegangen, sondern auch, weil die Wechselkurspolitik des Landes dies erforderte. Um die Anpassung des Renminbi an den Dollar beizubehalten, musste China einen ungewöhnlich hohen Anteil seiner Fremdwährungsreserven in Dollar anlegen.
Diese Tage sind vorbei. China erkennt, dass es nicht mehr sinnvoll ist, seine momentane Wachstumsstrategie beizubehalten, die hauptsächlich auf einer Kombination von Exporten und einem massiven Puffer aus Fremdwährungsreserven in Dollar beruht. Dabei folgt die chinesische Führung hauptsächlich drei Erkenntnissen:
Erstens waren die Krise und die grosse Rezession von 2008 und 2009 ein Weckruf. Zwar blieb die chinesische Exportindustrie sehr wettbewerbsfähig, aber trotzdem kamen infolge dieser Zeit verständliche Zweifel an der ausländischen Nachfrage nach chinesischen Produkten auf. In den USA, Europa und Japan, jenen krisengeschüttelten Industrieländern, die gemeinsam mehr als 40 Prozent der chinesischen Exporte abnehmen, wird die Konsumnachfrage wahrscheinlich in den kommenden Jahren langsamer wachsen als während des chinesischen Exportbooms der letzten 30 Jahre. Die Exportorientierung, lange stärkster Antrieb des chinesischen Wachstums, weist entscheidende Nachteile auf.
Zweitens sind die Kosten für die Versicherungsprämie in Form übergrosser chinesischer Fremdwährungsreserven auf Grund politischer Risiken gestiegen. Da die Schuldenrückzahlung der US-Regierung fraglicher wird, ist das Konzept der risikolosen Dollar-Anlagen in Frage gestellt. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao haben wiederholt ihre Sorge über die US-Haushaltspolitik und den Status von Staatsanleihen als sicheren Hafen geäussert. Dahinter stand nicht unbedingt die Angst vor einer tatsächlichen Staatspleite der USA. China ist skeptisch gegenüber jeglicher Reparatur, die substanzielle haushaltspolitische Korrekturen verschiebt. All dies beschädigt die Glaubwürdigkeit der US-Regierung.

Transparenz in Chinas zwölftem Fünfjahresplan

Schliesslich erkennt China das Risiko der eigenen makroökonomischen Ungleichgewichte – und den Einfluss des exportgeführten Wachstums sowie der kumulierten Dollar-Bestände auf diese. Darüber hinaus registriert China den politischen Druck der Industrienationen gegen die enge Kontrolle des Wechselkurses zum Dollar – ein Druck, der stark an eine Kampagne gegen Japan Mitte der 80er Jahre erinnert. Im Gegensatz zu Japan gibt China den Rufen nach einer scharfen Aufwertung seiner Währung nicht nach. Allerdings sieht das Land gleichzeitig die Notwendigkeit, diese geopolitischen Spannungen ernst zu nehmen. Es reagiert darauf durch Förderung der Inlandsnachfrage und löst sich dabei aus der Abhängigkeit von Dollar-Anlagen.
All dies steht transparent in Chinas zwölftem Fünfjahresplan. Konsumförderung soll die unhaltbare Schieflage richten. Durch Schaffung von Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor, intensive Urbanisierung und Ausbau des sozialen Sicherheitsnetzes werden Arbeitseinkommen und Konsumentenmacht gestärkt. Das dürfte den Konsumanteil an der chinesischen Wirtschaft bis 2015 um mindestens 5 Prozent des BIP steigern. Eine konsumorientierte Neuausrichtung lindert viele der oben angesprochenen Spannungen. Sie entkoppelt das Wirtschaftswachstum von einer gefährlichen Abhängigkeit von externer Nachfrage und wechselt zur internen Nachfrage, die grossen Nachholbedarf hat. Ausserdem nimmt sie den Druck weg, zur Exportförderung die Währung billig halten zu müssen, was Potential für Währungsreformen bietet.
Allerdings wird China durch die Erhöhung des Konsumanteils am BIP grosse Teile seiner Ersparnisse aufbrauchen. Dies könnte die Leistungsbilanz bis 2015 ausgleichen – oder gar zu einem kleinen Defizit führen. Also wird China, der grösste ausländische Käufer von US-Staatspapieren, bald gesättigt sein. Ein weiterer nichtssagender Haushaltskompromiss und schwächeres US-Wirtschaftswachstum lassen eine lange Periode über grosser Staatsdefizite erwarten. Und dies wirft die grösste Frage von allen auf: Wie will sich eine klamme US-Wirtschaft bei fehlender chinesischer Nachfrage nach Staatsanleihen finanzieren, ohne den Dollar auf Talfahrt zu schicken und/oder die langfristigen Zinsen stark zu erhöhen?
Die hochmütige Antwort einiger Washingtoner Insider lautet, dass die Chinesen sich nicht trauen würden, es darauf ankommen zu lassen. Wo sonst sollten sie schliesslich ihr Geld anlegen? Warum sollten sie Verluste ihrer grossen Mengen an Dollar-Geldanlagen riskieren? Chinas Antwort ist klar: Das Land ist nicht mehr bereit, im Vertrauen auf hohle Versprechen und marode Wirtschaftspolitik seine Stabilität aufs Spiel zu setzen. Die Chinesen sagen endlich nein. Hören wir ihnen genau zu!    •

