Mexiko

Allgemein:

Punkt 10: NEIN zu GEN-MAIS!


http://www.blickpunkt-lateinamerika.de/index.php/mID/3.3/lan/de

Blickpunkt Lateinamerika – 28.04.2011

Mexiko

Das trojanische Pferd

[La Jornada] Kritiker: Landesgesetz zum Maissorten-Schutz in Mexiko ist Türöffner für Monsanto

Im Bundesstaat Tlaxcala wurde ein Landesgesetz zum Schutz einheimischer Maissorten vor Genmais erlassen, das national und international als Erfolg gefeiert wurde. Doch bei genauerer Betrachtung hält die Novelle nicht, was sie verspricht und dürfte eher das Gegenteil bewirken, so die Autorin ANA DE ITA.

In der Zeit des Neoliberalismus wurden die meisten Gesetze erlassen oder verändert, um individuelle oder kollektive Rechte abzuschaffen – zugunsten von Konzernen. Dies ist bei der Reform des Artikels 27 der Verfassung der Fall, dass den kollektiven Ejido-Besitz veräußerbar macht, das gilt für das Wassergesetz, das Bergbaugesetz, das Saatgutgesetz, das Gesetz zur Biosicherheit und, unglücklicherweise, gilt das auch für das „Landwirtschaftliche Gesetz zur Förderung und zum Schutz des Maises als Kulturerbe, in seiner Artenvielfalt und als Lebensmittel“ des Bundesstaates Tlaxcala.

Schutzanliegen ist nur Maskerade

Das Gesetz zum Schutz des Maises in Tlaxcala wurde der nationalen und internationalen Öffentlichkeit als ein Gesetz präsentiert, das den Anbau von Genmais in diesem Bundesstaat verbietet und letzteren zur gentechnikfreien Region erklärt. Dem ist jedoch nicht so: Die Deklaration gentechnikfreier Regionen und die Entscheidung darüber, wo Genmais ausgesät wird, obliegt den Bundesbehörden gemäß dem Gesetz zur Biologischen Sicherheit und genveränderten Organismen (LBOGM), das auch den Beinamen „Monsanto-Gesetz“ (Ley de Monsanto) trägt.

Entsprechend wird auch im Gesetz über den Mais in Tlaxcala an keiner Stelle von der Aussaat, dem Pflanzen oder dem Anbau von Genmais gesprochen, sondern einzig von der Genehmigung für Lagerung, Verkauf und Handel. Im Gesetz von Tlaxcala wird die Genehmigung durch die Gemeindeverwaltung als Genehmigung der Gemeinde bezeichnet. Die Interessen der Gemeindeverwaltungen sind jedoch nicht immer die Interessen der Gemeinden selbst, sie also als „Genehmigung durch die Gemeinde“ zu bezeichnen, ist schlichtes Marketing. Die staatliche Genehmigung für ebendiese Dinge erfolgt durch das Ministerium für Agrarentwicklung (SEFOA).

Zahnloser Papiertiger

Im Gesetz heißt es, dass der Bundesstaat als Region deklariert wird, der frei von gentechnikverändertem Mai ist (Artikel 22), doch das einzige, was Tlaxcala tun kann, ist Akten zu füllen und die Staats- und Gemeinderegierungen dazu zu bewegen, sich für dieses Projekt auszusprechen. Im Monsanto-Gesetz, dem das Gesetz von Tlaxcala untergeordnet ist, heiß im Artikel 90, dass die gentechnikfreien Regionen auf Antrag von Organisationen gestellt werden, die zertifizierten ökologischen Landbau betreiben und technisch und wissenschaftlich nachweisen, dass eine Koexistenz unmöglich ist oder sich negativ auf ihren Markt auswirken würde.

Die meisten Artikel zum Schutz sind also lediglich Deklarationen. Doch am gefährlichsten an diesem Gesetz ist, dass es als Türöffner für die Saatgutkonzerne fungiert und die Kompetenzen der staatlichen Landwirtschaftsbehörde erweitert, während die der Kleinbauern und Landwirte auf ein Minimum reduziert werden. So müssen nun beispielsweise die Bestände an einheimischem Maissaatgut von Gemeinden und von Bauern, die auf kommunalem Ejido-Land anbauen, von der Behörde SEFOA genehmigt und vom Nationalen Maisrat genehmigt werden, die auch intervenieren können, falls sie das Gesetz verletzt sehen (Artikel 53).

