Ruth Tippe, China, Bienen- und Rinderzucht

http://www.mainpost.de/regional/kitzingen/Kein-Patent-auf-Leben-Von-Krebsmaeusen-und-Embryonen;art773,6592967

KITZINGEN
Kein Patent auf Leben: Von Krebsmäusen und Embryonen
Die Biologin Ruth Tippe kommt in die Alte Synagoge nach Kitzingen
Ruth Tippe.
Foto: Jochen Schiel

Ruth Tippe gehört der Initiative „Kein Patent auf Leben“ an. Die Biologin kommt am Donnerstag, 2. Februar, mit dem Vortrag „Patente auf Leben: Sind Pflanzen und Tiere technische Erfindungen?“ in die Alte Synagoge nach Kitzingen. Beginn ist 19.30 Uhr. Veranstalter sind die Volkshochschule Kitzingen und Open House (Mainstockheim).
Frage: Was genau ist eigentlich ein Patent?
Ruth Tippe: Nach Wikipedia: Ein Patent ist ein hoheitlich erteiltes gewerbliches Schutzrecht für eine Erfindung. Der Inhaber des Patents ist berechtigt, anderen die Benutzung der Erfindung zu untersagen.
Wer kommt auf die Idee, Patente auf Pflanzen und Tiere anzumelden?
Tippe: Firmen, die gentechnisch-veränderte Pflanzen oder Tiere entwickelten und vor allem vermarkten wollten. Sie fanden, dass Patente auch für Lebewesen zugänglich sein müssen, da Gentechnik eine Technik ist, die neu und erfinderisch ist.
Patente aufs Leben – was spricht dafür?
Tippe: Firmen, die in die Pflanzenbiotechnologie viel Geld investiert haben, möchten Patente als Monopol, um Konkurrenz auszuschalten oder diese zu zwingen Lizenzgebühren zu bezahlen.
Und was dagegen?
Tippe: Pflanzen und Tiere sind keine Erfindung von Menschen! Diese bilden die Grundlage unserer Ernährung. Jeder Mensch, vom Säugling bis zum Greis, ist von Nahrung abhängig. Es gibt ein Lebensrecht auf Nahrung. Monopole auf Lebensnotwendiges, wie Luft, Wasser und Nahrung müssten verboten sein. Dies alles unabhängig vom Inhalt von Biopatenten, die häufig haarsträubend sind.
Wie stehen Sie dazu?
Tippe: Wie der Name meiner Initiative es schon sagt: Kein Patent auf Leben, Leben darf nicht patentiert sein.
Drei Beispiele für besonders unsinnige Patente aufs Leben . . .
Tippe: Beispielsweise die Krebsmaus: Das war das erste Tier, auch das erste Säugetier, das patentiert wurde. Es sollte die Krebsforschung voranbringen. Dieses Tier war keineswegs brauchbar dafür. Es wurde aber zum Türöffner für tausende weiterer Patente auf Tiere. Zweitens: Patent von Oliver Brüstle auf Zellen, die von menschlichen embryonalen Stammzellen abstammen. Brüstle, ein deutscher Professor, hat menschliche Embryonen zerstört und die Zellen, die er daraus gewonnen und weiter entwickelt hat, patentiert. Greenpeace hat dagegen eingesprochen. Das Patent kam bis vor den Europäischen Gerichtshof. Dort wurde es zurückgewiesen. Denn Menschen und alle Vorstufen von Menschen, wie Embryonen und embryonale Stammzellen sind nicht patentierbar und auch alle Produkte daraus.
Und drittens?
Tippe: Patent auf Tomaten, die gezüchtet wurden. Züchtungsverfahren sind nach dem Europäischen Patentübereinkommen nicht patentierbar. Dies hat die Große Beschwerdekammer, die höchste richterliche Instanz des Europäischen Patentamtes, am Beispiel Brokkoli und Tomate bestätigt. Trotzdem blieben die gezüchteten Tomaten patentiert. Nun wird dieses Patent nochmals der Großen Beschwerdekammer vorgelegt, um zu klären, ob Pflanzen und Tiere, die konventionell gezüchtet wurden, patentierbar sind.
Welche Gefahren sehen Sie für unsere Grundnahrungsmittel?
Tippe: Grundnahrungsmittel werden teurer und die Firmen können bestimmen, was auf unseren Teller kommt. Sie können festlegen, wer, welche Pflanzen, unter welchen Bedingungen anbaut, verarbeitet und vermarktet. Vielfalt geht verloren. Landwirte und Konsumenten werden abhängig von den Konzernen.
Zu meinem Vortrag zu kommen, lohnt sich schon deshalb, weil . . .
Tippe: . . . hier ein selten vorgebrachtes Thema detailliert dargestellt wird. Patentrecht wird damit aus der Expertennische geholt und für Normalbürger verständlich gemacht.

http://www.agrarheute.com/gvo-anbau

01.02.2012
EU-Präsidentschaft strebt Entscheidung über GVO-Anbau an
Brüssel – Dänemark macht Druck bei der grünen Gentechnik. Nationale Anbauverbote in einzelnen EU-Mitgliedstaaten sollen neu geregelt werden, möglichst im EU-Umweltministerrat im März.
Die dänische Ratspräsidentschaft legte in einer Arbeitsgruppe ein Kompromisspapier zur Genehmigung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) vor. Danach sollen Absprachen von einzelnen EU-Mitgliedstaaten mit dem Antragsteller ermöglicht werden, in denen der Hersteller von GV-Saatgut auf den Verkauf in Teilen der EU verzichtet.

Dänemark möchte die Ablehnung gegen den Kommissionsvorschlag überwinden, um möglichst noch im EU-Umweltrat im März eine Entscheidung herbeizuführen. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission sollen nationale Anbauverbote erleichtert werden.
Erleichterungen für nationale Anbauverbote
Die Ablehnung der Bevölkerung soll zukünftig für ein Verbot ausreichen. Wissenschaftliche Begründungen über mögliche Risiken sollen dafür nach dem Vorschlag der Kommission für nationale Alleingänge wegfallen. Über eineinhalb Jahre ziehen sich die Verhandlungen inzwischen hin. 22 EU-Mitgliedstaaten stimmen dem Kommissionsvorschlag zu.
Fünf EU-Staaten lehnen Vorschlag ab
Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Spanien und Belgien lehnen ihn ab, mit unterschiedlichen Begründungen. Deutschland befürchtete Störungen auf dem EU-Binnenmarkt durch nationale GVO-Verbote, Spanien möchte seinen GV-Mais EU-weit verkaufen und die Briten lehnen ein Aufweichen der zentralen Zulassung in der EU ab.
aiz

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2012-02/22593603-roundup-roche-wirbt-fuer-milliardenuebernahme-ausblick-enttaeuscht-016.htm

ROUNDUP: Roche wirbt für Milliardenübernahme – Ausblick enttäuscht

Der Schweizer Pharma- und Diagnostik-Konzern Roche gibt sich im Übernahmekampf um den US-amerikanischen Gentechnik-Spezialisten Illumina weiterhin kämpferisch: „Wir wollen mit dem Illumina-Verwaltungsrat ins Gespräch kommen, mit dem Ziel, eine Übernahmevereinbarung auszuarbeiten“, sagte Roche-Chef Severin Schwan am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Basel. Die Schweizer bieten weiterhin rund 5,7 Milliarden Dollar und haben eine Reihe von neuen Mitgliedern zur Wahl in den Illumina-Verwaltungsrat vorgeschlagen, auf die der US-Konzern innerhalb von zehn Tagen reagieren will.

Während die Übernahmepläne bei Analysten noch immer auf ein positives Echo stoßen, wurde der Ausblick gemischt aufgenommen. „Nicht gerade beeindruckend“, kritisierte die US-Bank JPMorgan. Die Roche-Prognose für 2012 sei konservativ ausgefallen, urteilte die Bank Sarasin. Die Jahresergebnisse sowie der Ausblick lagen für WestLB-Analyst Oliver Kämmerer im Rahmen der Erwartungen. Dank der Umstrukturierungsmaßnahmen habe Roche im Vorjahr 1,8 Milliarden Franken eingespart und damit die negativen Auswirkungen fallender Umsätze mit dem Krebsmittel Avastin und staatliche Spar- und Reformpläne abgefedert.