* Stephen Roach ist Fakultätsmitglied der Yale University und Nichtgeschäftsführender Vorsitzender von Morgan Stanley Asia

Quelle: http://www.project-syndicate.org/commentary/roach7/German vom 27.7.2011

Bruttostaatsverschuldung1 pro Einwohner der Euro-Zone (2010)

Europäische Union (EU-27)

EUR    17 390,20

Euro-Zone (Euro-17)

EUR    21 491,10

Italien

EUR    29 324,10

Griechenland

EUR    24 280,40

Belgien

EUR    30 382,00

Frankreich

EUR    23 139,20

Portugal

EUR    11 847,80

Deutschland

EUR    21 489,80

Malta

EUR     9 545,20

Österreich

EUR    22 034,60

Irland

EUR    23 520,60

Niederlande

EUR    21 049,70

Zypern

EUR    11 955,50

Spanien

EUR    12 211,90

Finnland

EUR    14 121,80

Slowenien

EUR    6 159,80

Slowakei

EUR    4 172,90

Luxemburg

EUR    11 071,90

Estland (in EEK bis 2011)

EEK    11 564,30

Vereinigte Staaten von Amerika

USD   39 488,30

1 Gesamtbetrag der Verbindlichkeiten, ohne Abzug von Vermögen

Quellen: Eurostat bzw. Weltbank und Institute einzelner Länder

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24316.html

26.08.2011 |

Handelsgigant Bunge will Syngentas Gentechnik-Mais nicht

Der Konkurrenzdruck unter den Agrar-Händlern um den wachsenden Markt China wird immer stärker.
Das Agrarhandelshaus Bunge verweigert den Aufkauf von Syngentas Gentechnik-Mais AgriSure Viptera, weil der Mais in China keine Zulassung hat. Bunge will sich seine Lieferbeziehung mit dem wachsenden Markt keinesfalls verderben. Syngenta hält die Ablehnung für unzulässig und hat rechtliche Schritte eingeleitet. Der Gentechnik-Mais mit mehreren gentechnischen Veränderungen (stacked events) ist in den USA, Argentinien, Brasilien und Kanada zum Anbau zugelassen. Importiert werden darf er darüber hinaus nach Japan, Mexiko, Neuseeland, Philippinen, Korea und Taiwan. In China wurde ein Zulassungsantrag gestellt.

Financial Times: Food giants clash over access to China

LUXEMBURG

http://www.wort.lu/wort/web/letzebuerg/artikel/2011/08/159642/regierung-will-gentechnik-fernhalten.php

25.08.2011 14:54 Uhr

Sorge um Umwelt und Gesundheit-
Regierung will Gentechnik fernhalten

(vb) – Die Luxemburger Regierung steht gentechnisch veränderten Ackerpflanzen nach wie vor skeptisch gegenüber. Sollte die Europäische Union den Mitgliedsstaaten mehr Freiheit im Umgang mit Gentechnik erlauben, will Luxemburg diese nutzen, um den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu beschränken.

