Bienen

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20111115_OTS0225/kadenbach-bei-bienensterben-endlich-auch-pestizideinsatz-und-gentechnik-kritisch-beleuchten

Kadenbach: Bei Bienensterben endlich auch Pestizideinsatz und Gentechnik kritisch beleuchten

Wien (OTS/SK) – Bei der heutigen Schlussabstimmung im Plenum des
Europäischen Parlaments in Straßburg über die Gesundheit von
Honigbienen und die Herausforderungen für den Bienenzuchtsektor hat
sich die SPÖ-Europaabgeordnete einem alternaiven Entschließungsantrag
angeschlossen, da der Bericht des Chefverhandlers „zu unausgewogen
und angesichts des dramatischen Bienensterbens zu wenig ambitioniert
gestaltet“ war. Karin Kadenbach, Mitglied im Ausschuss für
Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, betont: „Für das
Bienensterben ist ein ganzes Bündel von Ursachen verantwortlich – von
Milben über Artensterben bis Pestizideinsatz. Wir müssen daher auch
alle diese Themen berücksichtigen. Ich bin dagegen, von vornherein
Problemfelder wie grüne Gentechnik oder Pestizideinsatz
auszuklammern.“ Sie ist enttäuscht darüber, dass diese Punkte im
EU-Parlament keine Mehrheit gefunden haben. ****
Die Zahl der Bienenvölker in Europa und Nordamerika ist seit Langem
rückläufig. In den USA sank sie zwischen 1947 und 2005 um 59 Prozent,
in Mitteleuropa zwischen 1985 und 2005 um 25 Prozent. In Österreich
beträgt der Rückgang einzelner Bienenvölker bis zu 30 Prozent. Auch
die wichtige Funktion der Imker ist im Rückgang begriffen. Gab es
1993 österreichweit noch etwa 30.000 Imker, waren es zehn Jahre laut
später Statistik des Österreichischen Imkerbundes nur noch 24.000.
Die am häufigsten gehaltene Honigbienenrasse in Österreich ist die
Carnica – rund 90 Prozent der 400.000 heimischen Bienenvölker zählen
dazu. Die zweithäufigste vorkommende Bienenrasse ist die „Dunkle
Biene“ (sieben Prozent), die besonders in Tirol und Vorarlberg von
Imkern gezüchtet wird. Die restlichen drei Prozent an heimischen
Bienen sind sogenannte Hybridbienen, die aus Rassekreuzungen
hervorgehen.
Kadenbach befürwortet – wie im Entschließungsantrag ausgeführt – mit
Nachdruck eine umsichtige EU-Gesetzgebung und gründliche
wissenschaftliche Risikobewertungen bei genetisch veränderten
Organismen (GVO) und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Sie fordert die
Kommission auf, weitere unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen
zu fördern, die sich mit den Langzeitauswirkungen genetisch
veränderter Kulturpflanzen – insbesondere der über Pollen
verbreiteten Bt-Toxine – auf Honigbienen und Wildbestäuber allgemein
sowie mit der Synergiewirkung zwischen mehreren
Schädlingsbekämpfungsmitteln und zwischen der Exposition gegenüber
Schädlingsbekämpfungsmitteln und bestimmten Krankheiten befassen.
„Wir fordern ein Moratorium für den Anbau genetisch veränderter
Kulturpflanzen, bis in unabhängigen, von einem Fachkollegium
überprüften Studien nachgewiesen wird, dass keine schädlichen
Auswirkungen auf die Gesundheit der Honigbienen vorliegen“, macht die
SPÖ-Umweltpolitikerin klar. (Schluss) gd/mp


http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/23678.html

29.04.2011 | permalink
Imker- und Bauern-Protest bei der Bayer AG
Imker auf Demonstration Planet Diversity Imker demonstrieren für Ihre Rechte.