2012 rechnet Roche mit einem Anstieg des Konzernumsatzes zu konstanten Wechselkursen im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich. Dabei soll sich das Wachstum in der Pharmasparte unter anderem dank neuer Produkte beschleunigen. Die kleinere Diagnostik-Sparte, die mit dem Illumina-Kauf gestärkt werden soll, soll stärker wachsen als der Markt. Neue Mittel wie Pertuzumab zur Behandlung von Brustkrebs oder auch das bereits in den USA zugelassene Zelboraf gegen Hautkrebs sowie Sparmaßnahmen sollen bei Roche in den kommenden Jahren wieder für mehr Dynamik sorgen. 17 Produkte seien in der Spätphase der klinischen Entwicklung, sagte Roche-Chef Schwan. In der Krebsmedizin ist Roche mit einem Anteil von 30 Prozent Marktführer. In seiner kleineren Diagnostika-Sparte konkurriert der Konzern mit Unternehmen wie Siemens , Bayer und Abbott Laboratories .

Der starke Franken und die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen haben den Novartis-Konkurrenten im vergangenen Jahr stark belastet. Auch der Umsatz mit dem Top-Medikament Avastin ging zurück, nachdem auf dem weltweit größten Pharmamarkt, den USA, die Zulassung zur Brustkrebsbehandlung zurückgezogen wurde. Umsatz und operativer Gewinn waren 2011 rückläufig. Bereinigt um Währungseffekte konnte die Schweizer ihre Erlöse allerdings steigern. Beim Schweizer Konkurrenten Novartis, der in Dollar bilanziert und seine Zahlen vor einer Woche vorgelegt hat, war der Umsatz 2011 zwar um 16 Prozent gewachsen, der Gewinn aber um sieben Prozent auf 9,25 Milliarden Dollar gefallen.

Insgesamt wies Roche im vergangenen Jahr einen Überschuss von 9,5 Milliarden Franken (rund 8 Mrd. Euro) aus – ein Plus von sieben Prozent. Ohne den starken Franken hätte der Konzern den Gewinn um 26 Prozent zugelegt. Der Umsatz ging um zehn Prozent auf 42,5 Milliarden Franken zurück. Bereinigt um Währungseffekte hätte das Plus bei einem Prozent gelegen. Roche will die Kosten weiter drücken und den Gewinn je Aktie im Kerngeschäft im hohen einstelligen Bereich in die Höhe treiben. 2011 lag diese Kennziffer bei 12,30 Franken.

Für 2011 wollen die Schweizer die Aktionäre weiter von einer „attraktiven“ Ausschüttung profitieren lassen. Die Dividende soll um drei Prozent auf 6,80 Schweizer Franken steigen. Dies sei die 25. Dividendenerhöhung in Folge./ep/wiz

http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-KWS-Saat-bleibt-Deutschland-bei-GVO-Forschung-treu-703459.html

KWS Saat bleibt Deutschland bei GVO-Forschung treu
[01.02.2012]

Philip von dem Bussche
Die KWS Saat AG hat beim Bundesamt für Verbraucherschutz für weitere sieben Jahre Freisetzungsversuche mit seiner gentechnisch veränderten Zuckerrübe beantragt. Wie Philip von dem Bussche, Chef des Saatgut-Herstellers in der WirtschaftsWoche dazu erklärt, ist Deutschland für KWS ein nach wie vor guter Forschungsstandort.
„Wir bleiben mit unserer Biotechnologie-Forschung hier. Und wir bauen auch keine Arbeitsplätze ab. Im Gegenteil: Wir haben in den vergangenen beiden Jahren fast 70 neue Stellen in der Forschung und Züchtung geschaffen“, so der Pflanzenzüchter auf die Frage, ob wie BASF an eine Abwanderung denkt. Derzeit investiert KWS in den Ausbau der Zentrale in Einbeck. „Wir wollen, dass unsere Molekularbiologen eng mit unseren Pflanzenzüchtern zusammenarbeiten“, so von dem Bussche.
Die wachsende Kritik in der Öffentlichkeit an der grünen Gentechnik nimmt KWS wahr. „Als Unternehmensvorstand nehme ich Dinge zur Kenntnis, bewerte sie und entwickle Strategien, damit umzugehen“, so von dem Bussche weiter. Die europäischen Landwirte wollen derzeit mehrheitlich kein gentechnisch verändertes Saatgut. „Das haben wir zu akzeptieren. Deshalb bieten wir ihnen nur konventionell gezüchtetes Saatgut und auch solches für den Ökolandbau an.“
In den USA, Asien und Südamerika – den Wachstumsmärkten, wie KWS sagt – habe das Unternehmen aber entsprechend der Nachfrage der Kunden überwiegend gentechnisch veränderte Sorten auf dem Markt. „Die europäische Landwirtschaft muss ihren eigenen Weg finden. Wenn wir hier eine Art Museumslandwirtschaft erhalten und uns vom Rest der Welt abkoppeln wollen, ist das eine gesellschaftliche Entscheidung.“
Grundsätzlich gibt es aber laut dem KWS-Chef keinen einzigen Beleg dafür, dass die veränderten Gene dem Menschen und der Natur schaden. Eine Untersuchung der EU bestätige die Unbedenklichkeit. Von dem Bussche kritisiert allerdings die zunehmende Verschärfung der Vermarktungsregeln für GVO-Produkte. „Theoretische Risiken – und von solchen sprechen wir bei der grünen Gentechnik – lassen sich nie und in keinem Bereich ausschließen. Sie wissen ja auch nicht, welche Langzeitfolgen die Nutzung Ihres Handys für Sie hat“, kontert der Saatzüchter.
Er nimmt nach eigener Aussage zur Kenntnis, dass sich Menschen vor neuen Technologien fürchten. Auf dem Stand des heutigen Wissens könne er es aber nicht nachvollziehen. „Tatsache ist doch: Schon heute tragen Verbraucher in Deutschland Hemden aus gentechnisch veränderter Baumwolle und verzehren eine Vielzahl von gentechnisch veränderten Produkten, zum Beispiel in Form von Milch, Fleisch und Eiern. Das hat die EU so genehmigt.“
Als ein Problem sieht der Vorstand, dass die grüne Gentechnik anfangs zu positiv dargestellt wurde. Da müsse man sich als Branche auch an die eigene Nase fassen. „Es wurden Erwartungen geweckt, die sich nicht kurzfristig erfüllen ließen. So hat sich die Kritik immer mehr verfestigt“, erklärt von dem Bussche der WirtschaftsWoche. (ad)

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/25150.html

01.02.2012 |

Dänemark will Änderung zum EU-Gentechnik-Recht voranbringen

Nationale Anbauverbote sollen gesetzlich einfacher geregelt werden.
Der Prozess um ein geändertes EU-Gentechnikrecht geht in eine neue Runde. Die dänische Ratspräsidentschaft legte nun ein Kompromisspapier zur Regelung der nationalen Gentechnik-Anbauverbote vor. Das Papier schlägt Absprachen zwischen den Antragstellern und einzelnen Mitgliedsstaaten vor, nach denen die Hersteller des gentechnisch veränderten Saatguts auf den Verkauf in dem jeweiligen Land verzichten sollen. Möglichst schon im März beim EU-Umweltministerrat soll eine Entscheidung herbeigeführt werden.
2010 hatte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Änderung des Gentechnikrechts vorgelegt, der deutliche Mängel aufwies und von vielen Seiten kritisiert wurde. Im Juli letzten Jahres hatte daraufhin das Europäische Parlament beschlossen, den EU-Mitgliedsstaaten die Möglichkeit eines rechtsicheren und umfassenden Verbots gentechnisch veränderter Pflanzen einzuräumen. Die Änderungsvorschläge stammten von der liberalen Abgeordneten Lepage. Nun ist der Rat aufgefordert, sich mit den vom Parlament vorgeschlagenen Änderungen zu befassen.

http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_saison/magazinuebersicht.html

Text von Anna Sandner
Rote Karte für grüne Gentechnik

Gentechnik-Skeptiker jubelten, als der BASF-Konzern die Verlegung seiner Gentechnik-Sparte in die USA ankündigte. Und schon in diesem Jahr sind deutsche Äcker gentechnikfrei. Ist das das Ende des vermeintlichen Wundermittels gegen den Welthunger?

Artikelinhalt
› Vorläufiges Ende grüner Gentechnik
› Bekämpfung des Welthungers?
› Umweltrisiko grüne Gentechnik
› Verbraucherwille siegt
Weltweit steigt die Zahl der Flächen mit gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen: 2010 waren es bereits 148 Millionen Hektar. Das ist mehr als die vierfache Fläche Deutschlands. Vor allem in den USA, Brasilien, Argentinien, Indien und Kanada sind gv-Sorten auf dem Vormarsch. Angebaut wird in erster Linie gv-Soja, -Mais, -Raps, -Baumwolle und seit einigen Jahren gv-Zuckerrüben. Auch in Deutschland stieg die Zahl der Anbauflächen für gv-Pflanzen einige Jahre lang. Kommerziell wurde hierzulande der gv-Mais MON 810, eine schädlingsresistente Sorte des Agrarriesen Monsanto, und die Stärkekartoffel Amflora der Firma BASF angebaut. Im internationalen Vergleich waren die deutschen Anbauflächen jedoch verschwindend gering: Deutschland bildete das Schlusslicht der 29 Länder mit grüner Gentechniknutzung. Im Jahr 2012 sind nun erstmals seit sieben Jahren keine gv-Pflanzen mehr auf deutschen Feldern zu finden.