Trojanisches Pferd

Der vorgebliche Schutz und die Förderung des einheimischen Maises beinhaltet Herkunftsangaben, Patente und den Schutz von Pflanzensorten (Artikel 19). All diese Instrumente begünstigen die Interessen von Konzernen und laufen den kollektiven Rechten zu Gemeingütern zuwider. Im Bundesgesetz der Pflanzensorten ist festgeschrieben, dass die Sorten neu und deutlich anders, in sich aber homogen sein müssen, um als Sorte anerkannt zu werden. Diese Bedingungen werden von den aus der eigenen Ernte gewonnenen, bäuerlichen Pflanzensamen – darunter auch die Maissamen – jedoch nicht erfüllt, denn sie sind unter anderem auch sehr unterschiedlich.

Außerdem verpflichtet man sich mit diesem Gesetz dazu, eine Bestandsaufnahme von der Artenvielfalt des Maises zum machen und ein Leitungsgremium aus Produzenten zu schaffen, das ein Produktschema zur Klassifizierung erarbeiten soll. Die Mitglieder des Netzwerks zur Verteidigung des Maises stuften das Gesetz von Tlaxcala angesichts der ihnen bekannten Erfahrungen von europäischen Partnern in Deutschland, Frankreich und Spanien als gefährlich ein.

Saatgutgesetze verlangen Sorten

In Europa ist bäuerliches Saatgut mittlerweile illegal geworden. Es ist verboten, damit zu handeln, es zu tauschen oder Saatgut zu verteilen, das nicht als registrierte Sorte aktenkundig ist. Auch in Europa erfüllt bäuerliches Saatgut diese Anforderungen nicht – daher sind sie illegal. Der Kampf der europäischen Bauern war darauf ausgerichtet, die Katalogisierung ihrer Sorten zu verhindern. Das mexikanische Saatgutgesetz von 2007 ist sehr ähnlich: Es verbietet das Verteilen und den Handel mit nichtregistrierten Sorten, also mit selbstgezogenem, bäuerlichen Saatgut.

Mehr noch, die europäischen Unternehmen beanspruchen Nachbaugebühren, wenn Bauern Saatgut aus ihrer eigenen Ernte wieder ausbringen und argumentieren dabei, dass Bauern in der Vergangenheit patentiertes Saatgut hätten verwenden können, dessen Merkmale und verbesserte Eigenschaften in den gegenwärtigen Ernten noch immer eine Rolle spielen. Die Produktionsverbände erlaubten es den Saatgutfirmen, die Bauern zu kontrollieren und zu bedrohen, damit sie die Gebühren bezahlen.

Maisvölker schützen bäuerliches Saatgut

Die Organisationen und Gemeinden des „Netzwerks zur Verteidigung des Maises“ in Mexiko, wiesen immer wieder darauf hin, dass die Regierung und die von ihr verabschiedeten Gesetze die multinationalen Konzerne begünstigen und entschlossen sich aus diesem Grund schon vor vielen Jahren, ihre Territorien vor dem Eintritt gentechnisch veränderter Pflanzen zu schützen. Dazu haben sie – neben Informations- und Bildungsarbeit, bei der sie die Vorteile nutzten, die ihnen die kollektiven Organisationsformen des Ejdio und der kleinbäuerlicher Gemeinden boten – sich entschieden, sich als gentechnikfreie Ejidos oder Gemeinden zu erklären. Diese Selbstverpflichtungen beruhen auf Beschlüssen der Vollversammlungen und in einigen Fällen ist diese Entscheidung sogar in den Statuten festgelegt.

Auch die Kenntnisse über ihre eigenen Anbaukulturen haben sie perfektioniert, sie setzen sich dafür ein, dass diese Sorten wieder wertgeschätzt werden. Sie säen diesen Mais, essen ihn, feiern ihn und schützen sie ihn auch – so, wie es Maisvölker tun.

