Widerstand ist ansteckend!

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GENTECHNIK

Widerstand ist ansteckend
VON DORIS GRIESSER  |  22. März 2011, 20:02

Abbildung siehe Original-Artikel!

Still und leise ging der Gentechnikprotest dieses deutschen Paares über die Bühne. Anders in Frankreich, wo öffentlichkeitswirksame Aktionen rund um den Bauern José Bové einen kritischen Diskurs anregten. In Österreich kam kaum Druck von unten zustande.

Wie Gegner der Gentechnik in Europa vorgehen, was sie bewirken und was das über die Funktionsweise sozialer Bewegungen aussagt, hat eine Studie untersucht
Angesichts der massiven Umwälzungen in Nordafrika drängen sich Fragen nach den Auslösern, der gegenseitigen Beeinflussung und den Erfolgsbedingungen der revolutionären Bewegungen in dieser Region auf. Wissenschaftlich fundierte Antworten werden aufgrund der Aktualität der Ereignisse wohl noch auf sich warten lassen. „Was aber bereits jetzt deutlich wird, ist die zentrale Rolle von Vorbildwirkung und Diffusion bei diesen Bewegungen“, sagt der Sozialwissenschafter Franz Seifert.

In einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt beschäftigt sich Seifert mit neuen sozialen Bewegungen und der Rolle der Nationalstaaten, in denen sie sich formieren. Um mehr über ihre Arbeitsweise und Erfolgskriterien herauszufinden, untersucht Seifert in fünf EU-Ländern eine der erfolgreichsten europäischen Bewegungen der letzten Jahrzehnte: die seit Mitte der 1990er-Jahre aktive Antigentechnikbewegung.

In Österreich kam es 1996 erstmals zur – behördlich nicht genehmigten – Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen (GVO). Greenpeace und Global 2000 mobilisierten daraufhin in Allianz mit der Kronen Zeitung höchst erfolgreich die Öffentlichkeit, was bald in eines der meistunterstützten Volksbegehren mündete. Dieses führte zu einem Anbauverbot von GVO, außerdem verzichtete der Handel freiwillig auf den Import solcher Produkte. Rasch etablierte sich über alle Parteigrenzen hinweg ein nationaler Konsens in Sachen grüner Gentechnik – sie wird einhellig zugunsten einer ökologischen Landwirtschaft abgelehnt. „Diese Politik“, sagt Seifert, „ist in Österreich eigentlich kaum durch Druck von unten und Konfrontation zustande gekommen.“

Völlig anders war und ist die Situation in Frankreich: Hier stehen die Bauern an vorderster Front einer radikalen Antigentechnikbewegung, die vor allem durch öffentlichkeitswirksame Zerstörungen von GVO-Versuchsfeldern die öffentliche Debatte beherrscht. Charismatischer Hauptakteur dabei ist José Bové, Anführer einer globalisierungskritischen linken Bauernorganisation.

„Als er wegen einer spektakulären Protestaktion gegen eine MacDonalds Filiale in U-Haft kam, stilisierte ihn das zu einer Art politischem Robin Hood – was die Bewegung massiv gestärkt hat“, weiß Seifert. Eine personenzentrierte Dynamik, die Frankreich von anderen Ländern unterscheidet. „Es gibt dort auch eine politische Kultur, in der radikale Proteste optimal gedeihen“, sagt der Wissenschafter. „Das hat einerseits mit der großen revolutionären Tradition zu tun, andererseits aber auch mit dem elitären politischen System, das für die Anliegen sozialer Bewegungen traditionell nicht gerade offen ist.“

Globale Systemkritik

Zudem setze die französische Landwirtschaftspolitik massiv auf Technisierung und Produktivitätssteigerung. „Das radikale Auftreten einer linken, ökologischen Bauernorganisation gegen die Gentechnik ist nur vor diesem Hintergrund zu verstehen“, erklärt Seifert. Eine wichtige Rolle spiele aber auch die einflussreiche linke Öffentlichkeit, durch die ein kritischer Diskurs auf hohem Niveau stattfinde – Faktoren, die sich direkt auf die Entwicklung sozialer Bewegungen auswirken und die beispielsweise in Österreich nicht gegeben sind.