Vorläufiges Ende der grünen Gentechnik in Deutschland
Der Grund dafür ist die kritische Grundeinstellung der Bevölkerung. Während in vielen Teilen der Welt konventionelle Pflanzensorten ohne größeren Widerstand von gv-Pflanzen abgelöst wurden, müssen sich Biotech-Konzerne in Europa – speziell in Deutschland – mit langwierigen Zulassungsverfahren und einer kritisch eingestellten Bevölkerung auseinandersetzen. Immer wieder hatten Umweltaktivisten Felder mit gv-Anbau zerstört. 2009 schließlich stoppte das Landwirtschaftsministerium den Anbau von gv-Mais in Deutschland trotz vorhandener EU-Zulassung. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung beinhaltet hingegen explizit nicht nur die Förderung der Potentiale der grünen Gentechnik – sondern auch die Förderung eines konkreten Produkts, nämlich der „Amflora“-Kartoffel des Chemie-Riesen BASF – ein bislang einzigartiger Vorgang in der Parteiengeschichte.

Doch Schwarz-Gelb und BASF hatten die Rechnung ohne den Wirt, oder besser die Bevölkerung, gemacht. Nachdem BASF 13 Jahre auf eine EU-Zulassung für Amflora gewartet hatte, wurde die gv-Kartoffel nur zwei Jahre auf deutschen Äckern kultiviert. Nun ließ BASF verlauten, aufgrund mangelnder Akzeptanz bei Verbrauchern, Landwirten und Politikern die Entwicklung aller gv-Produkte für den europäischen Markt einzustellen. Darüber hinaus wird die Unternehmenszentrale der Tochterfirma Plant Science von Deutschland in die USA verlegt. Läutet diese Entwicklung das vorläufige Ende der grünen Gentechnik in Deutschland ein?

Bekämpfung des Welthungers durch die grüne Gentechnik?
Gentechnikkritiker atmen erleichtert auf und feiern den BASF-Rückzug als großen Erfolg. Andere sprechen von einem schweren Schlag für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland. Doch was steckt hinter der Debatte um die grüne Gentechnik?

Ziel der grünen Gentechnik ist die Entwicklung neuer Pflanzensorten, die gegenüber herkömmlichen Sorten Vorteile bieten: Hier geht es in erster Linie um eine Steigerung des Ertrags bislang meist durch bessere oder neue Schädlingsresistenzen wie bei dem gv-Mais MON 810 oder die Veränderung der Zusammensetzung bestimmter Inhaltsstoffe wie etwa bei der Stärkekartoffel Amflora. An der Entwicklung hitze-, kälte-, und trockenheitsresistenter gv-Pflanzen – die gerade der ärmeren Bevölkerung in Entwicklungsländern helfen könnten – wird nur in geringerem Umfang gearbeitet.

Durch höhere Erträge und geringere Ernteausfälle sollte die grüne Gentechnik einen Beitrag zur Bekämpfung des Welthungers leisten. Doch Kritiker sehen hier die gegenteilige Entwicklung: Kleinbauern, beispielsweise in Indien und Südamerika, verlieren ihre Existenz durch drastisch steigende Saatgut- und Pestizidpreise. Häufig sind sie vertraglich verpflichtet, in Verbindung mit dem gv-Anbau auch das zugehörige Pestizid derselben Firma zu nutzen und geraten so in die völlige Abhängigkeit der Preisvorgaben weniger Agrar- und Chemiekonzerne. In den Händen des Agrarriesen Monsanto beispielsweise liegen mittlerweile zwei Drittel des Weltsaatgutmarktes. Der größte Teil der produzierten gv-Pflanzen wird außerdem zu Futtermittel und Biotreibstoff verarbeitet und trägt daher nicht zur Ernährung der Weltbevölkerung bei. Zudem ist das Problem des Welthungers bislang nicht in einer zu geringen Nahrungsmittelproduktion begründet. Unter anderem gravierende Nachernteverluste und allen voran die ungleichmäßige Verteilung der vorhandenen Nahrungsmittel sind vielmehr die Ursachen.

Umweltrisiko grüne GentechnikVerbraucherwille siegt

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Umweltrisiko grüne Gentechnik
Mit der grünen Gentechnik einhergehende Unsicherheiten haben vor allem in Deutschland zu einer kritischen Einstellung der Bevölkerung geführt. Bei einer Meinungsumfrage der Europäischen Kommission (PDF-Download) sprachen sich lediglich 22 Prozent der Deutschen für die Förderung der grünen Gentechnik aus. Wichtig ist vielen die Frage nach der Sicherheit: Weder ungeahnte Umweltwechselwirkungen noch die Bildung von Resistenzen können mit absoluter Gewissheit ausgeschlossen werden. Auch die Langzeitwirkung von gv-Pflanzen in der Umwelt ist nicht bekannt. Die Freisetzung von gv-Pflanzen kann nie mit hundertprozentiger Sicherheit rückgängig gemacht werden. Sollten sich zu einem späteren Zeitpunkt doch negative Auswirkungen von gv-Pflanzen auf die Umwelt zeigen, kann nicht sichergestellt werden, dass tatsächlich alle ausgebrachten Pflanzen und Samen wieder entfernt werden können.

Ein weiteres Problem stellt die Koexistenz von ökologischer, konventioneller und Landwirtschaft mit Gentechnikeinsatz dar. In Nord- und Südamerika, wo bereits auf großen Teilen der Anbauflächen gv-Pflanzen kultiviert werden, ist schon heute der Anbau konventioneller Sorten schwierig. Pollen und Saatgut kennen keine Feldergrenzen. Und so kommt es immer wieder dazu, dass auf eigentlich Gentechnik-freien Flächen gv-Pflanzen nachgewiesen werden. Die Konsequenz: Gentechnik-freie Landwirtschaft ist nahezu unmöglich und zudem müssen betroffene Landwirte in manchen Fällen sogar für den ungewollten „Anbau“ Gebühren an die Patentinhaber zahlen. Und schließlich bleibt die Sorge um die Patentierung der gv-Sorten und die damit einhergehende Machtkonzentration bei einer oder wenigen Firmen. Befürworter versuchen zu relativieren: Fortschritt und die Entwicklung neuer Technologien seien stets mit Ungewissheit verbunden. Beim Einsatz einer neuen herkömmlich gezüchteten Pflanzensorte würden Langzeitwirkung, Umweltwechselwirkungen und Rückholbarkeit nicht im selben Maße hinterfragt.

Am Ende siegt der Wille der Verbraucher
Bei vielen Skeptikern mag jedoch die Abneigung gegenüber grüner Gentechnik weniger in wissenschaftlichen Argumenten begründet sein, als vielmehr in der Vorstellung, der Mensch spiele mit Einsatz der Gentechnik Gott. Und letztendlich zeigt der Fall der grünen Gentechnik in Deutschland, dass Wissenschaft und Industrie – unabhängig von der wissenschaftlichen Faktenlage – gesellschaftliche Vorbehalte nicht ignorieren können. BASF hat eingesehen, dass der Kampf gegen den Willen der Verbraucher auf lange Sicht wenig Erfolg verspricht und will seine Anstrengungen jetzt auf den asiatischen Markt konzentrieren.

Zurück bleibt ein Deutschland, in dem zwar momentan keine gv-Pflanzen im Freiland wachsen, das aber deshalb noch lange nicht frei von grüner Gentechnik ist. Durch die Einfuhr von gv-Rohstoffen gelangt auch keimfähiges Saatgut ins Land, das bei Weiterverarbeitung und -transport durchaus auf deutsche Äcker gelangen kann. Und in den Futtertrögen deutscher Masttiere landet in erster Linie gv-Soja aus Südamerika. Nur so kann die gewaltige Fleischproduktion hierzulande aufrecht erhalten werden. Letztendlich verlagern wir durch unser Konsumverhalten das Gentechnikproblem in andere Länder, in denen der Widerstand geringer ist oder leichter gebrochen werden kann.