Autorin: Ana de Ita in „La Jornada“; Deutsche Bearbeitung: Bettina Hoyer

http://www.npla.de/de/poonal/3268-friendly-fire-gegen-die-voelker-des-maises

Friendly Fire gegen die Völker des Maises

Montag, den 11. April 2011 von Silvia Ribeiro*, Mexiko-Stadt (Berlin, 11. April 2011, npl/La Jornada).- Das Netzwerk zur Verteidigung des Maises (Red en Defensa de Maíz) hatte auf seiner Versammlung im März 2011 nicht nur die Versuchsaussaaten von Genmais im Bundesstaat Tamaulipas abgelehnt, sondern sich auch gegen die Gesetze in den Bundesstaaten Tlaxcala und Michoacán ausgesprochen, die angeblich dazu dienen sollen, lokale Maissorten zu schützen, in Wirklichkeit aber die Aussaat von transgenen Mais nicht verbieten sondern sogar Registrierung, Patentierung und andere Formen der geistigen Eigentumsrechte an bäuerlichen Maissorten fördern. Mehr Kontrolle über kleinbäuerliches Saatgut Zudem schaffen diese Gesetze neue staatliche Kontrollmechanismen, mit denen bereits bestehende föderale Bundesgesetze über die Produktion, Zertifizierung und den Vertrieb von Saatgut ergänzt werden und mit denen der freie Verkauf und Austausch von Saatgut kriminalisiert wird. Im Gesetzestext heißt es, die Regelungen in den beiden Bundesstaaten Tlaxcala und Michoacán verfolgten die Absicht, lokale Maissorten zu fördern und zu schützen und die Schaffung und Regulierung von Saatgutfonds anzuregen. Auch soll das Registrieren lokaler Maissorten sowie von deren ProduzentInnen unterstützt und die Patentierung und Vergabe von Ursprungszertifikaten und Züchterrechten an Mais gefördert werden. Staatliche Gremien zu Mais sollen aus der Taufe gehoben werden, die mehrheitlich aus RegierungsfunktionärInnen und Personen zusammengesetzt sind, die keine Bauern oder Bäuerinnen sind. Die beiden Gesetze verbieten jedoch in keiner Weise die Aussaat von transgenem Mais. Genehmigungen für Lagerung, Vertrieb und Verteilung von Genmais In Tlaxcala benennt das Gesetz als eines seiner Ziele, “Genehmigungen für Lagerung, Verteilung und den Vertrieb von Genmais zu vergeben”. Diese Genehmigungen können sowohl von staatlicher Seite als auch auf Gemeindeebene erfolgen. Wobei mit der Vergabe einer Erlaubnis auf Gemeindeebene nicht eine Entscheidung auf Basis der Gemeindevollversammlung gemeint ist, wie es der Titel des Gesetzesartikels suggeriert. Die Entscheidung liegt allein in den Händen der Gemeindeautorität. Mit anderen Worten: Darüber entscheidet eine einzige Person. Diejenigen, die das Gesetz als Instrument präsentieren, mit dem die Aussaat von genverändertem Mais gestoppt werden könne, behaupten: Jener Paragraph, der die Genehmigung von transgenen Pflanzen regelt könne auch dazu dienen, ins Gegenteil verkehrt zu werden, denn Genehmigungen könnten auch verweigert werden. Am Ende entscheiden Bundesbehörden Ein schmutziges Spiel mit gezinkten Karten. Denn um es vorwegzunehmen: Es geht hier nicht um das Kernproblem: die Aussaat von genetisch verändertem Mais. Es geht lediglich um Lagerung, Vertrieb und Handel. Des Weiteren wird jegliche im Bundesstaat nicht erteilte Erlaubnis erneut auf Grundlage des so genannten “Monsanto-Gesetzes” (Ley Monsanto) auf föderaler Ebene einer Prüfung durch die Bundesbehörden unterzogen, die ein Veto einlegen können. Selbstverständlich könnte man über die staatlichen Maisgremien und aufgrund der Zuständigkeit des Landwirtschaftsministeriums des Bundesstaates die Einrichtung einer gentechnikfreien Zone beantragen, gemäß Paragraph 90 des Gesetzes über Biosicherheit genveränderter Organismen LBOGM (Ley de Bioseguridad de Organismos Genéticamente Modificados). Eine Lektüre dieses Paragraphen führt uns jedoch erneut vor Augen, warum diese Regelung, den Beinamen “Monsanto-Gesetz” erhielt: Paragraph 90 besagt, dass gentechnikfreie Zonen eingerichtet werden können, wenn es sich bei den zur Aussaat vorgesehenen gentechnisch veränderten Pflanzen um Organismen derselben Art handelt wie jene, die vor Ort in organischer landwirtschaftlicher Produktion hergestellt werden und der wissenschaftliche wie technische Nachweis dafür erbracht wird, dass eine Koexistenz nicht möglich ist oder die formalen Bedingungen für deren Zertifizierung nicht erfüllt sind. Das Ministerium für Landwirtschaft, Viehwirtschaft, ländliche Entwicklung, Fischfang und Ernährung SAGARPA (Secretaría de Agricultura, Ganadería, Desarrollo Rural, Pesca y Alimentación) gibt die hierfür anzuwendenden Kriterien vor und wir wissen bereits zur Genüge, um die Willkür des Ministeriums, wenn es um die Erlaubnis zur Aussaat transgener Pflanzen geht. Keine Rechte für nichtkommerziellen Anbau in Gemeinden Auf jeden Fall erkennt der besagte Paragraph nur die Rechte jener an, die zertifiziert organisch und für den Markt produzieren – nach Richtlinien, die nicht in den produzierenden Gemeinden festgelegt wurden. Die große Mehrzahl der indigenen Gemeinden und Dörfer, die ganz offensichtlich nicht für diese Märkte produzieren, bleibt dabei außen vor. Wer also könnte als entschlossener Akteur auftreten, der all die in gesetzlichen Winkelzügen versteckten Möglichkeiten nutzt und verteidigt? Die Maisgremien auf Bundesstaatsebene, die wie ein neues Allheilmittel präsentiert werden, sind mehrheitlich aus staatlichen Funktionären zusammengesetzt. Hinzu kommen einige AkademikerInnen sowie VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen. In Tlaxcala werden auch eine Indigene bzw. ein Indigener und ein Bauer bzw. eine Bäuerin akzeptiert. In Michoacan sind es vier MaisproduzentInnen, wobei dies aber auch Industrielle sein können. In jedem Falle aber haben sie lediglich beratende Funktion. Die Entscheidungen verbleiben in der Hand der LandwirtschaftsministerInnen des jeweiligen Bundesstaates.