Imker und Bauern demonstrieren heute bei der Aktionärsversammlung der BAYER AG gegen deren Chemie- und Gentechnik-Geschäfte. Sie wollen die Aktionäre darauf aufmerksam machen, dass der Konzern Verantwortung für die Auswirkungen seiner Produkte auf Bienen und Landwirtschaft übernehmen muss. Denn Pflanzengifte können gefährlich für Bienen sein und gentechnisch veränderte Pflanzen verunreinigen den Honig. Wenn Bienen geschädigt werden, gefährdet das die gesamte Landwirtschaft und insbesondere den Obstanbau. „Nicht nur das gemeinsame Ziel, die gentechnikfreie Land- und Lebensmittelerzeugung zu sichern, eint Bauern und Imker. Wir bilden auch wirtschaftlich eine Gemeinschaft, denn die Bestäubungsleistung der Bienen sichert unsere Ernten und unser Anbau von blühenden Kulturpflanzen dient den Imkern als Bienenweide“, so Bernd Schmitz, stellvertretender AbL-Bundesvorsitzender.

From: „Mellifera Newsletter“ <newsletter@mellifera.de>
Sent: Friday, February 18, 2011 2:54 PM
Subject: aktuelle Seminare +  Erfolg bei EU Gericht + Apisticus Ehrung +
Aktion Vielfalterleben

+++ Last Minute: Seminar Wege zu einer wesensgemäßen Bienenhaltung +++
Samstag 5. – Donnerstag 10. März 2011
Große Tagung mit den Themen: Vermehrung u. Zucht über Schwarmtrieb,
Naturwabenbau, Beuten, Fütterung, Varroatose, Demeter-Bienenhaltung,
Besichtigung von Arbeitsräumen und Bienenständen der Imkerei Fischermühle,
Grundlagen einer spirituell orientierten Arbeit mit Bienen und der Natur.
Proseminar für Neueinsteiger am Samstag, Arbeitsgruppen für erfahrene
Imker&  Anfänger. Mitwirkende: Marco Bindelli, Uli Hampl, Albert Muller,
Norbert Poeplau, Thomas Radetzki u.a.. Kostenloses Sammelquartier. Es sind
noch Plätze frei. Mehr Informationen unter:
http://www.mellifera.de/mellifera/mellifera.termine/mellifera.terminkalender/index.html

+++ Ausbildungsverbund wesensgemäße Bienenhaltung +++
An sechs Samstagen zwischen März/April und Oktober lernt jede/r in einer
kleinen Gruppe, selbst an den Bienen zu arbeiten. Bei erfahrenen
Imkermeistern finden an mehreren Orten zugleich Kurse statt: In Neumünster
bei Hans-Joachim Lehmann, in Kassel bei Michael Reiter, in Wiesbaden bei
Robert Friedrich, an der Fischermühle bei Norbert Poeplau; bei Günter
Friedmann wechselt der Ort des Kurses im Laufe des Sommers zwischen
München&  Heidenheim.
http://www.mellifera.de/mellifera/mellifera.termine/mellifera.termine.2/index.html

+++ Erfolg bei GVO-Mais im Honig vor Europäischem Gerichtshof +++
Am 9. Februar 2011 hat der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes
(EuGH) mit seinen so genannten Schlussanträgen eine wegweisende Empfehlung
für das EuGH-Urteil gegeben. Er hat sehr strenge Maßstäbe angelegt und
bestätigt im Wesentlichen die Rechtsauffassung der klagenden Imker. Nach
Auffassung des Generalanwaltes führen auch geringste Mengen des
Blütenpollens vom gentechnisch veränderten Mais MON810 im Honig dazu, dass
der Honig zu einem gentechnisch veränderten Lebensmittel wird und seine
Verkehrsfähigkeit verliert. Dies entspricht dem Grundsatz der
Null-Toleranz, die aktuell von der EU Kommission und verschiedenen
Lobbygruppen in Frage gestellt wird. Der Verlust der Verkehrsfähigkeit sei
unabhängig davon, ob die Verunreinigung zufällig oder absichtlich
geschieht und davon, ob für diesen Mais eine Anbaugenehmigung vorliegt.
Unabhängig von diesen Fragen sei eben auch das Risiko, welches vom dem
Mais des Konzerns Monsanto ausgehen könne. Mehr dazu, über den Fortgang des Verfahrens und die Folgen für Imker, Landwirte, Lebensmittelwirtschaft
und Verbraucher in der ganzen EU erfahren Sie unter:
http://www.bienen-gentechnik.de/gen/gen.news/news.gen.14/index.html
*Bitte folgen Sie diesem Link auch, um uns bei der Finanzierung der Klagen
zu helfen. Es geht nur gemeinsam!*