Die Autorin Anna Sandner (27) studierte Molekulare und Angewandte Botanik.

http://rotefahne.eu/2012/02/china-stoppt-gen-reis/

1. Februar 2012
China stoppt Gen-Reis

Nicht nur in Reiskörnern, sondern auch in Nudeln und anderen Produkten konnte Gentechnik nachgewiesen werden
– von Presseticker  –
Der Anbau von Reis in China hat eine 7.000 Jahre alte Geschichte. Acht Jahre dauerte der Kampf von Greenpeace China gegen die Einführung von gentechnisch manipuliertem Reis – mit einem positiven Ausgang Ende 2011. Das chinesische Landwirtschaftsministerium erklärte, auf die Kommerzialisierung von Gen-Reis zu verzichten.

Der Erfolg einer der ersten und längsten Kampagnen in der Geschichte von Greenpeace China war keineswegs absehbar. Denn Gen-Reis steht in China nicht nur ganz oben auf der Interessenliste der Industrie, sondern war lange ein Prestigeprojekt der chinesischen Regierung.
Die engen Verflechtungen von Wissenschaft, Industrie und Behörden erschwerten die Arbeit von Greenpace.

Greenpeace-Arbeit gegen Gentechnik in China

Ausgangspunkt der Greenpeace-Arbeit war 2003 der Nachweis von Gentechnik in Schokolade. Die Medien berichteten über die Klage einer empörten Mutter. Die Debatte über Gentechnik erreichte die Öffentlichkeit.

Auch bei Tests von Kindernahrung konnte Greenpeace Gentechnik feststellen

2004 dokumentierte ein Greenpeace-Team traditionelle und nachhaltige Reis-Anbaumethoden, wie etwa den Einsatz von Enten in Reisfeldern. Die Vögel sorgen dabei für eine natürliche Schädlingsbekämpfung und düngen gleichzeitig die Felder.
Im selben Jahr gab es allerdings auch eine schlechte Nachricht: Wissenschaftler beantragten, vier Gen-Reissorten kommerziell anbauen zu lassen.

Illegaler Anbau breitet sich aus

In der Folge gelang es Greenpeace China, die Interessenkonflikte unter den an der Antragstellung beteiligten Parteien öffentlich zu machen.
Für Greenpeace China war das ein Schlüsselmoment in ihrer Kampagne gegen Gen-Reis. Kurze Zeit später erreichten Gerüchte die chinesische Öffentlichkeit, es könnte – über die kleinflächige Freisetzung von Gen-Reis auf Versuchsflächen hinaus – illegalen Anbau in grösserem Stile geben.

Der Nachweis gelang Greenpeace 2005: Nicht nur in Reiskörnern, sondern auch in Nudeln und anderen, teils für den Export bestimmten, Produkten konnte Gentechnik nachgewiesen werden. Die illegal tätigen Saatgut-Konzerne wurden bestraft und der Gen-Reis auf den Feldern und in den Regalen vernichtet.

Chinesische Regierung erlässt Moratorium

Im Jahre 2006 verschaffte die Regierung der Kampagne mit einem zweijährigen Moratorium auf die Kommerzialisierung von Gen-Reis eine Atempause. Diese erwies sich aber als die Ruhe vor dem Sturm: Direkt im Anschluss schnürte der chinesische Staatsrat ein Milliardenpaket für die Erforschung und Entwicklung der Gentechnik.
Die höchste Priorität galt dabei dem Reis. Ende 2009 schien legalisierter Gen-Reis auf Chinas Feldern nahezu unabwendbar.

Das Blatt wendet sich

Von unerwarteter Seite tauchte 2010 Hilfe auf. Eine staatliche Zeitschrift machte Gen-Reis in einer Ausgabe zum Top-Thema. Nach ersten Zweifeln unter Politikern folgte die Ablehnung durch Prominente. Unter ihnen die Tochter von Mao Zedong.

Damit war die Zeit reif für den entscheidenden Schlag. Greenpeace China reichte Klage gegen Walmart ein. Walmart hatte illegalen Gen-Reis im Angebot. Die Klage erreichte eine breite Öffentlichkeit – ebenso wie ein Gentechnik-Einkaufsratgeber.
Im September 2011 entschied das zuständige Ministerium auf die Kommerzialisierung von Gen-Reis zu verzichten. Ein Meilenstein in der Arbeit von Greenpeace China gegen Gentechnik auf dem Acker.

Neben Europa wehren sich immer mehr Länder gegen die Expansionsbestrebungen der Gentechnik-Industrie. Auch die Philippinen und Thailand haben sich gegen Gen-Reis entschieden und Indien hat die Zulassung von Gen-Auberginen abgelehnt.

Vom Siegeszug der Agrogentechnik kann also keine Rede sein. Auch in Ländern Nord- und Südamerikas, in denen Gen-Produkte von der Gentechnik-Industrie durchgesetzt wurden, wird immer deutlicher, dass die Ablehnung der Agro-Gentechnik in weiten Teilen der Welt keinesfalls ein Verzicht auf eine Zukunftstechnologie ist, sondern die Vermeidung eines schweren Fehlers.

Die  China Story im Detail (englisch) mit wunderschönen Photos

2012-02-01 15:25:05 – Quelle: Greenpeace

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article2176813/Das-grosse-Geschaeft-mit-den-Gen-Pflanzen.html

Gentechnik

Das große Geschäft mit den Gen-Pflanzen

02.02.2012, 06:48 Uhr Angelika Hillmer
Spezialzüchtungen sind resistent gegen Unkrautgifte. Unternehmen verdienen so doppelt. Wissenschaftler warnen vor Gesundheitsschäden

Das Mittel passend zur Pflanze: Herbizideinsatz mit Roundup Ultra auf einem Feld mit gentechnisch veränderten, herbizidresistenten Sojabohnen von Monsanto (USA)
Foto: Bill Barksdale/AGStock USA/Grupp/Gruppe 28

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Brüssel/Hamburg. Gut 70 Prozent der weltweit kultivierten Sojabohnen stammen aus Gentech-Laboren, in den USA sind es sogar 94 Prozent. Ein Teil der Ernte landet als Futter- oder Lebensmittel in Europa. Gleich vier Gentech-Sorten warten derzeit auf eine EU-Zulassung aus Brüssel, über die die Kommission in den kommenden Wochen entscheiden wird. Zwei davon stehen indirekt sogar doppelt auf dem Prüfstand: Diese Bohnen sind resistent gegen das umstrittene Unkrautgift Glyphosat, dessen EU-Zulassung ausläuft. Hier ist eine Neubewertung nötig, die unter deutscher Federführung in diesem Jahr erarbeitet werden soll.

Der US-Konzern Monsanto hat Glyphosat entwickelt und vermarktet es seit 1974 unter dem Namen Roundup. Es ist ein sogenanntes Breitbandherbizid, das fast alles tötet, was grüne Blätter trägt. Die Substanz hemmt in den Pflanzen die Synthese einiger lebenswichtiger Aminosäuren, die bei Tieren und Menschen nicht vorkommen. Gerade weil die Wirkweise auf die Flora begrenzt ist, wird der Wirkstoff allgemein für weniger gefährlich gehalten als andere Unkrautvertilger. So wurde Glyphosat zum weltweit meist eingesetzten Spritzmittel, in konventionellen wie in Gentechnik-Kulturen.

Die dominante Eigenschaft, die Sojabohnen im Labor eingepflanzt wurde, ist die Herbizidresistenz, also die Unempfindlichkeit gegenüber einem bestimmten Unkrautgift. Die Agrarkonzerne profitieren von solchen Gewächsen doppelt: Sie setzen ihr Saatgut ab und gleichzeitig das dazu passende Herbizid. Gentech-Sorten aus dem Hause Monsanto werden mit den Buchstaben RR für Roundup Ready (für Roundup geeignet) bezeichnet und sind neben Soja auch als Mais- und Baumwollsorten massenhaft im Geschäft.

+++30 Jahre Grüne Gentechnik+++

+++Deutsche Froscher machen sich vom Acker+++

Über eine RR-Sojasorte wird jetzt in Brüssel entschieden: MON-40-3-2 ist bereits in Europa zugelassen, nur muss jetzt die Genehmigung, die Bohne als Lebens- oder Futtermittel in der EU zu verkaufen, nach zehn Jahren erneuert werden. Deshalb absolvierte die Sorte eine neue Prüfrunde unter inzwischen verschärften Kriterien. Dazu gesellen sich eine zweite Sorte mit eingebauter Glyphosat-Resistenz (die Soja-356043 vom Hersteller DuPontPioneer) sowie A5547-127 von Bayer CropScience, die das Spritzmittel Glufosinat verträgt, und MON 87701, die ihr Insektengift (Bt) selbst produziert.

Bei allen vier Sorten befand die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, dass sie genauso sicher seien wie konventionellen Pflanzen. Dennoch mehren sich kritische Stimmen, gerade in Hinblick auf das Glyphosat. Denn der Wirkstoff wird in Zusammenhang gebracht mit Schäden bei Amphibien, Problemen mit Unkräutern, die das Gift leidlich vertragen, und sogar Gesundheitsschäden bei Menschen.