Landwirtschaftsminister ist ehemaliger Mitarbeiter von Monsanto

In Tlaxcala heißt der betreffende Minister Jaime Jonathan Bretón und ist ein ehemaliger Mitarbeiter des Konzerns Monsanto. Dort war es zuvor seine Aufgabe, Saatgut dieses transnationalen Unternehmens im Nordosten Mexikos zu vertreiben. Bretón hat erklärte bereits, dass man nicht von vornherein ausschließen könne, transgene Pflanzen in Tlaxcala anzubauen. Die lokalen Maissorten seien wichtig, da sie für die Weiterentwicklung des Saatguts großer Konzerne sehr nützlich seien (vgl. Juana Osorno Xochipa, 14/3/11, e-consulta.com). Patente, Züchterrechte und Herkunftszertifikate – all das sind Formen geistigen Eigentums, die von den Unternehmen ersonnen wurden, um KonkurrentInnen auszuschalten. Denn Gemeinden können nicht Inhaber derartiger Rechte sein – es gibt keine kollektiven Patentrechte. Abgesehen davon ist das Verfahren zur Erlangung derartiger Rechte mit horrenden Kosten verbunden. Doch selbst wenn kollektive Zertifizierung für die Gemeinden möglich wäre, so stellt sich die Frage: Wozu? Um dann wen auszuschalten? Andere Gemeinden und Maisvölker? Denn diese Zertifikate verbieten keinem Unternehmen etwas. Im Gegenteil, sobald es ein Zertifikat gibt, wird es zu Gunsten der Unternehmen sein oder diese werden über die nötigen Mittel verfügen, um das Zertifikat zu kaufen. Den Patenschutz braucht Monsanto um damit zu rechtfertigen, dass die genetische Kontamination ein Straftatbestand ist, für den die Opfer zu zahlen haben. Das Ausstellen von Herkunftszertifikaten dient ebenfalls dem Wettbewerb auf dem Markt. Zum Beispiel war das Zertifikat für Tequila ein ausgezeichnetes Geschäft für transnationale Unternehmen. Sie können das Produkt seither teurer verkaufen, während sie ihren lokalen Herstellern weiterhin denselben Preis zahlen. Maisvölker haben das Nachsehen Es lässt sich also zusammenfassen: Diese Gesetze garantieren keinesfalls, dass es gentechnikfreie Zonen geben wird. Weder erkennen sie die Maisvölker an noch die umfassenden Rechte der indigenen Völker, so wie von ihnen gefordert. Denn dies würde wirklich garantieren, dass es keine transgenen Pflanzen geben gibt, dass Saatgut weiterhin diversifiziert werden würde und erhalten bliebe – nicht in Saatgutbanken oder Saatgutfonds, die von Regierungsbehörden und Nichtregierungsorganisationen kontrolliert werden, sondern lebendig und frei: in Händen von Bauern und Bäuerinnen die es aussäen, so wie sie es immer getan haben und damit noch immer die Grundlage für die Welternährung schaffen. Klar ist jedoch auch, dass diese neuen Gesetze eine viel stärkere Kontrolle des Lebens der Gemeinden, ihres Saatgutes und ihrer traditionellen Formen, Saatgut zu tauschen, erlauben.