+++ Verleihung des Apisticus für die Arbeit von Mellifera e.V. +++
Auf der überregionalen „Apisticus Fachtagung“ in Münster am 12./13.
Februar wurde der „Apisticus“ an Thomas Radetzki verliehen. Mit diesem
Preis werden einmal jährlich besondere Verdienste für die deutsche Imkerei
gewürdigt. Zwei unabhängige Kommissionen erwählten ihn einstimmig aus den
Vorschlägen, die von der Imkerschaft und der Bevölkerung vorgelegt wurden.
Die vielseitige, kreative und konstruktive Arbeit von Mellifera e.V. wurde
in einer Laudatio von Dr. Werner Mühlen in beeindruckender Weise
gewürdigt.
http://www.mellifera.de/mellifera/mellifera.aktuell/news.mellifera.16/index.html

+++ Kampagne Vielfalterleben +++
Am 15. Februar wurde die Kampagne Vielfalt erleben gestartet. Die Firma
Alnatura hat die Initiative ergriffen. Zusammen mit dem BÖLW
(Bundesverband ökologische Lebensmittelwirtschaft) und einer Vielzahl von
Partnern wird eine öffentliche Petition beim Bundestag für eine
Gentechnikfreie Landwirtschaft und Unterschriftenaktion eingerichtet.
Durch die Aussaat des Vielfalterleben-Saatgutes können Sie einen wichtigen
Beitrag für mehr Vielfalt leisten. Der Kauf des Saatgutes unterstützt
unter anderem die Arbeit von Mellifera e.V.. Die Saatgut-Tütchen gibt es
in den Alnatura Märkten sowie in den dm-drogerie Märkten und bei Budni.
Machen Sie mit! Denn Monokulturen, Sorten-Einfalt und Gentechnik sind
bestimmend für die moderne Agrarindustrie. Das bedroht unsere Ökosysteme,
die Vielfalt in der Natur und die Existenz einer nachhaltigen
Landwirtschaft.
http://www.vielfalterleben.info

+++ Dies ist eine Nachricht von Mellifera e.V., Rosenfeld, Fischermühle
+++
Sie erhalten diese Nachricht, weil Sie Ihr Interesse an der Vereinsarbeit
bekundet haben oder unsere Newsletter bestellt haben.
Vorankündigung: Wir richten in den nächsten Monaten eine gänzlich neue
Technik ein, mit der Sie selbst leicht regeln können, welche Nachrichten
der verschiedenen Initiativen von Mellifera e.V. Sie erhalten. Wir werden
Sie dann in einem speziellen Email darum bitten unsere Nachrichten
nochmals aktiv zu abonnieren um unerwünschte Sendungen auszuschließen.
Werden Sie aktiv wenn unsere Anfrage kommt; Sie erhalten sonst keine
weiteren Newsletter mehr.

www.mellifera.de


Herbert Zeilinger
Sonntagshornstraße 16
83371 Stein an der Traun
Telefon/Fax 08621/806249
Mail: zeilinger.herbert@gmx.de

http://www.biologisch.at/Bio-News/Leben/Bienensterben-nimmt-kein-Ende.html

Bienensterben nimmt kein Ende

Giftige Maisbeize in D und I verboten, in Ö nicht! Foto: www.imkereizentrum.at

OÖ. Landesverband für Bienenzucht bittet um Unterstützung im Kampf gegen den Einsatz von Nervengiften, die die heimischen Bienen bedrohen.