In der Europäischen Union gelten beim Anbau von gentechnisch veränderten Ackerpflanzen – zum Beispiel Mais, Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben – die strengsten Regeln der Welt. Jede gentechnisch veränderte Sorte wird vor der Zulassung eingehend geprüft, was in der Regel mehr als drei Jahre dauert. Werden Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen hergestellt, so muss dies deutlich gekennzeichnet werden. Zusätzlich können die einzelnen Länder noch weitergehende Einschränkungen erlassen, etwa was den Abstand zwischen Feldern mit gentechnisch veränderten und konventionellen Pflanzen betrifft.

Nun plant die Europäische Union, den Mitgliedsländern mehr Freiheiten im Umgang mit der so genannten grünen Gentechnik zu geben. So sollen sie zum Beispiel generelle Anbau-Verbote für ihr gesamtes Staatsgebiet mit unterschiedlichen Argumenten erlassen können. Wissenschaftliche Begründungen scheiden aus, denn diese werden im Zulassungsverfahren zentral für die gesamte EU abgeprüft.
Flickenteppich Europa?

Luxemburg will im EU-Ministerrat erreichen, dass die Liste mit möglichen Verbotsbegründungen ausgeweitet wird. Aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage vom Donnerstag geht hervor, dass zum Beispiel die Sicherheit vor Kontamination von konventionellen Kulturen durch Gentechnik oder der Schutz der Wildpflanzen und Tiere als Begründung angeführt werden kann. Außerdem soll auf die Pflanzengesundheit geachtet werden. Gentechnikgegner befürchten nämlich, dass Eigenschaften von gentechnisch veränderten Pflanzen wie zum Beispiel die Resistenz gegen bestimmte Pestizide auch auf Wildpflanzen und benachbarte Kulturpflanzen überspringen könnten.

Juristisch sind die zusätzlichen Begründungen für Anbauverbote auf Ebene der Mitgliedsstaaten allerdings umstritten. Der Europäische Gerichtshof stellte in einem früheren Urteil einen Verstoß gegen die Wahlfreiheit der Landwirte und der Verbraucher fest. Außerdem würde mehr Freiheit für die Mitgliedsstaaten bedeuten, dass Europa in Sachen Gentechnik immer mehr zum Flickenteppich wird. Schon jetzt sind in Luxemburg und Österreich die Auflagen so streng, dass kaum gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. Spanien dagegen geht liberaler mit der grünen Gentechnik um: Dort sind in manchen Regionen 50 Prozent der Maisfelder bereits mit gentechnisch veränderten Sorten bepflanzt.

http://www.welt-sichten.org/aufgelesen-texte/gentechnik.html

Soll Gentechnik die Menschheit satt machen?

Angesichts der Hungersnot in Ostafrika, der steigenden Lebensmittelpreise und der wachsenden Weltbevölkerung stellt sich erneut die Frage: Wie bekommen wir alle Menschen satt? Mit Gentechnik, antwortet die Biologin Nina V. Fedoroff und tritt eine heftige Debatte los.

In einem Beitrag für die New York Times ärgert sich Fedoroff, von 2007 bis 2010 wissenschaftliche Beraterin der US-amerikanischen Regierung, über die bürokratischen Hürden bei Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Auf diese Weise werde jegliche Innovation verhindert. Für sie ist das völlig unverständlich: Schließlich sei inzwischen erwiesen, dass solche Pflanzen mehr Ertrag bringen, also einen wesentlichen Beitrag zur Ernährung der Menschheit leisteten. Und schädliche Folgen für Umwelt und Gesundheit seien wissenschaftlich nicht erwiesen. Was für ein Unsinn, erklärt Anna Lappé, Mitgründerin des Small Planet Institute. Sämtliche Versprechen, die mit gentechnisch veränderten Pflanzen verbunden waren, seien nicht eingelöst worden. Die Lösung für das Nahrungsmittelproblem liege vielmehr in einer „nachhaltigen Intensivierung“ der Landwirtschaft, schreibt sie und weiß damit unter anderem die Welternährungsorganisation FAO auf ihrer Seite. Denn damit würden zugleich soziale Netzwerke gestärkt, die nicht nur die Produktion, sondern den allgemeinen Wohlstand von Gemeinschaften steigern.(gka)

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article2001613/Vandana-Shiva-Die-Erde-gehoert-uns-allen.html

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=SvBI9xk700A

Alternativer Nobelpreis
Vandana Shiva: „Die Erde gehört uns allen“
24.08.2011, 07:00 Uhr Angelika Hillmer
Die 58-jährige Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, sprach mit dem Abendblatt über eine verträgliche Landwirtschaft.