* Die Autorin ist Forscherin der ETC-Group [Der Originalartikel erschien am 9. April 2011 in der mexikanischen Tagesezeitung „La Jornada“]

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/23508.html

24.03.2011 | permalink
Erste Bundesländer in Mexiko verbieten Gentechnik-Mais

In zwei Bundesstaaten von Mexiko ist der Anbau von Gentechnik-Mais verboten worden. Bild: Semillas y Salud
In den Bundesstaaten Tlaxcala sowie Michoacán in Mexiko wurde der Einsatz von gentechnisch verändertem Mais-Saatgut gesetzlich verboten. In den kürzlich verabschiedeten Gesetzen wird der Mais als Grundnahrungsmittel und Kulturerbe unter besonderen Schutz gestellt. Dies ist ein wichtiges Zeichen für das ganze Land, denn alleine in diesen beiden Bundesstaaten wird ein Drittel allen Maises produziert. Mexiko ist die Wiege der Mais-Pflanze und birgt mit Tausenden über Jahrhunderte gezüchteten Sorten die größte Vielfalt dieser Kulturpflanze. 1998 erließ die mexikanische Regierung ein Anbaumoratorium für gentechnisch veränderten Mais, das am 6. März 2009 trotz zahlreicher Proteste auslief. Seitdem ist in bestimmten Regionen von Mexiko der Versuchsanbau mit gentechnisch veränderten Mais-Pflanzen unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Da es immer wieder zu ungewollter Verunreinigung von Saatgut kommt, ist das erwirkte Verbot von Gentechnik-Mais ein großer Erfolg. Vier Jahre lang hat die Initiative ‚Grupo Vicente Guerrero‘ hartnäckig daran gearbeitet.

Status der GMO-Anträge in Mexiko 2010 (pdf, Spanisch):

Mexiko GMO 2010

Von: Herta Grurl
Gesendet: Dienstag, 14. September 2010 14:03
Betreff: Mexiko will 30.000 Hektar Genmais anbauen

Liebe Leute,
Unglaubliches tut sich in Mexiko, eben wurde von der mexikan. Regierung
an Monsanto 30.000 Hektar (!!!) Aussaat von Genmais genehmigt.
Bitte um dringende Weiterleitung an all Eure Kontakte.
Solidarische Grüsse
Matías
Entre Campos & Entre Pueblos
La Jornada/Womblog – 08.09.2010

Das Feiern der Abhängigkeit

Der Mais den Multis

Von Silvia Ribeiro*

Als handele es sich dabei um eine Kleinigkeit, hat die Regierung [von
Mexiko] drei Anträge des transnationalen Konzerns Monsanto auf Aussaat
von 30.000 Hektar Genmais in Sinaloa genehmigt – für die so genannte
„Pilotphase“. Das ist ein gravierendes Ereignis, zum einen wegen der
großen Anbaufläche, zum anderen, weil dies verdeutlicht, dass die von
der Regierung als „experimentelle Phase“ bezeichnete Etappe nichts
weiter war als eine schöne Fassade, um die Tür für die kommerzielle
Aussaat gentechnisch veränderter Pflanzen im großen Stil zu öffnen. Die
transgene Kontaminierung aller anderen Maissorten ist dann nicht mehr zu
verhindern.

Die gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sind durchaus nicht
unproblematisch, ganz gleich, unter welchem Aspekt man sie betrachtet –
trotz aller Lügenmärchen, die von transnationalen Konzernen verbreitet
werden, die als einzige an den GVO verdienen. Statistiken aus mehreren
Jahren zeigen, dass, obwohl auf riesigen Flächen und in großem Umfang
angebaut, die gentechnisch veränderten Pflanzen weniger Ertrag bringen
und dafür auch noch mehr Pestizide eingesetzt werden müssen.

Es gibt zahlreiche Berichte von Ärztevereinigungen und anderen
WissenschaftlerInnen, die verdeutlichen, dass die GVO negative
Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier (dazu gehören u. a.
Allergien, Unfruchtbarkeit, Beeinträchtigungen des Immunsystems, Schäden
an Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse) sowie auf die Artenvielfalt
haben. Vor kurzem wurde eine Studie der Universität Arkansas
veröffentlicht, die zeigt, dass sich die GVO neben der omnipräsenten
Kontaminierung von Anbauflächen mit Kulturpflanzen auch in der Wildnis
ausbreiten, mit weitergehenden Auswirkungen auf Insekten und
Pflanzenwelt.