Gerade in gegen dieses Herbizid resistenten Kulturen werde Glyphosat intensiv angewendet, sagt Dr. Gesine Schütte vom Forschungsschwerpunkt BIOGUM (Biotechnologie, Gesellschaft, Umwelt) der Universität Hamburg. „Die Landwirte, die etwa RR-Soja pflanzen, haben sich anfangs komplett auf Roundup und andere glyphosathaltige Herbizide verlassen. Durch den regelmäßigen Einsatz großer Mengen treten vermehrt Unkräuter auf, die weniger empfindlich auf das Gift reagieren. Diese Kräuter profitieren ebenso wie die Soja davon, dass die Wuchskonkurrenz abgetötet wurde.“

Als Reaktion auf die unerwarteten Probleme setzten die Landwirte auf noch mehr Glyphosat und zum Teil auf zusätzliche Herbizide, so Schütte. „Die Sojabohne war Ende der 90er-Jahre die erste Gentechnik-Kulturart, bei der in den USA mehr Pestizide eingesetzt wurden als bei konventionellen Sorten. Anschließend traten dieselben Probleme bei genetisch veränderter Baumwolle auf, inzwischen auch bei Mais. Diese Zahlen beruhen auf Berechnungen, da Vergleichszahlen aus der Praxis fehlen. Sie gibt es nur für Felder ohne Probleme mit resistenten Unkräutern. Diese liefern ein falsches Bild.“

Obwohl das reine Glyphosat nur als augenreizend und damit als relativ harmlos gilt, trifft dies nicht auf die Pflanzenschutzmittel zu, die diesen Wirkstoff enthalten. Bereits Ende der 90er-Jahre zeigten sich Fehlbildungen bei Embryonen von Amphibien. Schütte: „Die Sterblichkeitsrate bei Amphibien war auch bei Konzentrationen, die nach Einsatz des Herbizids im Oberflächengewässer auftreten können, deutlich erhöht.“ Im vergangenen Sommer schlug der argentinische Embryologe Andrés Carrasco Alarm: In vielen Dörfern in Anbaugebieten von Glyphosat-resistenter Soja würden Kinder mit Fehlbildungen geboren. In den betroffenen Gebieten wird deutlich intensiver als in Deutschland gespritzt, oft auch vom Flugzeug aus. Im Labor injizierte Carrasco den Wirkstoff in Hühnereier und Kaulquappen und beobachtete an den Embryonen eine fruchtschädigende Wirkung.

Die argentinischen Laborergebnisse seien nicht auf Säugetiere, geschweige denn auf den Menschen übertragbar, betont das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Aussagefähige Tests würden nach EU-Reglement an Ratten und Kaninchen ausgeführt und das sei sehr umfangreich geschehen, weil verschiedene Hersteller den Unbedenklichkeitsnachweis von Glyphosat zur Zulassung führen mussten. Diese Tests hätten keine Hinweise auf fruchtschädigende Eigenschaften ergeben.

„Nichtsdestotrotz hat es Vergiftungsfälle beim Menschen gegeben, vor allem in Asien“, sagt Lars Niemann, Toxikologe beim BfR. „In Taiwan ist Roundup als Suizidmittel bekannt.“ Ähnliches berichtet die indische Gentechnik-Kritikerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva von Kleinbauern, die in Indien Monsanto-Baumwolle angepflanzt, sich dabei hoch verschuldet und dann mit Pestiziden umgebracht hätten.

Niemann: „Es stellt sich die Frage, wie man sich mit diesem doch harmlosen Wirkstoff vergiften kann. Die Antwort lautet: Die Menschen sterben nicht am reinen Wirkstoff, sondern an den sogenannten Formulierungen, die Beimischungen enthalten.“ Anders als bei anderen Pflanzenschutzmitteln bestimme nicht der Wirkstoff die Giftigkeit des Mittels, sondern die Beistoffe. Besonders kritisch seien Tallowamine, die dazu dienten, dass das Mittel von den Pflanzen aufgenommen wird. „Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit drängt seit Jahren auf einen Austausch. In Deutschland ist dies größtenteils erfolgt.“

In anderen Ländern jedoch nicht. Denn Roundup und andere Glyphosat-haltige Pflanzenschutzmittel sind weltweit in verschiedenen Mixturen auf dem Markt, sodass jedes Land eine eigene Risikobewertung vornehmen muss. Wie die deutsche Einschätzung im Auftrag der EU und deren abschließende Entscheidung ausfallen wird, werde sich erst 2014 zeigen, so Niemann. Unabhängig davon ist bis dahin längst in Brüssel über die Zulassung der Gentech-Pflanzen entschieden worden, die in den Anbauländern außerhalb der EU den Glyphosat-Einsatz forcieren.

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article2176813/Das-grosse-Geschaeft-mit-den-Gen-Pflanzen.html

Gentechnik

Das große Geschäft mit den Gen-Pflanzen

02.02.2012, 06:48 Uhr Angelika Hillmer
Spezialzüchtungen sind resistent gegen Unkrautgifte. Unternehmen verdienen so doppelt. Wissenschaftler warnen vor Gesundheitsschäden

Das Mittel passend zur Pflanze: Herbizideinsatz mit Roundup Ultra auf einem Feld mit gentechnisch veränderten, herbizidresistenten Sojabohnen von Monsanto (USA)
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Brüssel/Hamburg. Gut 70 Prozent der weltweit kultivierten Sojabohnen stammen aus Gentech-Laboren, in den USA sind es sogar 94 Prozent. Ein Teil der Ernte landet als Futter- oder Lebensmittel in Europa. Gleich vier Gentech-Sorten warten derzeit auf eine EU-Zulassung aus Brüssel, über die die Kommission in den kommenden Wochen entscheiden wird. Zwei davon stehen indirekt sogar doppelt auf dem Prüfstand: Diese Bohnen sind resistent gegen das umstrittene Unkrautgift Glyphosat, dessen EU-Zulassung ausläuft. Hier ist eine Neubewertung nötig, die unter deutscher Federführung in diesem Jahr erarbeitet werden soll.

Der US-Konzern Monsanto hat Glyphosat entwickelt und vermarktet es seit 1974 unter dem Namen Roundup. Es ist ein sogenanntes Breitbandherbizid, das fast alles tötet, was grüne Blätter trägt. Die Substanz hemmt in den Pflanzen die Synthese einiger lebenswichtiger Aminosäuren, die bei Tieren und Menschen nicht vorkommen. Gerade weil die Wirkweise auf die Flora begrenzt ist, wird der Wirkstoff allgemein für weniger gefährlich gehalten als andere Unkrautvertilger. So wurde Glyphosat zum weltweit meist eingesetzten Spritzmittel, in konventionellen wie in Gentechnik-Kulturen.

Die dominante Eigenschaft, die Sojabohnen im Labor eingepflanzt wurde, ist die Herbizidresistenz, also die Unempfindlichkeit gegenüber einem bestimmten Unkrautgift. Die Agrarkonzerne profitieren von solchen Gewächsen doppelt: Sie setzen ihr Saatgut ab und gleichzeitig das dazu passende Herbizid. Gentech-Sorten aus dem Hause Monsanto werden mit den Buchstaben RR für Roundup Ready (für Roundup geeignet) bezeichnet und sind neben Soja auch als Mais- und Baumwollsorten massenhaft im Geschäft.

+++30 Jahre Grüne Gentechnik+++

+++Deutsche Froscher machen sich vom Acker+++

Über eine RR-Sojasorte wird jetzt in Brüssel entschieden: MON-40-3-2 ist bereits in Europa zugelassen, nur muss jetzt die Genehmigung, die Bohne als Lebens- oder Futtermittel in der EU zu verkaufen, nach zehn Jahren erneuert werden. Deshalb absolvierte die Sorte eine neue Prüfrunde unter inzwischen verschärften Kriterien. Dazu gesellen sich eine zweite Sorte mit eingebauter Glyphosat-Resistenz (die Soja-356043 vom Hersteller DuPontPioneer) sowie A5547-127 von Bayer CropScience, die das Spritzmittel Glufosinat verträgt, und MON 87701, die ihr Insektengift (Bt) selbst produziert.

Bei allen vier Sorten befand die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, dass sie genauso sicher seien wie konventionellen Pflanzen. Dennoch mehren sich kritische Stimmen, gerade in Hinblick auf das Glyphosat. Denn der Wirkstoff wird in Zusammenhang gebracht mit Schäden bei Amphibien, Problemen mit Unkräutern, die das Gift leidlich vertragen, und sogar Gesundheitsschäden bei Menschen.