Vandana Shiva gilt als Pionierin der ökologischen Landwirtschaft in Indien. Hier genießt sie gestern einen sonnigen Moment am Osterbekkanal
Foto: Marcelo Hernandez – siehe Originalbeitrag
amburg. Sie sitzt am Osterbekkanal und spricht mit Feuereifer über eine „gewaltfreie Landwirtschaft“, die keine ökologischen und sozialen Schäden anrichtet: Die indische Wissenschaftlerin und „Graswurzel“-Aktivistin Prof. Vandana Shiva, 58, war gestern auf Einladung des World Future Council, dessen Ratsmitglied sie ist, und der Bucerius Summer School auf Vortragsreise in Hamburg. Die charismatische Vorkämpferin für eine ökologische Landwirtschaft hat vor allem eine Botschaft für unsere Stadt: „Die Bürger Hamburgs sollten ihre Stimme erheben, wenn es um die Frage geht, was auf ihren Tellern landet.“
Das, was heute meist verspeist wird, trifft nicht den Geschmack der Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin; denn es stammt aus einer Agrarindustrie, die Shiva als „gewalttätige Landwirtschaft“ bezeichnet. Mit Giften und Kunstdünger führten die Bauern chemische Feldzüge gegen die Natur, sagt Shiva. Aus ihrer indischen Perspektive spricht sie sogar von einer „Suicide Economy“, einer Selbstmord-Wirtschaft: In ihrer Heimat brächten sich Bauern, die in den Händen großer Agrarkonzerne seien, mit Pestiziden um, weil sie hoch verschuldet seien, nicht mehr selbst bestimmten, was sie anbauten und an wen sie ihre Ernten verkauften. „Seit 1997 haben sich mehr als 250.000 Farmer in den Bundesstaaten Andhra Pradesh, Karnataka, Maharashtra und Punjab das Leben genommen.“

Die von Shiva gegründete Forschungsstiftung RFSTE (Research Foundation for Science, Technology and Ecology) beobachtet seit 1982 den Einfluss des liberalisierten Weltmarktes auf die indischen Bauern. Sie kritisiert den Einzug der Gentechnik, angeführt vom US-Konzern Monsanto. Und sie wehrt sich im Namen der betroffenen Dorfgemeinschaften gegen die Patentierung von Pflanzen wie etwa den Neembaum, der Wirkstoffe für Medizin und Landwirtschaft liefert. „Die Erde gehört uns allen. Aber einige große Konzerne haben die Illusion, dass ihnen der Planet gehört. Sie belasten die Atmosphäre mit Kohlendioxid, verschmutzen Flüsse, greifen sich die natürlichen Ressourcen.“

Die Landwirtschaft als Produzentin der Lebensmittel, der Mittel zum Leben, gehört in Gemeinschaftsbesitz und nicht in die Hände von multinationalen Unternehmen, davon ist Vandana Shiva überzeugt. Für ihr langjähriges, erfolgreiches Engagement wurde sie vielfach ausgezeichnet; unter anderem erhielt sie 1993 den Alternativen Nobelpreis. Dabei begann ihre berufliche Laufbahn in einer gänzlich anderen Disziplin. „Tief von Einstein inspiriert“, habe sie Physik an der University of Western Ontario in Kanada studiert, erzählt sie. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über spezielle Aspekte der Quantentheorie.

Der Schritt von winzigen Elementarteilchen hin zu praxisnahen Globalisierungsthemen wurzelt in ihrem Elternhaus. Vandana Shiva wuchs in Dehradun am Fuße des Himalaja auf. Ihre Mutter gab ihren Beruf im Schuldienst, ihr Vater seinen Militärposten auf, um als Bauern und Waldhüter zu arbeiten. Vor dem Studium erlebte Shiva, wie Wälder rücksichtslos gerodet werden. Sie schloss sich der Chipko-Bewegung an, in der Dorfbewohner Bäume umarmten, um sie vor den Holzfällern zu schützen. Es waren hauptsächlich Frauen – seitdem ist die Physikerin überzeugt, dass Frauen sich mehr für den Erhalt der Erde engagieren als Männer. Das liege daran, dass Männern sehr früh beigebracht werde, „die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, wie Babys oder Pflanzensamen, als unwichtig zu behandeln“.