Eine andere Untersuchung der deutschen Stiftung Testbiotech e.V. zeigt,
dass das Fleisch und die Milch von Ziegen und Schweinen, die mit Genmais
gefüttert worden sind, Teile der transgenen DNA enthalten. Ähnlich
verhält es sich mit Fischen, die Genmais als Nahrung bekommen.

Diese Beispiele sind nur ein kleiner Teilbereich der ernsten Probleme,
die der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen insgesamt mit
sich bringt. In Mexiko potenzieren sich die Risiken um ein Vielfaches,
denn es ist das Ursprungsland des Maises. Ein Großteil der Stimmen aus
Wissenschaft und sozialen Organisationen stimmen darin überein, dass in
Mexiko deshalb überhaupt nicht mit Genmais experimentiert werden dürfe.
Abgesehen davon produziert Mexiko genug Mais, vor allem durch
Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, um die ganze Bevölkerung damit zu
ernähren.

Dessen ungeachtet, genehmigte die mexikanische Regierung in den Jahren
2009 und 2010 mehr als 70 Anträge auf Aussaat von Genmais, die von den
transnationalen Konzernen Monsanto, DuPont (mittels seiner Tochterfirmen
Pioneer HiBred und PHI México) und Syngenta gestellt worden waren. Im
Jahr 2009 wurden nach Angaben der Regierung 33 Anbauflächen mit einer
Gesamtfläche von 14,43 Hektar genehmigt, im Jahr 2010 kamen 41 weitere
Anträge hinzu, mit wesentlich größeren Flächen. Unter ihnen befinden
sich auch drei Anträge von Monsanto mit einer Gesamtfläche von 30.000
Hektar für die Pilotphase in Sinaloa. Im selben Dokument werden weitere
90.000 Hektar in Tamaulipas beantragt, die noch der „experimentellen
Phase“ zugerechnet werden.**

Fast 90 Prozent der transgenen Maissorten, deren Aussaat beantragt
wird, werden von Monsanto kontrolliert. Auch bei den Anträgen von
Syngenta, DuPont y Dow ist das der Fall: Deren Mais enthält Gene, auf
die Monsanto ein Patent hält – allein oder in Kombination mit anderen.
Am häufigsten wird Mon603 (entspricht NK603) beantragt. Diese Sorte ist
resistent gegen das Herbizid Glyphosat, dass unter Bezeichnungen wie
Faena, Rival oder Roundup im Handel ist. Auch die Aussaat von Mon810
wurde beantragt.

In einer wissenschaftlichen Studie, die vom österreichischen
Gesundheitsministerium im Jahr 2008 veröffentlicht wurde, sind die
Auswirkungen eines gentechnisch veränderten Maises mit genau diesen
beiden Charakteristiken (denen von NK603 und von Mon810) analysiert
worden. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass der Verzehr dieses
Maises unter anderem die Fruchtbarkeit bei Laborratten reduzierte. Diese
und andere Studien, unter anderem über die Umweltauswirkungen von
insektizidresistentem Mais, bewirkten, dass mehrere europäische Staaten,
darunter Österreich, Deutschland, Frankreich und Griechenland den Anbau
von Genmais in ihrem Land verboten haben.

Doch im Ursprungsland des Maises unterstützt die Regierung
transnationale Konzerne bei der experimentellen Aussaat verschiedener
gentechnisch veränderter Maissorten, die gegen Insektizide und
Pflanzenschutzmittel resistent sind. Auch einer der Anträge der
Pilotphase auf die Aussaat von 10.000 Hektar GVO enthält das Gen 603.

Die angeblich von Regierung und Unternehmen ergriffenen Maßnahmen zum
Schutz der Artenvielfalt sind völlig unzureichend, angesichts der
Risiken, die gentechnisch veränderter Mais in Mexiko bedeutet. Sie
wurden bis ins Detail in einer öffentlichen Befragung, die von der
Regierung zu einigen Anträgen im Internet angeboten worden war,
analysiert und kritisiert. Aus vielen Wissenschaftsdisziplinen und
zivilgesellschaftlichen Organisationen wurden kritische Einwände auf
solider wissenschaftlicher Basis eingereicht, die die Regierung ohne
weiteren Kommentar verwarf.

