Massendemonstration gegen Tierfabriken in Berlin

Bild von einer früheren Demo in Berlin, Quelle: Internet

http://orf.at/#/stories/2037955/

Massendemonstration gegen Tierfabriken in Berlin

Mit Traktoren und einem kilometerlangen Protestzug haben heute Zehntausende in Berlin gegen Agrarfabriken demonstriert. Nach Angaben der Veranstalter folgten 22.000 Teilnehmer dem Aufruf zur Demonstration unter dem Motto „Wir haben es satt – Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumpingexporten“. Getragen wurde die bisher größte Demonstration dieser Art von mehr als 120 Bauern- und Umweltverbänden, Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung und Gentechnik sowie von Eine-Welt-Gruppen. Kampf gegen Rohstoffspekulanten Agrarminister aus 50 Ländern haben in Berlin exzessiven Spekulationen und Preisschwankungen auf den Agrarmärkten den Kampf angesagt. Sie sehen darin eine Bedrohung für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. Am Rande der Grünen Woche in Berlin appellierten sie an die G-20-Staaten, gegen Missbrauch und Manipulation von Preisen vorzugehen. Nach offiziellen Schätzungen wächst die Weltbevölkerung von derzeit 6,9 Milliarden Menschen bis 2050 auf 9,1 Milliarden. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) warnte vor Hungerrevolten in ärmeren Ländern. „Die Ausschreitungen in Algerien und Tunesien haben ihren Grund auch in den steigenden Lebensmittelpreisen“, so Aigner.

Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (ÖVP) sagte, „wilde Spekulationen mit virtuellen Agrarwerten“ seien „das Übel für unsere Bauern, aber vor allem auch für die Entwicklungsländer. Wir brauchen Transparenz und Ordnung und keine Wild-West-Mentalität“. Die Landwirtschaft sei außerdem „massiv vom Klimawandel betroffen und muss sich daher auch massiv für den Klimaschutz einsetzen.“

http://www.stadtmorgen.de/politik/demo-wir-haben-es-satt-nein-zu-gentechnik-tierfabriken-und-dumpingexporten-mobilisierte-tausende/7955.html

Demo – “Wir haben es satt – Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumpingexporten” mobilisierte Tausende

18:21 Uhr am 22.01.2011

Berlin – Am Samstag haben unter dem Motto “Wir haben es satt – Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumpingexporten” in Berlin cirka 22.000 Teilnehmer für eine grundlegende Reform der Agrarpolitik, die Abkehr von der industrialisierten Landwirtschaft und besseren Verbraucherschutz demonstriert. zur Bildgalerie>>

Bei der bislang größten Demonstration dieser Art zogen Bauern, Umweltschützer, Imker und Verbraucher gemeinsam vom Berliner Hauptbahnhof zur Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor.

Angereist waren die Demonstranten mit 60 Bussen, Zügen und über 50 Traktoren. Es kamen Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet. Veranstalter wurde die Demo von 120 Bauern- und Umweltverbänden, Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung und Gentechnik und von Eine-Welt-Gruppen. Anlass der Demonstration ist die von der Bundesregierung ausgerichtete Agrarwirtschaftskonferenz, die heute auf der “Grünen Woche” in Berlin beginnt.

Auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor wurde als Konsequenz aus dem Dioxin- und anderen Lebensmittelskandalen gefordert, Bundesregierung und EU sollten statt Agrarfabriken die bäuerliche Landwirtschaft fördern. “Der aktuelle Dioxin-Skandal macht den Reformstau in der Landwirtschaftspolitik schlagartig deutlich”, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in seiner Rede. “Die Bundesregierung soll endlich begreifen, dass sie bei Fortsetzung ihrer Blockadepolitik gegen eine nachhaltige und gerechte Agrarreform in Europa schon beim nächsten Lebensmittelskandal wieder ins Schlingern gerät. Dazu sagte Hubert Weiger weiter: „Die Gesellschaft fordert die Durchsetzung einer artgerechten Tierhaltung, die Abkehr vom Irrweg der Gentechnik und die Umlenkung der Subventionen weg von der Agrarindustrie hin zur bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft”.

Maria Heubuch, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sagte: “Massentierhaltung und Gentechnik sind eine gefährliche Sackgasse für die Bauern und ein erhöhtes Risiko für die Verbraucher. Agrarfabriken gehören verboten und nicht weiter mit Steuergeldern subventioniert. Tiergerechte Haltung und Fütterung mit einheimischem Getreide und Eiweißfutter ohne Gentechnik – das ist unsere Zukunft!”

Für die Veranstalter erklärte Campact-Geschäftsführer Felix Kolb: “Der heutige Protest zeigt: Die Bevölkerung will ein Ende der industriehörigen Landwirtschafts- und Lebensmittelpolitik. Strengere Lebensmittelkontrollen alleine reichen nicht aus. Wir brauchen eine grundlegende Wende in der Agrarpolitik. Bundesagrarministerin Ilse Aigner muss eine echte EU-Agrarreform und den Ausstieg aus der Massentierhaltung voranbringen anstatt beides zu bremsen.”

Besonderen Beifall erhielt die Rede des alternativen Nobelpreisträgers Nnimmo Bassey aus Nigeria, Vorsitzender der internationalen Umweltorganisation Friends of the Earth (Freunde der Erde). Die Auswirkungen der europäischen Agrarpolitik seien für die Entwicklungsländer verheerend, sagte er, der weltweite Protest der Zivilbevölkerung gegen Gentechnik, Agrarfabriken und Dumping-Exporte für die Ernährungssicherheit der Welt dringend notwendig.