Die Erfahrungen der Chipko-Bewegung führten Shiva nach ihrer Promotion zum Waldschutz, obwohl sie die Quantenphysik faszinierte. „Ich habe mir gesagt: Wenn ich die Physik weiter betreibe, dann mache ich das nur für mich. Wenn ich aber für die Umwelt kämpfe und wissenschaftlich arbeite, dann hilft das vielen Menschen, auch zukünftigen Generationen. Also habe ich mich für diesen Weg entschieden.“

Ihre Hinwendung zur Landwirtschaft brachten zwei Ereignisse im Jahr 1984: Im Juni starben bei religiösen Aufständen im landwirtschaftlich geprägten Bundesstaat Punjab Tausende Menschen, und im Dezember explodierte die Pestizidfabrik der Union Carbide Corporation in Bhopal. Mehr als 3000 Menschen wurden direkt vom Gift getötet, Zehntausende weitere Opfer starben an den Folgen. Der Erhalt des einheimischen Saatguts in den Händen der lokalen Dorfgemeinschaften und eine chemiefreie Landwirtschaft mit lokalen Märkten wurden seither die wichtigsten Ziele Shivas.

1991 wurde aus RFSTE die Organisation Navdanya, was aus dem Indischen übersetzt „neun Samen“ bedeutet. Mehr als 70 000 Bauern schlossen sich ihr an, bewirtschaften ihre Felder biologisch, erklären Areale zu gentechnikfreien Regionen, sammeln und vermehren Saatgut, legen Mischkulturen aus Getreide, Bohnen und Kürbissen an, die fast den doppelten Ertrag bringen wie Monokulturen dieser Pflanzen.

„Wir erreichen mehr biologische Vielfalt auf den Äckern, leisten einen Beitrag zum Schutz der Umwelt, weil wir auf Chemikalien verzichten, und verbessern gleichzeitig die Nahrungsversorgung. Wir haben die Lösung für die Ernährungskrise, dazu braucht es keine Gentechnik“, betont Shiva. Sie freut sich über mehr und mehr Besucher aus afrikanischen Staaten: „Sie lernen aus unseren schlechten Erfahrungen mit den Agrarkonzernen und sehen sich die alternative, nachhaltige Landwirtschaft an“, sagt sie zufrieden.

In den ersten Jahrzehnten ihrer Arbeit hatte sich die Mutter eines 29-jährigen Sohnes in ihrer Freizeit immer mal wieder der Quantenphysik gewidmet. Aber inzwischen komme sie nicht mehr dazu, bedauert Vandana Shiva. „Monsanto lässt mir einfach keine Zeit dafür“, sagt sie lächelnd.

http://www.innovations-report.de/html/berichte/agrar_forstwissenschaften/blattlaeuse_bevorzugen_weizen_gentechnisch_180641.html

23.08.2011
Weizen mit gentechnisch veränderter Mehltauresistenz scheint bei Blattläusen eine besonders beliebte Nahrungsquelle zu sein. Dies zeigt eine Studie, die im Rahmen des Schweizer Sicherheitsforschungsprogrammes NFP 59 die Auswirkungen der grünen Gentechnik auf Ökosysteme erforscht hat.
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Grüne Gentechnik ist seit vielen Jahren umstritten und die Meinungen über das Thema sind stark polarisiert. Während die einen grüne Gentechnik als neue Schlüsseltechnolgie im Kampf gegen Umweltprobleme und Welthunger befürworten, sehen Gegner in ihr unkontrollierbare Risiken für Mensch und Umwelt. Obwohl in einigen Ländern wie Österreich und der Schweiz der kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen noch nicht zugelassen ist, werden weltweit schon 148 Millionen Hektar gv-Nutzpflanzen angebaut.
Schädlingsresistente Pflanzensorten wie beispielsweise der Bt-Mais oder der mit Vitamin A angereicherte Golden Rice sollen die Landwirtschaft für die Umwelt verträglicher machen und Entwicklungsländern bessere Nahrungsquellen zur Verfügung stellen.