Ihr Argument ist, dass die Maßnahmen für die experimentelle Phase
ausreichend waren. Doch selbst wenn diese Richtlinien noch dazu
ausreichten, die Auskreuzung von GVO aus den Feldern der experimentellen
Phase zu verhindern: Bei kommerzieller Aussaat werden die Bauern diese
Maßstäbe nicht erfüllen können, denn die würden ihre Produktionskosten
in die Höhe treiben, sind zeitaufwändig und werden außerdem auch
überhaupt nicht überprüft.

Es liegt daher auf der Hand, dass die Regierung sich nie für die
Biosicherheit interessiert hat, sondern diese nur ein Feigenblatt war,
das man wegen internationaler Übereinkünfte im Gesetz hatte verankern
müssen. Ein formale Auflage, um danach zur so genannten Pilotphase
übergehen zu können und schließlich zur kommerziellen Aussaat.

Deswegen wurden neue Anträge genehmigt, ohne dass die Ergebnisse der
vorherigen Phase vorgelegen hätten – und jetzt geht es um Anträge der
Pilotphase auf zehntausende Hektar, obwohl die Resultate der so
genannten experimentellen Phase noch nicht veröffentlicht worden sind.
Zudem wird erneut gegen das Gesetz verstoßen: Das Verordnung über
Biosicherheit schreibt vor, dass vor Beginn der Pilotphase die
Ergebnisse der experimentellen Phase evaluiert sein müssen – von den an
der Aussaat beteiligten Unternehmen übrigens, weswegen dieses Gesetz
auch das „Monsanto-Gesetz“ genannt wird. Sie müssen gemäß einem
offiziellen Raster der mexikanischen Behörden evaluiert werden, das es
jedoch nicht gibt. Die Illegalität, die Farce, die erzwungene Umsetzung
– darauf bauen sie. Belege für ihre Argumente haben sie jedoch nicht,
nicht einen einzigen.

* Silvia Ribeiro ist Forscherin der ETC-Group

** nach Angaben der Autorin wurde die entsprechende Datei kurz nach
Veröffentlichung des Artikels in La Jornada aus dem Netz genommen (Anm.
der Übersetzerin). Wir geben sie hier wieder:
http://womblog.de/wp-content/Anhang.pdf

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Silvia Ribeiro für die
Übersetzung ins Deutsche. Der Orginalbeitrag kann hier in spanischer
Sprache nachgelesen werden:
http://www.jornada.unam.mx/2010/08/28/?section=economia&article=027a1eco

Übersetzung: Bettina Hoyer – Lektorat: Sebastian Landsberger | Kontakt:
koordination@linguatransfair.de

¡ CAMBIA A LINUX – STEIG AUF LINUX UM – CHANGE TO LINUX !

Apropos: Mexiko feiert seine Unabhängigkeit…

http://orf.at/stories/2014562/

Mexiko feiert 200 Jahre Unabhängigkeit

Mit einem großen Umzug, vielen Konzerten, Feuerwerken und einer Militärparade feiert Mexiko seit heute zwei Tage lang seine vor 200 Jahren errungene Unabhängigkeit. Allein an der zentralen Feier im Zentrum der mexikanischen Hauptstadt werden mehrere Millionen Zuschauer teilnehmen, darunter Staatschefs und Regierungsmitglieder aus 80 Staaten.

In einem über zwei Kilometer langen Festumzug wollen 7.000 Akteure die Geschichte und Kultur Mexikos darstellen. Wegen der schwierigen Sicherheitslage sind starke Polizei- und Armee-Einheiten im ganzen Land im Einsatz. In einigen Städten wurden die Feiern aus Angst vor Anschlägen abgesagt.

TOWARDS CANCUN

La Vía Campesina present at the 6th National Assembly of People Affected by The Environment

Magdalena Ocotlán, Oaxaca. México

September 11-12, 2010

A delegation of Vía Campesina representatives from the United States, the Basque Country and different parts of Mexico arrived in the community of Magdalena Ocotlán, in the Central Valley region of Oaxaca in solidarity with the movement of People Affected by the Environment and their 6th National Assembly. This movement is a national effort to link the different environmental struggles and to strengthen the unity between the rural countryside and urban cities to confront the terrible environmental devastation caused by this capitalist system of destruction and plunder.

