Gentechnik-Alarm im Schweinestall u.a.m.

Liebe Unterstützer von Zivilcourage,

herzlich möchten wir Sie zum Vortrag „Agro-Gentechnik und neue Wege in der Landwirtschaft“ einladen:
Referent: Professor Antônio Inácio Andrioli aus Brasilien

am Freitag den 25. Mai um 20:00 Uhr
im Gasthof Huber, Purkering
83308 Trostberg

Kurzfristig war es möglich Prof. Andrioli, für diese Veranstaltung zu gewinnen. Leider lässt es sein Zeitplan nicht zu, an verschiedenen Orten aufzutreten. Der Ort Trostberg wurde wegen seiner zentralen Lage gewählt, somit ist es auch den aktiven Zivilcourage’lern aus Österreich möglich, den Vortrag zu besuchen.

Der Referent spricht fließend deutsch. Prof. Andrioli berichtet über die dramatische Entwicklung der Agro-Gentechnik in seiner Heimat Brasilien. Außerdem stellt er aktuelle Neuzulassungen in der Agro-Gentechnik und Lösungsvorschläge für eine nachhaltige Landwirtschaft vor.

Im Januar 2010 wurde er von der Brasilianischen Regierung berufen, den Campus Cerro Largo
(Universität Cerro Largo) der neuen staatlichen Universität UFFS (Universidade Federal da Fronteira Sul) zu leiten, die sich schwerpunktmäßig mit nachhaltiger Landwirtschaft beschäftigt.

Bringen Sie Freunde und Bekannte mit! Neben den wichtigen und interessanten Inhalten ist so ein Vortrag immer auch Ort der Begegnung und des Austausches.

Veranstalter: Für die Zivilcourage Traunstein: Georg Planthaler 08621 / 1518

Herzliche Grüße
Christoph Fischer
Initiator Zivilcourage

Andrioli_25Mai PDF

Von: „Herbert Jung“ <jung-herbert@a1.net>
Datum: 20. Mai 2012 10:27:30 MESZ
An: <GefragtAmMarkt@kronenzeitung.at>
Betreff: Inserat „Wirksame Wurzelbehandlung für Unkraut“

Sehr geehrte Frau
Birgit Weichselbaumer!

Als umweltbewußter Österreicher und treuer Leser Ihrer Zeitung musste ich mit Entsetzen feststellen, dass Sie in der Krone Bunt am 20.05.12, Teil „Gefragt am Markt“ eine Einschaltung über „Wirksame Behandlung für Unkraut“ aufgenommen haben.

Nun ist ja schon allgemein bekannt und Ihr Kollege Mark Perry weiß da ohnehin Bescheid, dass das angesprochene Mittel „RoundUp“ riesige gesundheitliche Probleme bei uns, den Tieren und auch eminente Schäden an den Pflanzen hervorruft.

Ich erlaube mir daher, Ihnen einige Untersuchungsergebnisse über die Probleme mit RoundUp zu übermitteln und Sie zu ersuchen, dass solche Einschaltungen nicht mehr berücksichtigt werden.

http://www.nachrichten.at/nachrichten/wirtschaft/art15,888458

Sonntag, 20. Mai 2012, 09:48 Uhr

Gentechnik-Alarm im Schweinestall

LINZ. Eigentlich wollten Lebensmittelwirtschaft und Handel den Konsumenten
etwas Gutes tun. Sie verbannten Futtermittel aus gentechnisch veränderten
Organismen (GVO) aus der Tierhaltung: erst in der Milch-, dann in der
Eierproduktion und ab Anfang 2012 in der Hühnermast.

Seither prangt auf allen Milchpackerln, Eierkartons und Henderln im
Kühlregal die Werbebotschaft: „Garantiert gentechnikfrei!“

„Damit ist vielen Konsumenten erst bekannt geworden, dass in der
Fleischerzeugung zum Großteil importiertes GVO-Futter verwendet wird“, sagt
Karin Nakhai, die Pressesprecherin des Handelskonzerns Rewe (Billa, Merkur).
Der will nun Druck machen. „Wir sind Gründungsmiglied der Arge
Gentechnikfrei. Die Österreicher lehnen Gentechnik in Lebensmitteln ab“,
sagt Nakhai.

Billa macht Druck

Deshalb gibt es in den Billa-Filialen seit einigen Wochen auch die
volumenmäßig wichtigste Fleischsorte aus gentechnikfreier Mast, erzeugt von
oberösterreichischen Vertragsbauern für die Fleischerei Oberndorfer in Ried
im Traunkreis (Marke: Ibo-Schwein – Ich bin aus Oberösterreich). Das hat in
heimischen Schweineställen Gentechnik-Alarm ausgelöst.

So wollen nicht nur die anderen Handelsketten GVO-freies Schweinefleisch im
Regal haben. Es wissen auch die Billa-Manager, dass sie mit den rund 1500
Ibo-Schweinen, die pro Woche schlachtreif werden, die Kühlregale nicht
füllen können. Rewe verhandelt mit dem Welser Großschlächter Handlbauer, auf
GVO-frei umzustellen. Wenn die Bauern mit GVO-freiem Soja zu mästen
beginnen, dauert es dreieinhalb Monate, bis die Tiere schlachtreif sind. Im
Herbst sollen damit 12.000 GVO-freie Schlachtschweine pro Woche zur
Verfügung stehen.