Eine zentrale Frage in der Debatte um die Sicherheit ist, inwieweit der Eingriff in das Erbgut von Nutzpflanzen, sich auch auf Ökosysteme und die Vielfalt von Organismen auswirken könnte. Dass solche Fragen nicht leicht zu beantworten sind, zeigt eine aktuelle Studie um den Schweizer Pflanzenforscher Jörg Romeis. Sein Team wird von der Schweizer Initiative „Nationales Forschungsprojekt 59“ (NFP 59, Link: gefördert, dass parallel zum Schweizer Gentechnik Moratorium von 2005 entwickelt wurde. Die Wissenschaftler gehören somit zu den wenigen Pflanzenforschern, die Freilandversuche mit gv-Pflanzen in der Schweiz durchführen dürfen.

Mehltau schütz Weizen vor Blattlausbefall

In ihrer Studie untersuchte das Team des Institutes für Evolutionsbiologie und Umweltforschung der Universität Zürich welche Wirkung gentechnisch veränderte Mehltauresistenz im Weizen auf pflanzenfressende Insekten hat. Die Forscher verglichen dabei zwei gv Weizentypen mit unterschiedlich spezifischem Wirkungsspektrum. Der erste Weizentyp besitzt eine sehr spezifische Resistenz durch das Gen Pm3b. Mit dem Pm3b-Resistenzgen produziert die Pflanze ein Eiweiß, das den Mehltau als Angreifer erkennt und eine entsprechende Abwehrreaktion der Pflanze einleitet. Insgesamt gibt es 16 Pm3 Genvarianten, aber nur die Variante b wirkt spezifisch gegen die Mehltauunterart Blumeria graminis forma specialis tritici, die ausschließlich den Weizen befällt. Auf den zweiten Weizentyp wurden zwei Resistenzgene aus der Gerste übertragen. Das Chitinase-Gen und das Gen für die beta-1,3 Glucanase. Beide Enzyme zerstören die chitinhaltige Zellwand des Mehltaupilzes. Allerdings enthalten die Zellwände der meisten Pilze Chitin und der Mehrfachzucker wird darüber hinaus auch in die äußeren Panzer vieler Insektenarten eingebaut. Eine Art Breitbandresistenz also, die Pflanzenforscher als unspezifisch klassifizieren und in deren Wirkungspektrum möglicherweise auch andere Pilze und Insekten fallen könnten.

Die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten Studie scheinen dies aber nicht zu bestätigen. Weder auf die Anzahl an Blattläusen, die den Saft aus den Leitbündeln des Weizens abzapfen, noch auf die des Blattkäfers, Oulema melanopus, der sich von den Blättern der Weizenpflanzen ernährt, schien sich der Eingriff in das Erbgut der Weizenpflanzen negativ auszuwirken. Der Befall an Blattläusen in den Pm3b-Pflanzen stieg sogar um 60% im Vergleich zu den Wildtypkontrollen. Die Forscher führen dies jedoch nicht auf die genetische Veränderung in den Pflanzen zurück, sondern auf den Grad der Mehltauinfektion. Je stärker die Weizenpflanzen von Mehltau befallen waren, desto weniger Blattläuse wurden gezählt. Die Blattläuse, so vermuten die Forscher in ihrer Studie, werden mit den Pilzfäden des Mehltaus überzogen und können aus diesem Grund nicht mehr das Pflanzengewebe durchbohren, um an den Pflanzensaft zu gelangen. Dies schien jedoch nur bei den spezifisch-resistenten Pm3b Pflanzen der Fall zu sein. Für den Chitinase/Glucanase GV Weizen, der genauso stark mit Mehltau infiziert war wie die Kontrolllinien, hatten die Insekten keine Vorliebe im Vergleich zu den Wildtyppflanzen.