Representatives of organizations, social movements and communities from Mexico presented their cases of environmental and human devastation caused by the mines, GMO crops, garbage dumpsites, land grabs, the contamination of water and soil, amongst other causes. They also made known their struggles, explaining the course of actions they are taking within their own communities to halt these catastrophes. The Assembly pronounced itself against the neoliberal system and the transnational corporations which are responsible for the climate crisis.

In their presentation to the Assembly, the delegates of Vía Campesina offered their experiences to pose that the peasant struggle and the struggle of those affected by the environment are on the same path in rejecting the practices which are destroying the planet and proposing food sovereignty and the communal protection of natural resources.

In his presentation to the Assembly Carlos Marentes of the Border Agricultural Workers Union (Unión de Trabajadores Agrícolas Fronterizos – UTAF), based in El Paso, Texas, said that “immigrants are also victims of the climate crisis and as such must also make themselves heard in Cancun.” He pointed out that there are 210 million migrants worldwide that have been displaced from their lands due to droughts, floods, water contamination, soil deterioration and erosion. Unable to survive in their own communities they “must migrate to the Northern societies where they are rejected and repressed.”

Celerino Tlacotempa, state coordinator from the state of Guerrero of the National Union of Regional Autonomous Peasant Organizations (Unión Nacional de Organizaciones Regionales Campesinas Autónomas – UNORCA) talked about the actions being taken by people in his region to combat climate change. They are fighting to recuperate the soil through the integration of organic materials, the salvage and betterment of their seeds and native corn, and implementing education and formation regarding the threat of GMO’s. “The rescue of our traditional seeds and food, the resistance against GMO seeds, is fundamental to stop transnational corporations.”

Alberto Gómez, coordinator of La Vía Campesina North American Region, made a strong call to unite the peasant, indigenous and all of those affected by the environment struggles to achieve thousands of protests and thousands of actions against the governments and the big corporations responsible for the environmental devastation and global warming. In regards to the mobilizations towards the COP-16 in Cancun, he stated that “we reject the proposals from governments at the COP-16 negotiations, such as the REDD program, biofuels, GMO’s and bio-engineering. Instead of confronting the climate crisis, these initiatives are nothing more than new business opportunities and false solutions.”

In the workgroup tasked with the issue of the path towards COP-16, the assembly participants passionately discussed a plan of action towards Cancun, establishing a commission from the assembly body to organize the caravans, together with La Vía Campesina, to demonstrate to the international community the struggles against the environmental devastation in Mexico.  In this manner a move forward towards Cancun was initiated with the celebration of the regional assemblies, the establishment of a work plan and the caravan starting points in San Luis Potosí, Guadalajara, and Acapulco. These caravans will proceed towards Mexico City where a mega-march “For Life and Environmental Justice” will take place on November 30th. This massive citizen march, with the participation of unions like the Mexican Union of Electrical Workers (Sindicato Mexicano de Electricistas – SME), the teachers of the National Coordination of Educational Workers (Coordinadora Nacional de Trabajadores de la Educación – CNTE), the miners of Cananea and other social and political movements is to call attention to the world that people are mobilizing  towards Cancun to unmask the false solutions and to raise the peoples’ alternatives to cool down the planet.

Once the mega march in Mexico City takes place, the caravans will advance towards the south, crossing towns where struggles of great importance against the capitalist environmental destruction are taking place in order to arrive in Cancun on December 3rd.  In addition, confirmation of other caravans was given, one of which will depart from Chiapas. Once the caravans arrive in Cancun, the Alternative Global Forum for Life, Environmental and Social Justice will begin. A series of mobilizations will take place and culminate on December the 7th with the Vía Campesina March. Simultaneously on that same day various actions, mobilizations and cultural acts will take place across the United States, Canada and many other places around the world, echoing the call of La Vía Campesina to carry out thousands of Cancuns for life and environmental justice.

Finally, before an assembly packed with women, farmers and agricultural workers, indigenous people, children and activists of various social movements, the representative of Workgroup 2 declared, “The route to Cancun is only one instance in the struggle… the assembly approves to move forward beyond Cancun with La Vía Campesina in order to achieve changes against the environmental destruction and to better the conditions of our planet.”

DECEMBER 7th THOUSANDS OF CANCUNS FOR LIFE

AND ENVIRONMENTAL AND SOCIAL JUSTICE!

GLOBALIZE THE STRUGGLE, GLOBALIZE HOPE!

International Operational Secretariat

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La Via Campesina – International Secretariat:

Jln. Mampang Prapatan XIV No. 5 Jakarta Selatan 12790,  Indonesia

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