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http://www.neues-deutschland.de/artikel/189085.don-quichotte-schlaegt-zurueck.html

Von Susanne Götze 22.01.2011 / Wirtschaft
Don Quichotte schlägt zurück

Gentechnikgegner Jörg Bergstedt schreibt über die Machenschaften von Monsanto

Der Gentechnikgegner Jörg Berg-stedt hat ein Buch über die Machenschaften der Gentechnik-Lobby in Deutschland geschrieben und gnadenlos mit den internen Verflechtungen zwischen Politik, Forschung und Wirtschaft abgerechnet.
Wenn Jörg Bergstedt ein Buch schreibt, ärgern sich nicht nur große Konzerne und bekannte Politiker. Ohne Rücksicht auf Verluste greift der Anarchist alles und jeden an, der sich seiner Ansicht nach an dem großen Spiel der Machenschaften um Macht und Einfluss beteiligt. Seit einigen Jahren kämpft Bergstedt leidenschaftlich gegen die Gentechnik-Lobby. Mehrere Male beteiligte er sich an »Feldbefreiungen«, bei denen gentechnikveränderte Pflanzen (GVO) von Aktivisten ausgerissen werden. Im September musste Bergstedt deshalb für sechs Monate ins Gefängnis – das ist die längste Haftstrafe, zu der ein »Feldbefreier« bis jetzt verdonnert wurde. Er nutzte die Zeit, um seine Enthüllungsbroschüre »Organisierte Unverantwortlichkeit« über die unlauteren Praktiken der GVO-Lobby zu einem Buch auszuarbeiten. Das Buch »Monsanto auf Deutsch, Die Enzyklopädie der Gentechnik-Seilschaften« hat sich seit Erscheinen laut den Herausgebern schon über 1000 Mal verkauft.

Im Gegensatz zum 2008 von »Arte« ausgestrahlten Dokumentarfilm »Monsanto, mit Gift und Genen« über die Machenschaften des Konzerns handelt das Buch von Bergstedt ausschließlich vom Einfluss der Gentechniklobby in Deutschland. Auf rund 240 Seiten durchleuchtet er alle gesellschaftlichen Bereiche auf ihr Verhältnis zu den Gentechnikkonzernen sowie deren Praktiken, sich in Deutschland Gehör zu verschaffen. Dabei lässt er nichts aus: Angefangen bei den Beamten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bis hin zum Landwirtschaftsministerium, aber auch von Universitäten, Forschungsinstituten, Lobbyverbänden bis hin zu den Praktiken der GVO-Konzerne selbst. Vor allem der politische Sumpf raubt dem unbedarften Verbraucher alle Illusionen. Jede Partei, von CDU bis zur Linkspartei, ist auf ihre Weise mit dem GVO-Clan verbandelt. Was die Behörden wie das BVL betrifft, musste der Autor nicht mal investigativ tätig sein, da sich die betreffenden Beamten gerne öffentlich als GVO-Fans bekennen. Überhaupt sind einige Forscher und Politiker sehr offen in ihrem parteiischen Bekenntnis, sodass Bergstedt neben internen Mails und Papieren nur die Mitgliederlisten der jeweiligen Verbände, Pressemitteilungen oder Lebensläufe durcharbeiten musste, um die Seilschaften beim Namen nennen zu können.

Verschont werden in dieser Abrechnung auch die eigentlich »Guten« nicht. Das überrascht wenig, denn schon mit anderen Beiträgen wie seinem 2004 erschienenden Band »Mythos Attac« hat sich Bergstedt auch in der eigenen Szene unbeliebt gemacht. Auch in seinem neuen Buch werden bekannte Netzwerke wie Campact oder auch Umweltverbände der Übernahme von »herrschaftsnahen« Praktiken und Strategien schuldig gesprochen. So prangert der Autor deren unzählige Unterschriftenkampagnen und »bequeme« Onlinepetitionen an und verhehlt dabei nicht seine tiefe Verachtung für die modernen Wohnzimmerrebellen.

Besonders in diesem Kapitel zeigt sich deutlich die Schwäche des Buches: Trotz guter Recherchen und einem wichtigen Anliegen verspielt der Autor seine Seriosität oftmals durch beißende Polemik – die ein solches Buch im Übrigen auch gar nicht nötig hat, da die Fakten für sich sprechen. Zu befürchten ist deshalb, dass dieses Buch – gerade in Kreisen, wo es erschüttern solle – ignoriert wird. Aufdeckungen wirken meist am nachhaltigsten, wenn sie seriös und objektiv aufgemacht sind. Selbst wenn Bergstedt mit vielen seiner Argumente und Enthüllungen recht hat, werden seine Gegner ihn durch die polemische Aufmachung nicht ernst nehmen. So wird Bergstedt ungewollt zum Don Quichotte der Anti-Gentechnikbewegung, obwohl seine Recherchen das Zeug hätten, Furore zu machen.

Jörg Bergstedt: »Monsanto auf Deutsch. Die Enzyklopädie der Gentechnik-Seilschaften«, ISBN 978-3-86747-043-8, Verlag: SeitenHieb, 240 Seiten, 18 Euro

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