Die Kuh ist kein Klima-Killer!

Bio-Net 3.3.2011 in Wien

Bionet2011_Einladung_online PDF

AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.
Pressemitteilung, Warburg / Hamm, 01.03.2011

Milchbauern zeigen großes Interesse an Erzeuger-Gemeinschaften
Milchtagung diskutierte Praxiserfahrungen und Politik-Vorschläge.

Die Milchtagung am Montag (28.02.) in Warburg-Hardehausen war
außergewöhnlich gut besucht. Insbesondere das Thema des Vormittags stieß auf
großes Interesse: Wie erreichen Milcherzeuger über das Zusammenschließen in
Erzeuger-Gemeinschaften, dass ihnen der Preis für ihre Milch von dem
Molkereien nicht mehr erst Wochen nach Lieferung mitgeteilt wird, sondern
dass sie mit den Molkereien vorher über den Milchpreis verhandeln?

Aus der Praxis berichtete Biomilcherzeuger Johannes Berger. Er ist
Vorsitzender der Bio-Milcherzeuger-Gemeinschaft Nord, die eine
vergleichsweise große Biomolkerei beliefert. Nachdem die Molkerei über
längere Zeit unter Durchschnitt gezahlt habe und Verhandlungen daran nichts
ändern konnten, kündigte die Erzeugergemeinschaft im vergangenen Herbst.
„Jetzt zahl die Molkerei den deutschen Durchschnittspreis“, erläuterte
Berger. Es werde aber weiter verhandelt, außerdem werde ein „Plan B“
verfolgt. Spätestens im September soll ein neuer Vertrag stehen.

Arnold Weßling steht einer Milch-Erzeuger-Gemeinschaft in ostwestfälischen
Gütersloh mit 66 Mio. kg Milch vor. Die Bauern lieferten früher an eine
Privatmolkerei, die dann von einer großen niederländlichen Genossenschaft
übernommen wurde. „Um wirklich verhandeln zu können, brauchen Sie
Alternativen“, sagte Weßling. Er wünsche sich daher so viele Abnehmer und
Molkereien wie möglich, um einen Wettbewerb um die Milch aufrecht zu
erhalten. Das sei eines der wichtigsten Aufgaben der Marktsteuerung, so
Weßling, der damit die Verantwortung auch der Politik und der
Wettbewerbsbehörden ansprach.

Verantwortlich dafür ist auf europäischer Ebene die EU-Kommission. Deren
Direktor Hermanus Versteijlen war aus Brüssel angereist. Er stellte die noch
jungen Vorschläge der Kommission vor, mit denen das Recht der Milcherzeuger,
sich in Gemeinschaften zusammenzuschließen, in allen Mitgliedstaaten der EU
verankert werden solle, wenn auch nur bis zu bestimmten Grenzen. Ein zweiter
Vorschlag bezieht sich auf die Verträge der Molkereien mit den Erzeugern.
Versteijlen rät dazu, dass die Molkereien nicht mehr unabhängig von der
Marktlage alle Milch der Bauern aufnehmen. Vielmehr sollte in den Verträgen
in Zukunft Preis und Liefermenge geregelt werden. Versteijlen.ging auch auf
die staatliche Milchquote ein. Der „sanfte Ausstieg“ verlaufe erfolgreich,
die erzeugte Menge sei im Jahr 2009-2010 nicht gestiegen.

Nicht nur für diese Aussage erntete der EU-Beamte viel Kritik. „Die zum Teil
geringere Erzeugung ist erkauft worden mit der Verarmung der Milcherzeuger“,
begann Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher
Milchviehhalter (BDM) und des europäischen Dachverbandes EMB, seine
Gegenrede. „Von einer Kostendeckung auf den Betrieben sind wir immer noch
weit entfernt“. Die Vorschläge der Kommission gingen leider an der Realität
vorbei, so Schaber. Für die Erzeuger-Gemeinschaften seien viel zu enge
Grenzen gesetzt. „Für uns Bauern soll bei 3,5 % der EU-Milchmenge Schluss
sein, während für Genossenschaftsmolkereien diese Grenzen nicht gelten
sollen“, so Schaber, er forderte ein Anheben der Grenze auf 30 %. Zudem:
„Wie will man die Verhandlungsposition der Milcherzeuger am Markt
verbessern, wenn man die Genossenschaftsmolkereien außen vor lässt, wo die
doch 58 % der Milch in der EU verarbeiten“, fragte er. Um eine vernünftige
Lösung am Milchmarkt zu erreichen, prüfe der BDM derzeit ein EU-weites
Volksbegehren, wie es nach dem EU-Vertrag ab dem Jahr 2012 möglich sei.

Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft (AbL), unterstützte die Kritik Schabers.
Gleichwohl riet er die Bauern dazu, sich auch jetzt schon in
Erzeuger-Gemeinschaften zu bündeln und sich zwischen den verschiedenen
Gemeinschaften intensiv auszutauschen. Die Frage der Bündelung dürfe nicht
theoretisch bleiben. „Es muss öffentlich sichtbar und diskutiert werden, wie
schwierig es für die Milcherzeuger in der Praxis ist, den Preis von ihren
Kosten aus vorwärts zu kalkulieren, anstatt das zu schlucken, was die
Molkereien nach Abzug ihrer Kosten übrig lassen“, mahnte der
AbL-Vorsitzende. „Schweigen können sich immer nur die Starken leisten.
Diejenigen, die am Markt in der Position der Schwäche sind, müssen das nach
außen tragen.“

Weitere Themen
Am Nachmittag standen auf der von AbL, KLJB und Universität Kassel
veranstalteten Milchtagung weitere Themen auf dem Programm. Die Tierärztin
und Buchautorin Dr. Anita Idel widersprach der häufig vorgebrachte
Behauptung, dass Kühe ein Hauptverursacher des Klimawandels seien. „Die Kuh
ist kein Klima-Killler“, fasste Idel zusammen. 40 % der weltweiten
Landfläche sei als Grünland. Das könne nur durch Wiederkäuer wie die Kuh
genutzt werden. Es komme darauf an, dass die Kuh vor allem mit Gras
gefüttert und das Grünland nachhaltig genutzt werde. Ansonsten drohten große
Mengen des durch den Grasbewuchs im Bodenhumus gebundenen Kohlenstoffs
freigesetzt zu werden und den Klimawandel anzuheizen.

Bioland-Milchbauer Bernd Vollmer begeisterte mit der Vorstellung seines
Betriebes das vor allem aus Praktikern bestehende Publikum. Zum einen
überzeugte die lange Nutzungsdauer der Milchkuhherde, die mit acht Jahren
etwa fünf Jahre höher liegt als der Durchschnitt der deutschen Betriebe. Zum
anderen beeindruckte die hohe Milchausbeute, die der Betrieb aus dem
Grundfutter (Gras, Heu, Silage) erreicht. Bei nur minimalen Kraftfuttergaben
(ca. 1,5 kg/Kuh/Tag Hafer-Gerste-Gemenge) erreicht der Biobetrieb eine
Milchleistung von fast 7.000 kg pro Kuh im Jahr.

Wirtschaftlichkeit auch bei Biomilch zu verbessern
Als letzter Referent beleuchtete Jürgen Sprenger vom Beratungsteam
Ökologischer Landbau die Wirtschaftlichkeit der Biomilcherzeugung. Er
wertete dazu Daten von bundesweit 53 Betrieben aus. Im Ergebnis habe sich
gezeigt, dass in den vier Jahren 2005-2009 nur in einem Jahr (2007/2008) die
durchschnittlichen Vollkosten durch die Einnahmen voll gedeckt worden seien.
Dabei wurden bei Kosten wie bei Einnahmen auch rein kalkulatorische Posten
berücksichtigt, worüber auf der Tagung auch offen diskutiert wurde. Für die
Organisatoren der Tagung zeigte der Vortrag dennoch, dass alle Möglichkeiten
genutzt werden, um das allgemeine Milchpreisniveau anzuheben.

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AbL-PM-11-03-01-Grosses Interesse an Milch-Erzeuger-Gemeinschaften PDF

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Global 2000, 24.2.2011
Gentech-Kontamination, Strom-Filz, Benefizkonzert

EU will Gentech-Kontaminationen bis zu 0,1 Prozent künftig tolerieren

Ein Expertengremium der 27 Mitgliedstaaten hat gestern dafür gestimmt, die Nulltoleranz gegenüber Gentechkonstrukten, die in der EU nicht zuglassen sind, zu beenden. Künftig soll unter bestimmten Voraussetzungen ein Grenzwert von 0,1 Prozent gelten. Auch Österreich hat diesem Vorschlag zugestimmt.

Vor rund zwei Wochen war dieser Plan noch am Widerstand der französischen und der ungarischen Regierung gescheitert. Die Kommission besserte den ursprünglichen Vorschlag nach und Frankreich änderte seine Haltung. Den Franzosen wurde zugesichert, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die nicht zugelassenen Gentech-Pflanzen einer Miniprüfung auf deren Auswirkungen unterziehen müsse. Das kann die Efsa defacto aber gar nicht, da für die Biotech-Industrie kein Zwang besteht, die für eine Prüfung notwendigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

Nur der Argarausschuß des Europäischen Parlaments, kann diesen Beschluß noch revidieren.