Im freien Feld zeigten Blattläuse keine Vorlieben

Getreideblattläuse verursachen nicht nur Saugschäden, sondern infizieren Getreidepflanzen auch mit Viren und sorgen somit in manchen Jahren für erhebliche Ernteausfälle. Aussagekräftig waren die beobachteten Unterschiede des Blattlausbefalls zwischen den gv- und Wildtyppflanzen jedoch nur im Treibhaus. Verlagerten die Forscher ihre Experimente ins freie Feld, besiedelten die Insekten die gv- und Kontrollpflanzen gleichermaßen. Dass unter freiem Himmel keine Unterschiede beobachtet wurden, erklären sich die Wissenschaftler mit der Tatsache, dass auch die Mehltauinfektionen in den zwei Jahren der Feldbeobachtungen gering waren. In den Treibhäusern mit ihrer hohen Luftfeuchtigkeit herrschen dagegen ideale Bedingungen für den Pilz und die Mehltauinfektionen fielen entsprechend höher aus. Ob in Ländern mit anderen klimatischen Bedingungen und stärkerem Mehltaubefall, gv-Pflanzen im Freiland möglicherweise doch anfälliger für Blattläuse sein könnten, bleibt daher abzuwarten.

Keine einfachen Lösungen für komplexe Ökosysteme

Die Ergebnisse der züricher Forschungsgruppe liefern ein weiteres Beispiel dafür, dass die Biosicherheitsforschung um die grüne Gentechnik so komplex ist, wie die Ökosysteme selbst. Sowohl bei gentechnisch veränderten Resistenzen, als auch bei chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln scheint der Nutzen oft nur von zeitlich begrenzter Dauer zu sein. So reduzierte der Anbau von Bt-Baumwolle in China beispielsweise den Einsatz von Breitbandpestiziden. Dies führte jedoch zu einer massiven Vermehrung von Weichwanzen, die in diesen Regionen jetzt bis zu 50% der Ernte vernichten. In Deutschland zeigte sich, dass der übermäßige Einsatz von Insektiziden gegen Blattläuse den Blattlausbefall dauerhaft verstärkt, da die Fressfeinde der Blattläuse ebenso vernichtet werden. Siehe hierzu den Beitrag „Weniger ist manchmal mehr“ auf Pflanzenforschung.de.

Es scheint, dass auch die Sicherheitsforschung nicht immer eindeutige Antworten auf die Fragen nach dem Nutzen und den Risiken der grünen Gentechnik geben kann, da diese oft von jahreszeitlichen und lokalen Bedingungen abhängen. Dementsprechend vorsichtig werden auch die Zielsetzungen auf der Webseite des Schweizer NFPs 59 formuliert: „Trotz hoher Erwartungen wird das NFP 59 keine definitive Antwort auf die Frage liefern, ob die kommerzielle Freisetzung von GVP in der Schweiz zuzulassen oder zu verbieten sei. Aber es wird mit wissenschaftlichen Grundlagen zu einer sachlicheren Diskussion im politischen Entscheidungsprozess beitragen.“

Quelle:
F. Alvarez-Alfageme et al. (2011). Infestation of Transgenic Powdery Mildew-Resistant Wheat by Naturally Occurring Insect Herbivores under Different Environmental Conditions. PLoS ONE 6(7): e22690. doi:10.1371/journal.pone.0022690.

F. Alvarez-Alfageme et al | Quelle: Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen:
www.pflanzenforschung.de/journal/aktuelles/blattlaeuse-bevorzugen-weizen-mit-gentechnisch-veraenderter-mehltauresistenz?piwik_ca