Bereits 2008 gab es in Deutschland durch den Einsatz von Neonicotinoiden, das sind Nervengifte,  zur Maisbeizung massive Bienenverluste: 12.500 Bienenvoelker waren geschaedigt (800 Imker betroffen). Dieselbe Situation war in der Po-Ebene zu beobachten mit 50.000 (!) betroffenen Bienenvoelkern und einer regelrechten Flucht der Imker mit ihren Voelkern aus dieser Region.

Daraufhin wurde die Zulassung dieser Mittel in Deutschland und Italien aufgehoben. Auch heuer, 2010, hat es in beiden Laendern keine Zulassung gegeben. Anders in Oesterreich: Da die 2008 aufgetretenen Bienenschaeden nicht wissenschaftlich dokumentiert waren, sah man in Oesterreich leider keine Veranlassung zu einem Verbot.2009 wurden vom Bieneninstitut der AGES alle Verdachtsfaelle untersucht und bestaetigt, dass alle von Imkern beobachteten und gemeldeten Faelle tatsaechlich Vergiftungsschaeden in Zusammenhang mit der Maisbeizung sind. Die Dunkelziffer der nicht erkannten oder nicht gemeldeten Vergiftungsschaeden ist hoch. Es wurden auch in Betrieben ohne Vergiftungsverdacht Bienenbrotproben (Bluetenpollen in Waben eingelagert) gezogen und in 10 von 16 Betrieben (67 Prozent) war eine Belastung durch Beizmittelwirkstoffe nachweisbar. Trotzdem wurden diese Wirkstoffe fuer 2010 neuerlich zugelassen und erfahrungsgemaess wird 50 Prozent des Maissaatgutes damit gebeizt.

Auch heuer kam es in Österreich wieder zu Vergiftungen

Die Vergiftungssituation wiederholte sich 2010 ganz analog. Auch dieses Jahr wurde die Mehrzahl der Verdachtsfaelle bei Bienenvergiftungen positiv bestaetigt. Dies zeigt dass die von der AGES fuer den Anbau verordneten Auflagen nicht ausreichend sind, um eine Vergiftung auszuschliessen.

Die Bienen sind ein hochwirksamer Bio-Indikator: sie zeigen Fehlentwicklungen im Oekosystem unmittelbar auf und weisen auf Probleme mit negativen Folgen fuer die Nahrungsproduktion und die Biodiversitaet in aller Deutlichkeit hin. Ein Umdenken in der Anwendung dieser extrem wirksamen Nervengifte ist hoechst angebracht.Ersuchen an Herrn Bundesminister Berlakovich, die Zulassung dieser Mittel zurückzuziehen: Jetzt unterzeichnen

„Egal was die Bauern machen, sie haben immer Schuld“
Imker Jagersberger spricht in der Interviewserie „Bienensterben“ von Global 2000 über die „Feigheit Entscheidungen abzulegen“ und den Chemiekonzernen, die sich aus der Verantwortung stehlen. Zum Interview


Quellen:

www.imkereizentrum.at
www.global2000.at

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http://genfood.wordpress.com/2008/01/12/weil-die-biene-achtmal-weiter-fliegt/

Weil die Biene achtmal weiter fliegt

Geschrieben von genfood am 12. Januar 2008

Immer mehr Landwirte in der Rhön verzichten auf gentechnisch verändertes Saatgut und Futter
Von Carsten Kallenbach

Rhön – Die Landwirte im Biosphärenreservat Rhön verlängern ihr Moratorium aus dem Jahr 2004 und werden auch in den nächsten drei Jahren auf den Anbau gentechnisch veränderter Organismen verzichten. Mit einer landwirtschaftlichen Fläche von momentan mehr als 60 000 Hektar gehört die Rhön inzwischen zu den größten gentechnikfreien Regionen der Bundesrepublik. Ganz so viel Grund und Boden kann die Region „Zivilcourage Vogelsberg“ nicht aufbringen. Dafür gehen die Bauern hier einen Schritt weiter: Sie verzichten nicht nur auf den Anbau gentechnisch veränderten Saatguts, sondern lehnen auch gentechnisch manipulierte Futtermittel ab.