„Während sich Österreich sozusagen damit begnügt, gentechnikfrei zu bleiben, ist der französische Widerstand Vehikel für eine grundsätzliche und globale Systemkritik“, fasst Seifert die Unterschiede der beiden Bewegungen zusammen. Welche von beiden konnte letztlich mehr erreichen? „Die österreichische Bewegung war instrumentell erfolgreicher, immerhin hat sie zu einer nationalen Abschottungspolitik geführt“, sagt Seifert. „Die französischen Aktivisten bewirkten zwar einen Rückgang der Freisetzungsversuche, vor allem aber hatten sie eine sehr große diskursive Wirkung – das heißt sie konnten alternative politische Ideen wirkungsvoll propagieren und die fragwürdige Rolle der multinationalen Saatgut- und Agrochemiekonzerne in die öffentliche Wahrnehmung rücken“.

Vorbildwirkung

Aufgrund ihrer Radikalität und Popularität wurde die französische Bewegung zum Vorbild für Aktivisten in anderen Ländern. So versuchte man etwa auch in Spanien eine entsprechende Bewegung zu etablieren. „Diese ist allerdings gescheitert“, berichtet Franz Seifert. „Wie die Franzosen hat man öffentlich Versuchsfelder zerstört, doch die Strafdrohung war so massiv, dass die Aktionen nicht fortgeführt wurden.“

Vor allem gelang es nicht, Allianzen mit den Bauern zu bilden und eine breite Öffentlichkeit für das Thema zu interessieren. „Soziale Bewegungen sind in Spanien ein relativ junges Phänomen, zudem ist das Repressionsniveau vergleichsweise hoch“, sagt der Forscher. Nach wie vor ist Spanien das einzige europäische Land, in dem genetisch veränderter Mais kommerziell in großem Maßstab angebaut wird.

Deutschland hat zwar eine starke Antigentechnikbewegung, doch mit den von den Franzosen (relativ spät) übernommenen radikalen Methoden ist man auch dort nicht weit gekommen. „Die deutschen Aktivisten kamen häufiger ins Gefängnis als die Franzosen, lösten damit aber keinen sonderlichen Skandal aus“, meint Seifert. „Insgesamt war die Öffentlichkeitswirksamkeit radikaler Aktionen beträchtlich geringer“.

Fazit: Die Studie macht deutlich, wie stark einander soziale Bewegungen über Ländergrenzen hinweg beeinflussen, welche zentrale Rolle sie in der Gestaltung nationaler Politik spielen können, aber auch wie massiv der politische und gesellschaftliche Kontext des jeweiligen Staates ihre Wirksamkeit beeinflusst. (Doris Griesser/DER STANDARD, Printausgabe, 23.03.2011)

http://www.europa.steiermark.at/cms/beitrag/11444575/53840490
Elf weitere steirische „FAIRTRADE-Gemeinden“

In der Steiermark haben sich in den vergangenen Monaten weitere elf Gemeinden als „FAIRTRADE-Gemeinden“ deklariert, sie erfüllen nun alle Kriterien, um diesen Titel zu tragen. Der Festakt zur Auszeichnung dieser Gemeinden findet am am Montag, 4. April im Weißen Saal der Grazer Burg statt. Landeshauptmann Franz Voves, Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer und der Geschäftsführer von Fairtrade-Österreich, Hartwig Kirner, werden die Urkunden feierlich übergeben.

Die Auszeichnung erhalten die Gemeinden Frauental an der Laßnitz, Gabersdorf, Leibnitz, Mitterdorf im Mürztal, St. Radegund sowie die sechs Gemeinden der Ökoregion Kaindorf – Dienersdorf, Ebersdorf, Hartl, Hofkirchen, Kaindorf und Tiefenbach. Mit bisher bereits 14 Gemeinden – darunter auch Österreichs erste „FAIRTRADE-Landeshauptstadt“ Graz – werden sich in der Steiermark künftig insgesamt 25 Gemeinden zum fairen Handel bekennen – dies ist der Spitzenplatz aller Bundesländer Österreichs. Die Qualifizierung wird im Rahmen der Initiative „Fairstyria“ durch die Entwicklungszusammenarbeit des Landes Steiermark unterstützt. Gemeindsam mit Südwind Steiermark und Welthaus Diözese Graz-Seckau als Partner des Landes Steiermark wurden dabei die Kriterien für diese Qualifikation in den Gemeinden erarbeitet.

=>  Presse-Information „Elf weitere steirische FAIRTRADE-Gemeinden“
=> Land Steiermark – Entwicklungszusammenarbeit – FA1E – Tel.: (0316) 877 5518