ARGENTINIEN

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/24289.html

23.08.2011 |

Argentinien: Gentechnik-Soja = Glufosinat = Fortpflanzungsgefährdung

Die Zulassung von Glufosinat läuft im Jahr 2015 in Deutschland aus. Nun verspricht Argentinien einen verstärkten Absatzmarkt. Bild: http://www.CBGnetwork.org
Letzte Woche hat Argentinien Bayer CropScience die endgültige Zulassung für eine Gentechnik-Sojabohne mit einer Toleranz gegen das hauseigene Breitbandherbizid Liberty mit dem Wirkstoff Glufosinat-Ammonium erteilt. Die Bildung von Resistenzen, erhöhte Gesundheitsrisiken und Kontaminationen sind vorherzusehen. In Deutschland ist der Wirkstoff unter dem Handelsnamen Basta und Liberty bekannt und wurde vom Europäischen Parlament als fortpflanzungsgefährdende Substanz eingestuft. Die Zulassung läuft daher 2015 aus. Vergangene Woche hatte das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf Wunsch von Bayer die Zulassung für Liberty widerrufen. Durch den massiven Einsatz des Herbizids bei Gentechnik-Pflanzen ist in Argentinien eine erhöhte Gesundheitsbelastung für Mensch und Umwelt zu erwarten. Das Nachbarland Brasilien, welches neben Argentinien und den USA eine Anbaugenehmigung für die Gentechnik-Soja besitzt, distanziert sich zunehmend von der Liberty-Link-Technologie. Vergangenes Jahr hat Brasilien den LL-Mais verboten, da eine Koexistenz von transgenem und herkömmlichen Mais nicht garantiert werden kann. Die Zulassung seitens der nationalen Kommission für biologische Sicherheit (CTNBio) wurde aufgehoben, da die zugrundeliegenden Studien nicht offen gelegt wurden. Der Antrag für die Anbauzulassung von LL-Reis 62 in Brasilien wurde nach jahrelangem Protest von der Firma Bayer überraschend zurückgezogen. Wahrscheinlich ein strategischer Zug, um Zeit für die Akzeptanzsteigerung innerhalb der Bevölkerung zu gewinnen. Auch der LL-Reis 601 ist keine Erfolgsstory. So verursachte er 2006 den bisher größten Verunreinigungsskandal, zu einem Zeitpunkt an dem der Gentechnik-Reis weltweit keine Zulassung hatte. Bis heute sind die Ursachen nicht geklärt. Bayer sieht in der LL-Sojabohne eine wirksame Alternative für die immer stärker auftretenden resistenten Unkräutern gegen den derzeit am häufigsten eingesetzten und in starker Kritik stehenden Wirkstoff Glyphosat der Firmenkonkurrenz Monsanto. Jedoch ist es nur eine Frage der Zeit bis auch bei der LL-Sojabohne durch den intensiven, einseitigen und großflächigen Einsatz des Wirkstoffs Glufosinat die gleichen Resistenzprobleme auftreten.

http://www.agrarheute.com/raps-saatgutmonitoring

Dienstag, 23.08.2011
Ölsaaten | 23.08.2011
Saatgutmonitoring: Raps ist frei von GVO-Verunreinigungen

Stuttgart/Kiel – Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein haben ihr diesjähriges Saatgutmonitoring rechtzeitig vor der Rapsaussaat abgeschlossen. Keine der Proben wurde beanstandet.

Raps kann in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein bedenkenlos gesät werden.

Baden-Württemberg: Alle Proben ohne Befund

„Der Pflanzenbau in Baden-Württemberg muss frei von Gentechnik bleiben. Die Landesregierung lässt deshalb im Rahmen eines Saatgut-Monitorings Saatgut von Raps vor der Aussaat auf Verunreinigungen mit gentechnisch verändertem Material untersuchen. Die 60 dieses Jahr ausgewerteten Proben zeigten keinerlei Auffälligkeiten“, teilt Alexander Bonde, Landwirtschaftsminister Baden-Württemberg, mit. Das mit der Untersuchung beauftragte Landwirtschaftliche Technologiezentrum in Karlsruhe habe keine gentechnisch veränderten Bestandteile feststellen können. Die Untersuchungen seien rechtzeitig vor der Aussaat abgeschlossen worden.
Schleswig-Holstein: Proben frei von GVO-Spuren

Rapssaatgut in Schleswig-Holstein ist frei von GVO-Spuren, teil das Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein mit. Beim Saatgut-Monitoring wurde stichprobenweise Rapssaatgut auf Verunreinigungen mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) untersucht. In keiner der in diesem Jahr untersuchten 88 Rapssaatgutpartien wurde ein GVO-Nachweis erbracht.

Internationaler Handel führt immer wieder zu Verunreinigungen

Gentechnisch veränderter Raps wird weltweit in erheblichem Umfang in gentechnisch veränderten Varianten angebaut. Da Saatgut international gehandelt wird, kommt es immer wieder zu Verunreinigungen von gentechnikfreiem Saatgut. Der Anbau von gentechnisch verändertem Raps ist in Deutschland nicht erlaubt. Für Saatgut gibt es derzeit keine von der EU festgelegten Vollzugsschwellenwerte. Es gilt die Nulltoleranz. Saatguthersteller untersuchen ihr Saatgut routinemäßig. Das Saatgutmonitoring der Länder soll die Anstrengungen der Saatgutwirtschaft unterstützen.