Hunderte Landwirte vereint

Die Anbauzone „Biosphärenreservat Rhön“ vereint Hunderte Landwirte aus Thüringen, Hessen und Bayern. 2004 hatten sich die Kreisbauernverbände aus Fulda (Hessen), Rhön-Grabfeld und Bad Neustadt (Bayern) sowie aus dem Wartburgkreis und dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen (Thüringen) an die Spitze der Bestrebungen gestellt, eine gentechnikfreie Region auszurufen.

„Die Rahmenbedingungen, sich erneut für eine gentechnikfreie Anbauzone einzusetzen, haben sich nicht geändert. Im Gegenteil: Auf die Landwirte hat der Druck seitens der Saatgutkonzerne eher noch zugenommen, und keine der Befürchtungen, die es gibt, wenn man gentechnisch veränderte Organismen anbaut, konnte bisher entkräftet werden“, sagt der Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön in Oberelsbach, Regierungsdirektor Michael Geier. Er wendet sich vor allem gegen die Verharmlosung von genmanipulierten Pflanzen. „Als die ersten Funde der amerikanischen Ambrosia auftauchten, einer Pflanze, die dem Beifuß zum Verwechseln ähnlich sieht, hieß es, dass von ihr keine Gefahr ausgeht. Heute ist in Hinsicht auf diese Pflanze nichts mehr unter Kontrolle. Sie hat bei uns keine natürlichen Feinde und verbreitet sich überall. Inzwischen weiß man, dass ihr Pollen einer der stärksten natürlichen Allergieauslöser ist. Auch bei der grünen Gentechnik hören wir immer wieder, dass alles unter Kontrolle ist. Die Natur arbeitet da aber wie das Wasser: Es findet jede Ritze, um irgendwo hinzukommen“, warnt Geier.

Für Geier ist die Verlängerung des Moratoriums mehr als eine Abwehrhaltung. „Wir positionieren uns damit als ganze Region. Und das ist eine Position, die zu uns als Rhön mit einer intakten Kulturlandschaft passt.“

Ein Drittel aller bayerischen Rhön-Betriebe hatte vor drei Jahren das Moratorium unterzeichnet. Damit galt eine Fläche von 17 824 Hektar als gentechnikfrei. Jetzt wurden die Landwirte wieder angeschrieben, ob sie auch für die nächsten drei Jahre freiwillig Nein zur Gentechnik sagen. „Und das werden sie tun, da bin ich sicher. Es gibt sogar Anzeichen, dass sich noch wesentlich mehr als 2004 unserer Bewegung anschließen“, meint Geier.

Im hessischen Landkreis Fulda hatten sich bislang 441 Haupt- und Nebenerwerbslandwirte am Moratorium beteiligt. Das entsprach einer Fläche von rund 14 000 Hektar. Bereits Ende November 2007 war diese Zahl auf 557 Betriebe gestiegen, die als gentechnikfrei geltende landwirtschaftliche Fläche damit auf fast 23 000 Hektar. „Das entspricht rund 40 Prozent. Unser Ziel liegt bei mehr als 50 Prozent, und ich bin optimistisch, dass wir das erreichen“, erklärt Eugen Sauer vom Fachdienst Landwirtschaft beim Landkreis Fulda. Auch er sagt, dass es in der Zwischenzeit keinerlei Erkenntniszuwachs gegeben habe, was die Risiken oder Chancen der grünen Gentechnik betrifft. Aus Sicht von Eugen Sauer ist der Hauptgrund für die Landwirte, sich vorerst gegen verändertes Saatgut zu wenden, die Frage der Haftung. Danach kommen eventuelle gesundheitliche Risiken und das Risiko, die Artenvielfalt zu beeinträchtigen.