Gerade in gegen dieses Herbizid resistenten Kulturen werde Glyphosat intensiv angewendet, sagt Dr. Gesine Schütte vom Forschungsschwerpunkt BIOGUM (Biotechnologie, Gesellschaft, Umwelt) der Universität Hamburg. „Die Landwirte, die etwa RR-Soja pflanzen, haben sich anfangs komplett auf Roundup und andere glyphosathaltige Herbizide verlassen. Durch den regelmäßigen Einsatz großer Mengen treten vermehrt Unkräuter auf, die weniger empfindlich auf das Gift reagieren. Diese Kräuter profitieren ebenso wie die Soja davon, dass die Wuchskonkurrenz abgetötet wurde.“

Als Reaktion auf die unerwarteten Probleme setzten die Landwirte auf noch mehr Glyphosat und zum Teil auf zusätzliche Herbizide, so Schütte. „Die Sojabohne war Ende der 90er-Jahre die erste Gentechnik-Kulturart, bei der in den USA mehr Pestizide eingesetzt wurden als bei konventionellen Sorten. Anschließend traten dieselben Probleme bei genetisch veränderter Baumwolle auf, inzwischen auch bei Mais. Diese Zahlen beruhen auf Berechnungen, da Vergleichszahlen aus der Praxis fehlen. Sie gibt es nur für Felder ohne Probleme mit resistenten Unkräutern. Diese liefern ein falsches Bild.“

Obwohl das reine Glyphosat nur als augenreizend und damit als relativ harmlos gilt, trifft dies nicht auf die Pflanzenschutzmittel zu, die diesen Wirkstoff enthalten. Bereits Ende der 90er-Jahre zeigten sich Fehlbildungen bei Embryonen von Amphibien. Schütte: „Die Sterblichkeitsrate bei Amphibien war auch bei Konzentrationen, die nach Einsatz des Herbizids im Oberflächengewässer auftreten können, deutlich erhöht.“ Im vergangenen Sommer schlug der argentinische Embryologe Andrés Carrasco Alarm: In vielen Dörfern in Anbaugebieten von Glyphosat-resistenter Soja würden Kinder mit Fehlbildungen geboren. In den betroffenen Gebieten wird deutlich intensiver als in Deutschland gespritzt, oft auch vom Flugzeug aus. Im Labor injizierte Carrasco den Wirkstoff in Hühnereier und Kaulquappen und beobachtete an den Embryonen eine fruchtschädigende Wirkung.

Die argentinischen Laborergebnisse seien nicht auf Säugetiere, geschweige denn auf den Menschen übertragbar, betont das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Aussagefähige Tests würden nach EU-Reglement an Ratten und Kaninchen ausgeführt und das sei sehr umfangreich geschehen, weil verschiedene Hersteller den Unbedenklichkeitsnachweis von Glyphosat zur Zulassung führen mussten. Diese Tests hätten keine Hinweise auf fruchtschädigende Eigenschaften ergeben.

„Nichtsdestotrotz hat es Vergiftungsfälle beim Menschen gegeben, vor allem in Asien“, sagt Lars Niemann, Toxikologe beim BfR. „In Taiwan ist Roundup als Suizidmittel bekannt.“ Ähnliches berichtet die indische Gentechnik-Kritikerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva von Kleinbauern, die in Indien Monsanto-Baumwolle angepflanzt, sich dabei hoch verschuldet und dann mit Pestiziden umgebracht hätten.

Niemann: „Es stellt sich die Frage, wie man sich mit diesem doch harmlosen Wirkstoff vergiften kann. Die Antwort lautet: Die Menschen sterben nicht am reinen Wirkstoff, sondern an den sogenannten Formulierungen, die Beimischungen enthalten.“ Anders als bei anderen Pflanzenschutzmitteln bestimme nicht der Wirkstoff die Giftigkeit des Mittels, sondern die Beistoffe. Besonders kritisch seien Tallowamine, die dazu dienten, dass das Mittel von den Pflanzen aufgenommen wird. „Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit drängt seit Jahren auf einen Austausch. In Deutschland ist dies größtenteils erfolgt.“

In anderen Ländern jedoch nicht. Denn Roundup und andere Glyphosat-haltige Pflanzenschutzmittel sind weltweit in verschiedenen Mixturen auf dem Markt, sodass jedes Land eine eigene Risikobewertung vornehmen muss. Wie die deutsche Einschätzung im Auftrag der EU und deren abschließende Entscheidung ausfallen wird, werde sich erst 2014 zeigen, so Niemann. Unabhängig davon ist bis dahin längst in Brüssel über die Zulassung der Gentech-Pflanzen entschieden worden, die in den Anbauländern außerhalb der EU den Glyphosat-Einsatz forcieren.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/starnberg-bienenzucht-ist-kein-honigschlecken-1.1274350

Starnberg Bienenzucht ist kein Honigschlecken
02.02.2012, 17:59
Von Armin Greune
Die Imker fordern schärfere Kontrollen ihrer Produkte und mehr Geld für die Forschung.

Es gibt Nutztierhalter, die sich schärfere Kontrollen für die von ihnen produzierten Lebensmittel wünschen: Die Bienenzüchter sind so ein seltsames Völkchen. Im jüngsten Starnberger Imkergespräch wurde mehrmals an die zahlreich vertretenen Agrarpolitiker appelliert, die technische Ausstattung an Instituten zu verbessern, damit dort umfangreichere Rückstandsuntersuchungen an Honig erfolgen können. Bislang seien die Wissenschaftler an der Universität Hohenheim „nur in der Lage, Varroazide und ein paar gängige Pflanzenschutzmittel nachzuweisen“, sagte Hubert Dietrich, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Starnberg und Initiator des Gesprächs. Aus seiner Sicht bräuchte man aber auch beispielsweise Informationen darüber, inwieweit sich Spuren wie Maisbeizmittel und gentechnisch veränderter Pollen im Honig finden oder welche Pestizid-Rückstände die Bienenlarven im Pollen zu sich nehmen. Dass Bienen ein wichtiger Indikator für die Ausbreitung von Umweltgiften und grüner Gentechnik sind, hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt. 2008 verursachte ein Massensterben von Bienenvölkern im Rheintal und im Fünfseenland Aufsehen. Verantwortlich war ein beim Beizen von Mais-Saatgut verwendetes Nervengift namens Chlothianidin: Seitdem sind acht Pflanzenschutzmittel für diesen Zweck nicht mehr zugelassen. Und im September vergangenen Jahres fällte der Europäische Gerichtshof ein weitreichendes Urteil: Danach dürfen Honig und andere Lebensmittel, die auch nur geringste Rückstände von Gen-Pflanzen enthalten, nur nach vorheriger Prüfung und Zulassung in den Handel. Schließlich haben auch die immer wiederkehrenden Meldungen über ein globales Bienensterben die Öffentlichkeit aufgeschreckt: Fehlen die Bienen als Bestäuber, könnten ganze Agrarzweige binnen weniger Jahre ruiniert sein, und unsere Naturlandschaft würde dramatisch verarmen. Selbst Wirtschaftsanalysten großer Banken befassen sich daher mit dem Bienensterben. Wie ernst die Imker und ihre Anliegen mittlerweile von der Politik genommen werden, zeigte die Präsenz beim 4. Starnberger Imker-Gespräch: Sämtliche Landtagsfraktionen waren mit kompetenten Abgeordneten aus dem Ausschüssen Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beziehungsweise Umwelt und Gesundheit in Starnberg vertreten: Gudrun Brendel-Fischer (CSU), Maria Noichl (SPD), Tobias Thalhammer (FDP), Anne Franke (Grüne) und Ulrike Müller (Freie Wähler). Dazu kamen noch die Bezirkstagabgeordneten Harald Schwab (CSU) und Sigrid Friedl-Lausenmeyer (FDP). Wenngleich die Agrarpolitiker rege an den Diskussionen teilnahmen – als Referenten hatten in Starnberg die Imker und ihre Fachberater das Wort. So berichtete Stefan Berg vom Fachzentrum Bienen an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau über neue Erkenntnisse bei der Bekämpfung der Varroa-Milbe und die Gefahren eines neu zugelassenen Chlothianidin-Präparats. Dietrich sprach auf der bayernweit einzigartigen Veranstaltung selbst über die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Bienengesundheit: Noch immer sei ungeklärt, wie Bienenlarven auf Pestizid-Spuren in ihrer Hauptnahrungsquelle Pollen reagieren. „Wir fordern mehr Unterstützung durch die Forschung, dazu müssten die Landesämter und Untersuchungsstellen aufgerüstet werden“, meinte Dietrich. „Wir sollten sicher stellen, dass man Reste von Pflanzenschutzmitteln auch aufspüren kann, bevor sie zugelassen werden.“ Selbst über die Finanzierung so einer Projektförderung haben er und seine Imkerkollegen sich bereits Gedanken gemacht: Sie regen an, die Bezirksregierungen sollten dafür künftig fünf Euro pro Einwohner aufwenden. Bisher stellen nur einige Regierungsbezirke Mittel für die Projektförderung bereit: In Oberbayern etwa sind das jährlich 14 000 Euro.

http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/allensbach/Gruenen-Abgeordnete-warnen-vor-Gentechnik;art372433,5351729

02.02.2012 

Grünen-Abgeordnete warnen vor Gentechnik
Die meisten Verbraucher wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel. Bei Gemüse aus Deutschland können sie wohl sicher sein, bei tierischen Produkten keineswegs. Das war die Quintessenz einer Informationsveranstaltung in Allensbach.