Die Initiative will vor allem die Haupterwerbslandwirte überzeugen. Für Nebenerwerbslandwirte mit teils weniger als zehn Hektar Fläche seien gentechnisch veränderte Pflanzen ohnehin nicht lukrativ. Im Landkreis Fulda haben sich jetzt Landrat Bernd Woide, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Lothar Röder und Kreislandwirt Matthias Bug an die Spitze der Bewegung gestellt. Das ist für andere Landkreise außerhalb der Rhön nicht selbstverständlich.

In Thüringen hatten sich vor drei Jahren lediglich zehn Betriebe der Anbauregion angeschlossen. Doch aufgrund der großen Agrarstrukturen kam mit ihnen problemlos ein Drittel der insgesamt 60 000 Hektar zusammen. „Es ist eine lohnenswerte Sache, sich gegen die grüne Gentechnik einzusetzen. Deshalb muss diese Bewegung weitergehen“, sagt der Geschäftsführer der Landschaftspflege-Agrarhöfe Kaltensundheim, Dr. Aribert Bach. Sein ökologisch wirtschaftender Betrieb darf ohnehin weder gentechnisch verändertes Saatgut anbauen noch derartiges Futter verwenden. „Aus meiner Sicht und auch aus der vieler konventionell wirtschaftenden Landwirte stellt uns die Natur so viel Genmaterial zur Verfügung, dass wir das manipulierte gar nicht brauchen. Zweitens begeben sich Landwirte, die gentechnisch verändertes Saatgut anbauen, in eine vollständige Abhängigkeit weniger Saatgutkonzerne und der mit ihnen arbeitenden Pflanzenschutzmittelhersteller.“ Und: „Wenn der erste Skandal mit der grünen Gentechnik passiert, dann wird das wieder alleine auf dem Rücken des Landwirts ausgetragen – so wie es bei BSE gewesen ist.“ Letztlich entscheide jedoch der Verbraucher, wohin der weitere Weg führt.

Thüringen, ein weißer Fleck?

In der Bundesrepublik gibt es laut Statistik des BUND momentan 173 ausgewiesene gentechnikfreie Regionen und Initiativen mit rund einer Million Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. In Wirklichkeit liegt die Zahl höher. In Thüringen werden alleine 30 000 Hektar so bewirtschaftet. „Allerdings gelten wir nicht als gentechnikfreie Region, weil die Flächen nicht zusammenhängen. Wir haben zwar deutlich mehr Fläche als im hessischen oder bayerischen Teil des Biosphärenreservates, aber eben aufgrund der Struktur große Lücken dazwischen“, nennt Dr. Frank Augsten vom „Aktionsbündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen“ ein Definitionsproblem, das sich die Gegner der Gentechnik selbst auferlegt haben. Daher erscheint Thüringen als weißer Fleck auf der Übersichtskarte. Bayern wirbt dagegen mit 42 Regionen und Initiativen; Baden-Württemberg mit 24.

Eine Art deutschen Vorbildcharakter trägt die Region „Zivilcourage Vogelsberg“, die sich inzwischen über zwölf Dörfer und Städtchen des hessischen Vogelsbergkreises erstreckt und 52 Initiativen mit 182 Landwirten vereint. Momentan gelten hier 11 295 Hektar als gentechnikfrei. Der Vorbildcharakter der „Zivilcourage“ liegt in seinem konsequenten Nein gegen die grüne Gentechnik, das den Verzicht auf gentechnisch manipulierte Futtermittel einschließt. Im März 2007 wurde eine Einkaufsgemeinschaft gegründet. Mit 3850 Tonnen Futter ist sie binnen eines Dreivierteljahres zu einer der größten Einkaufsgemeinschaften dieser Art in der Bundesrepublik geworden. „Mittlerweile fragen bei uns auch Landwirte aus der Rhön und aus der Region Kassel gentechnikfreies Futter nach“, sagt Landwirt Dr. Peter Hamel aus Storndorf. Er war der Erste, der vor zwei Jahren eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnete, komplett auf Gentechnik zu verzichten.

Der Auslöser war ein Patentanspruch für Schweine seitens des amerikanischen Monsanto-Konzerns, der weltweit rund 90 Prozent aller Patente für gentechnisch veränderte Saaten innehat. Dr. Peter Hamel ist Schweinezüchter und hält das recht seltene Schwäbisch-Hessische Schwein. „Diese Rasse wäre von dem Patentanspruch betroffen. Deshalb habe ich mich intensiv mit der Gentechnik befasst, habe fachkundige Argumente gesammelt, bin von Hof zu Hof gezogen und habe meine Kollegen überzeugen können. 2006 war Storndorf gentechnikfrei“, berichtet er. Schnell traten Landwirte aus den umliegenden Orten der Initiative bei. „Der größte Nachteil der Agrogentechnik liegt darin, dass sie nicht wieder zurückgeholt werden kann, wenn sie einmal freigesetzt wurde. Bei der Atomkraft gibt es eine Halbwertzeit. Die Radioaktivität baut sich ab. Bei der grünen Gentechnik haben wir aber Verdopplungszeiten. Die Vermehrung geht immer weiter“, sagt Hamel.

Dr. Peter Hamel geht noch immer von Hof zu Hof. Mittlerweile hat er viele wissenschaftliche Gutachten gelesen, die ein düsteres Bild von der Gentechnik zeichnen. Beispiel Soja. Gen-Soja sei nur scheinbar billiger. „Doch sie hat einen niedrigeren Proteingehalt als gentechnikfreie. Also muss der Landwirt mehr füttern, um den gleichen Effekt zu erzielen. Unter dem Strich kommt er nicht billiger weg. Und es gibt Hinweise, dass die Krankheitsanfälligkeit der Tiere steigt. Es ist also ein Teufelskreis, aus dem niemand mehr herauskommt“, warnt der Landwirt.

Das Bestreben, ein Ausbreiten der grünen Gentechnik zu verhindern, stellt die größte landwirtschaftliche Basisbewegung der letzten Jahre dar. Zu dieser Einschätzung gelangt der BUND auf seiner Internetseite http://www.gentechnikfreie-regionen.de. „Allerdings ist dieser Widerstand auch notwendig, denn der Anbau veränderter Organismen steigt in Deutschland Jahr für Jahr rasant an“, sagt Hamel. 2005 waren es 341 Hektar, 2006 rund 950 Hektar. Im letzten Jahr gab es – nach der Zulassung von drei gentechnisch veränderten Maissorten – einen Sprung auf 2685 Hektar. Die Hälfte der Anbaufläche liegt in Brandenburg, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (24 Prozent), Sachsen (21) und Sachsen-Anhalt (4). In den Bundesländern Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern liegt der Anteil unter einem Prozent, in Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein unter 0,1 Prozent. Im Saarland sowie in Berlin, Bremen und Hamburg werden bislang keine veränderten Saaten angebaut.

Pollen wird weit transportiert

Das größte Risiko für die Natur und den Menschen sieht Michael Geier beim gentechnisch veränderten Raps. „Sein Pollen verbreitet sich über große Distanzen und kreuzt sich aus.“ Der weltweit bisher längste Praxisversuch gibt seinen Bedenken recht. Er zeigt, dass in den Feldern mit Gen-Raps und Zuckerrüben Insekten und Wildpflanzen signifikant abnehmen. Von Bienen wurde der Pollen bis zu 26 Kilometer entfernt transportiert – das ist achtmal weiter als bisher von der Wissenschaft angenommen.

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