Die Grünen-Abgeordneten Siegfried Lehmann Links) und Martin Hahn informierten in Allensbach über das Thema Gentechnik.
Zoch
– Der Einsatz der Gentechnik in der Lebensmittelherstellung ist seit Jahren umstritten. Die Zahl der Gegner, die die noch viel zu wenig erforschten möglichen Risiken monieren, ist gewachsen. Doch in den USA und einigen anderen Ländern werden großflächig vor allem gentechnisch veränderte Pflanzen wie Soja, Mais, Raps, Reis oder Zuckerrüben angebaut. Zwischen Optimismus und Verunsicherung schwankte denn auch die Stimmungslage bei der Infoveranstaltung der Bunten Liste (BL) im Vereinsheim mit den Grünen-Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann (Wahlkreis Konstanz-Radolfzell) und Martin Hahn (Bodenseekreis). Rund 30 besorgte Bürgerinnen und Bürger sowie Landwirte – auch aus anderen Orten – waren gekommen.
„Es ist ein Experiment an der Menschheit“, sagte Lehmann. Immerhin habe man diese „Fehlentwicklung“ in Deutschland weitgehend begriffen. Vor einigen Jahren noch wurden flächendeckend regulär oder versuchsweise gentechnisch manipulierte Pflanzen angebaut, 2010 und 2011 wurde das drastisch reduziert. Wohl aufgrund der öffentlichen Diskussion und der mangelnden Akzeptanz durch die Verbraucher. Doch die veränderten Gene der Nutzpflanzen, die gegen Krankheiten oder Schädlinge schützen sollen, haben sich nachweislich teils bereits auf verwandte Wildpflanzen übertragen. Dies merkte auch ein Besucher aus Meßkirch an. Immerhin: Bei Gemüse aus der Region (und generell aus Deutschland) könne man davon ausgehen, dass es gentechnisch nicht verändert sei. Bei solchen direkt erzeugten Produkten gebe es auch eine Deklarationspflicht, erklärte Lehmann auf Nachfrage einer Bürgerin. BL-Sprecherin Christiane Werner empfahl zudem einen Greenpeace-Ratgeber zu gentechnikfreiem Essen.
Das Hauptproblem seien aber hierzulande – neben eventuell verunreinigtem Saatgut – tierische Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier, so Lehmann und Hahn, weil es für Futtermittel keine Deklarationspflicht gebe. Die Grün-Rote Landesregierung wolle deshalb verstärkt werben für ein gentechnikfreies Baden-Württemberg, was wegen der Vorgaben der EU nicht per Gesetz gehe, sondern nur über Regionen, so Hahn: „Dazu braucht man die Akteure vor Ort.“ Kommunen, Landkreise, Produzenten und der Handel müssten sich zu einer gentechnikfreien Produktion bekennen.
Im Kreistag und Konstanz wurde das vor Jahren diskutiert, aber nicht gemacht. Die Reichenauer Gemüse-eG und die Gemeinde formulierten 2011 eine entsprechende Absichtserklärung. In Allensbach sei das Thema angesprochen worden, als der Kreistag sich damit befasste, so Bürgermeister Helmut Kennerknecht. Solchen Anbau habe es hier aber eh nie gegeben.
Die Grünen-Abgeordneten meinten immerhin, man sei auf einem guten Weg. Und sie forderten alle Gentechnik-Gegner auf, am 26. April entsprechend Stimmung zu machen: Dann treffen sich alle deutschen Agrarminister in Konstanz.
Die meisten Verbraucher wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel. Bei Gemüse aus Deutschland können sie wohl sicher sein, bei tierischen Produkten keineswegs. Das war die Quintessenz einer Informationsveranstaltung in Allensbach.

Die Grünen-Abgeordneten Siegfried Lehmann Links) und Martin Hahn informierten in Allensbach über das Thema Gentechnik.
Zoch
– Der Einsatz der Gentechnik in der Lebensmittelherstellung ist seit Jahren umstritten. Die Zahl der Gegner, die die noch viel zu wenig erforschten möglichen Risiken monieren, ist gewachsen. Doch in den USA und einigen anderen Ländern werden großflächig vor allem gentechnisch veränderte Pflanzen wie Soja, Mais, Raps, Reis oder Zuckerrüben angebaut. Zwischen Optimismus und Verunsicherung schwankte denn auch die Stimmungslage bei der Infoveranstaltung der Bunten Liste (BL) im Vereinsheim mit den Grünen-Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann (Wahlkreis Konstanz-Radolfzell) und Martin Hahn (Bodenseekreis). Rund 30 besorgte Bürgerinnen und Bürger sowie Landwirte – auch aus anderen Orten – waren gekommen.
„Es ist ein Experiment an der Menschheit“, sagte Lehmann. Immerhin habe man diese „Fehlentwicklung“ in Deutschland weitgehend begriffen. Vor einigen Jahren noch wurden flächendeckend regulär oder versuchsweise gentechnisch manipulierte Pflanzen angebaut, 2010 und 2011 wurde das drastisch reduziert. Wohl aufgrund der öffentlichen Diskussion und der mangelnden Akzeptanz durch die Verbraucher. Doch die veränderten Gene der Nutzpflanzen, die gegen Krankheiten oder Schädlinge schützen sollen, haben sich nachweislich teils bereits auf verwandte Wildpflanzen übertragen. Dies merkte auch ein Besucher aus Meßkirch an. Immerhin: Bei Gemüse aus der Region (und generell aus Deutschland) könne man davon ausgehen, dass es gentechnisch nicht verändert sei. Bei solchen direkt erzeugten Produkten gebe es auch eine Deklarationspflicht, erklärte Lehmann auf Nachfrage einer Bürgerin. BL-Sprecherin Christiane Werner empfahl zudem einen Greenpeace-Ratgeber zu gentechnikfreiem Essen.
Das Hauptproblem seien aber hierzulande – neben eventuell verunreinigtem Saatgut – tierische Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier, so Lehmann und Hahn, weil es für Futtermittel keine Deklarationspflicht gebe. Die Grün-Rote Landesregierung wolle deshalb verstärkt werben für ein gentechnikfreies Baden-Württemberg, was wegen der Vorgaben der EU nicht per Gesetz gehe, sondern nur über Regionen, so Hahn: „Dazu braucht man die Akteure vor Ort.“ Kommunen, Landkreise, Produzenten und der Handel müssten sich zu einer gentechnikfreien Produktion bekennen.
Im Kreistag und Konstanz wurde das vor Jahren diskutiert, aber nicht gemacht. Die Reichenauer Gemüse-eG und die Gemeinde formulierten 2011 eine entsprechende Absichtserklärung. In Allensbach sei das Thema angesprochen worden, als der Kreistag sich damit befasste, so Bürgermeister Helmut Kennerknecht. Solchen Anbau habe es hier aber eh nie gegeben.

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12269386/61469/Experte-Christoph-Potthoff-berichtete-ueber-die-aktuelle-Entwicklung.html

02.02.2012
Bäuerliches Bündnis gegen Gentechnik

Experte Christoph Potthoff berichtete über die aktuelle Entwicklung im Bereich der Landwirtschaft / Südamerikanische Rinderzucht als Negativbeispiel

BAD WILSNACK – Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, mag es vielleicht nicht glauben: In erstaunlicher Eintracht saßen gestern Naturschützer und Landwirte beieinander – wobei auch Letztere oft weit davon entfernt sind, eine homogene Gruppe zu bilden.

Im Deutschen Hof in Bad Wilsnack jedenfalls trafen sich Geschäftsführer von großen Agrargenossenschaften wie kleineren Familienbetrieben. Das Gros der Gäste gehört dem Bündnis für eine gentechnisch freie Prignitz an. Mit 36 000 Hektar gentechnikfreier Fläche stellt es den größten Zusammenschluss in Ostdeutschland dar. Wie die Initiatoren Bernd Teigner aus Gumtow und Reinhard Jung aus Lennewitz gestern stolz bekanntgaben, handelt es sich dabei reinweg um Agrarflächen. Bei der Akquise der Flächen seien ihm die Landwirte mit großer Offenheit begegnet, berichtete Jung. Egal wie jeder einzelne seinen Hof bewirtschafte, alle Mitglieder des Bündnisses treibe die gemeinsame Sorge um, dass Chemiekonzerne Patente auf Pflanzen und Tiere erwerben.

Um über neue Entwicklungen in Sachen Gentechnik aufzuklären, hatten Teigner und Jung einen Experten aus Berlin eingeladen. Christoph Potthoff gehört dem „Gen-ethischen Netzwerk“ an, das sich kritisch mit dem Einsatz von Gentechnik in der Nahrung und im landwirtschaftlichen Anbau befasst. „Er ist zwar Naturschützer, aber ein guter Mann“, stellte Jung den ihn vor. Laut Potthoff ist an den Europäischen Rat der Vorschlag herangetragen worden, den Regionen eine größere Entscheidungsbefugnis zuzubilligen, was die Zulassung von Pflanzen betrifft. Für Kritiker der Gentechnik berge dies einerseits eine Chance, größeren Einfluss auszuüben. Doch derzeit zeichne sich noch keine generelle Linie ab. Wenn die EU von Regionen spreche, seien auf Deutschland bezogen die Bundesländer gemeint und auf dieser Ebene gebe es keinen Konsens. Während sich Thüringen und auch Nordrhein-Westfalen zu gentechnikfreien Regionen zusammengeschlossen hätten, lehne Brandenburg eine Mitgliedschaft ab. Es sei zudem unklar, ob und wann darüber entschieden werde.

Während Potthoff das Verbot der genmanipulierten Maissorte Mon 810 als positives Ereignis wertete, wies er andererseits auf weniger erfreuliche Entwicklungen hin. Da die Chemiekonzerne inzwischen gentechnisch veränderte Pflanzen und Herbizide im Doppelpack anbieten würden, sinke die Hemmschwelle, Letztere in großem Ausmaß auszubringen. Insbesondere in Südamerika sei zu beobachten, dass das massenhafte Ausbringen des Wirkstoffes Glyphosat zu erheblichen Vergiftungserscheinungen bei Mensch und Tier führe. Frühgeburten und Organschäden seien die Folge.

Landwirt Ulf Oestreicher aus Abbendorf merkte kritisch an, dass es heutzutage kaum mehr möglich sei, guten Gewissens ein argentinisches Rindersteak zu essen. Schließlich müsse man befürchten, dass die Tiere mit manipuliertem Soja gefüttert würden. Potthoff nannte dies „ein Superbeispiel“ dafür, wie sich eine landwirtschaftliche Produktion zu ihrem Nachteil verändern könne. Ursprünglich habe das argentinische Steak aufgrund der guten Futterbedingungen der Rinder einen exzellenten Ruf genossen. Schließlich hätten die Tiere früher in der weite Gras- und Weidelandschaft Südamerikas grasen können. Inzwischen herrsche aufgrund der größeren Nachfrage auch ein größerer Druck, mehr Rinder aufzuziehen. Im Ergebnis würden die Tiere nicht mehr extensiv und artgerecht gehalten, sondern als Absetzer mit Soja gemästet.

Zum Abschluss flammte kurz die Debatte auf, ob das Ergebnis gentechnischer Veränderung nicht gleichzusetzen sei mit dem konventioneller Züchtungen. Andreas Kiekback aus Pritzwalk verfocht die These. Er sprach sich gegen ein generelles „Verteufeln der Gentechnik“ aus. Das einzige Risiko bestehe darin, dass ein Landwirt zahlen müsse, wenn sein Nachbar patentrechtlich geschützte Pflanzen anbaue und die Pollen das eigene Feld bestäuben. (Von Dorothea von Dahlen)

http://www.s-o-z.de/?p=61521

Wachsende Zweifel an Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen

2. Februar 2012
Monsantos Daten entsprechen nicht den wissenschaftlichen Standards

Foto: Petra Jung/SaarKurier

Brüssel – In einem gemeinsamen Schreiben an EU-Kommissar Dalli legen Testbiotech und GeneWatch (UK) neue Belege dafür vor, dass die derzeitige Risikobewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA nicht ausreichend ist. Dies ist das Ergebnis einer Analyse der Originaldokumente, die Monsanto für die Risikoprüfung des gentechnisch veränderten Maises Genuity VT Triple PRO eingereicht hat. Sie zeigt, dass wichtige Unterlagen nicht die üblichen wissenschaftlichen Standards (Good Laboratory Practice, GLP) erfüllen. Dies gibt Monsanto in dem Bericht über mögliche Kombinations­wirkungen verschiedener Insektengifte, die in den Pflanzen produziert werden, sogar selbst zu: „Es bestand nicht die Absicht, diese Untersuchung in Übereinstimmung mit den Standards der Good Laboratory Practice (GLP) durchzuführen.” Trotzdem wurden die Daten von der EFSA akzeptiert und der gentechnisch veränderte Mais als sicher bewertet.

„Die EU schreibt in ihrer Verordnung ‚eine den höchstmöglichen Anforderungen standhaltende wissenschaftliche Bewertung’ vor. Dennoch akzeptierte die EFSA Daten zur Risikobewertung dieses zweifelhaften Produktes, die für keine wissenschaftliche Publikation ausgereicht hätten“, sagt Helen Wallace von GeneWatch (UK). „Das heißt: Die derzeitige Praxis der EFSA entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen.“

Die genaue Analyse der Prüfberichte wurde durchgeführt, nachdem die EU-Kommission eine offizielle Beschwerde von GeneWatch (UK) und Testbiotech gegen die Marktzulassung des Monsanto-Maises zurückgewiesen hatte. Der strittige Mais, auch unter dem Namen SynthiToxStax-Mais bekannt, ist eine Kombination aus zwei verschiedenen gentechnisch veränderten Pflanzen: MON89034X und MON88017. Die EU-Kommission ist der Auffassung, dass die Risikobewertung in Übereinstimmung mit den Bestimmungen der EU erfolgte.

Die tabellarische Übersicht, die heute an die EU-Kommission verschickt wird, zeigt jedoch das Gegenteil. Sie dokumentiert auch, dass sogar nach Äußerungen von EFSA Experten die derzeitige Risikobewertung auf einem fragwürdigen Konzept beruht: Die Überprüfung der „wesentlichen Gleichwertigkeit“ baut auf einem Vergleich gentechnisch veränderter Pflanzen und konventionell gezüchteter Pflanzen auf. Dieser Vergleich ist die Grundlage der EFSA-Prüfung. Wie jedoch die Äußerung eines führenden Experten des Gentechnik Gremiums der EFSA, Joe Perry, zeigt, ist dieser Vergleich wissenschaftlich schon deswegen nicht tragfähig, weil die EFSA dafür auch die die Verwendung der Daten des International Life Science Institute (ILSI) zulässt. In einer öffentlichen Anhörung der EFSA im März 2011 sagte Joe Perry: „Derzeit können wir der Datenbank von ILSI nicht trauen.“ Ausgerechnet die Angaben aus dieser Datenbank zog Monsanto dazu heran, die Sicherheit ihres SynthiToxStax-Mais zu belegen. ILSI ist bekannt für seine enge Verbindungen zur Agrogentechnikindustrie.

„Während inzwischen sogar Stellungnahmen von Experten der EFSA zeigen, dass die derzeitige Risikobewertung durch ihre Behörde nicht ausreichend ist, verteidigt die EU-Kommission immer noch die Prüfberichte der EFSA. In welchem Interesse handelt die Kommission da eigentlich?“, fragt Christoph Then von Testbiotech.

Der Mais, der in den USA unter dem Markennamen „Genuity VT Triple PRO Corn” verkauft wird, ist am 17. Juni 2011 von der Europäischen Kommission als Lebens- und Futtermittel zugelassen worden. Der gentechnisch manipulierte Mais produziert eine Mischung aus drei verschiedenen Insektengiften, von denen eines künstlich synthetisiert wurde. Zudem sind die Pflanzen unempfindlich gegenüber dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat (bekannt als Roundup).

Weitere Informationen:

Der gemeinsame Brief an EU Kommissar Dalli von Testbiotech und GeneWatch UK: http://www.testbiotech.de/node/616

Tabelle zur Risikobewertung von SynthiToxStax:http://www.testbiotech.de/node/615

Ursprüngliche Beschwerde von Testbiotech und GeneWatch UK, Juli 2011: http://www.testbiotech.org/node/528

Antwort Dalli, November 2011: http://www.testbiotech.de/node/617

Übersicht über Kritik an neuen Vorschlägen der EU Kommission zur Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen: http://www.testbiotech.org/node/614


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