Auch Spar verhandelt mit Schlachtbetrieben, heißt es in der Branche. Der
größte oberösterreichische Schweineschlächter, Großfurtner in St. Martin im
Innkreis, strecke seine Fühler aus.

Doch wenn der gesamte Markt umgestellt wird, geht es um 100.000 Sauen pro
Woche. Alles steht und fällt mit der Verfügbarkeit von gentechnikfreiem
Futter. Das kommt bisher, ob bei Rind, Huhn oder Ibo-Schwein, aus Brasilien,
importiert vom Innviertler Agrarhändler Pilstl. Er versorgt seit Jahren auch
Schweizer und deutsche Tierhalter. 1995 hat er gestartet, erst für kleine
Mischfutterwerke, weil Gentechnikfreiheit nur für Bio-Fleisch vorgeschrieben
ist. Die größte österreichische Schweinehalterorganisation, der VLV, bremst
die Umstellung auf GVO-frei: Erstens weil die Bauern schon bei Milchkühen
und Hühnern die Mehrkosten von GVO-freiem Soja in Höhe von rund zehn Prozent
nicht abgegolten erhalten. Zweitens sei die Futterversorgung nicht
gesichert.

„Brasilien produziert 14 Millionen Tonnen gentechnikfreies Soja im Jahr,
Österreich mit seinem Bedarf von 300.000 Tonnen kann jederzeit versorgt
werden. Nur muss man rechtzeitig bestellen“, sagt Karl Pilstl.

Oberösterreichs Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger will für den wachsenden
Bedarf den Sojaanbau in Südosteuropa forcieren (Projekt Donau Soja): „Das
ist wegen des kürzeren Transportwegs ökologischer, und wir machen uns nicht
von Brasilien abhängig.“ Bis Ungarn, Serbien etc. ausreichend GVO-freies
Soja liefern können, werden aber Jahre vergehen.

Soja: Die Welternte verdreifachte sich seit 1982 auf 250 Millionen Tonnen im
Jahr (USA 90, Brasilien 64, Argentinien 50 Millionen Tonnen). Das Eiweiß der
Sojabohne ist optimal für die Tiermast; die Pflanze bildet in ihren Wurzeln
Stickstoff und spart Kunstdünger. Anteil gentechnisch veränderter Sorten
(GVO) weltweit: 77 Prozent.

Die Wunderbohne Soja und die Gentechnik

Import: Österreich muss derzeit mehr als 550.000 Tonnen Soja im Jahr
importieren, großteils gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Die EU
führt 40, China 50 Millionen Tonnen ein. Größter Importeur GVO-freier Ware
ist die Firma Pilstl in Raab.

Eigenproduktion: Österreichs Bauern erzeugen auf 35.000 Hektar rund 100.000
Tonnen Soja im Jahr, zur Hälfte für Nahrungsmittel (Tofu, Sojamilch etc.).
Klima und Böden würden 50.000 Hektar ermöglichen.

http://oesterreich.orf.at/stories/2533156/

Experte: „Bio“ von Weg abgekommen

Die Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form wird es nicht mehr lange geben, ist der Biopionier Werner Lampert überzeugt. Im Interview mit ORF.at pocht er auf mehr Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln und erklärt, warum „Bio“ längst vom Weg abgekommen sei.

„Die konventionelle Landwirtschaft manövriert uns in eine Sackgasse, das ist eine Landwirtschaft ohne Zukunft“, sagte der Gründer der REWE-Marke „Ja! Natürlich“ und des Hofer-Labels „Zurück zum Ursprung“. Durch sie könne, so Lampert, die europäische Bevölkerung in den nächsten 20, 30 Jahren nicht mehr ernährt werden, da sie auf „totale Ausbeutung“ aufbaue. Am Leben erhalten werde das System lediglich durch die Förderpolitik.

Werner Lampert GmbH

Lampert brachte mit „Ja! Natürlich“ Österreichs erstes Biolabel auf den Markt, 2006 gründete er die Marke „Zurück zum Ursprung“ für Hofer

„Ganz weit abgedriftet“

Die biologische Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form sei dabei keine Lösung: Sie sei zwar vielen in den 60ern als leuchtendes Zukunftsmodell vor Augen gestanden. „Seit zehn, zwölf Jahren ist das jedoch ganz weit weggedriftet vom ursprünglichen Gedanken“, kritisiert Lampert gegenüber ORF.at. Übrig geblieben sei eine sehr pragmatische Einrichtung, die sich in ihren Methoden immer mehr der konventionellen Landwirtschaft annähere.

Durch die steigende Nachfrage seien die Richtlinien verwässert worden – „Bio“ sei in den wenigsten Fällen nachhaltig. Ein Beispiel: „Bio“ garantiere zwar Auslauf für Kühe, das passiere jedoch in den wenigsten Fällen auch tatsächlich auf Weiden.

Zusammenbruch droht

Lampert warnt davor, dass das derzeitige Landwirtschaftssystem durch seine große Abhängigkeit von Schwellenländern und der Petrochemie zu kippen drohe: Wenn Bauern in Brasilien und Argentinien auf ihren Riesenfeldern nicht länger Soja für Lebensmittel, sondern nur noch Getreide für Biosprit anbauten, um größere Erträge zu erzielen, „bricht alles zusammen“. Preise für Fleisch würde sich in Europa schlagartig verdoppeln oder verdreifachen.

Die einzige überlebensfähige Landwirtschaft sei eine, die auf „Bio“, Nachhaltigkeit und Regionalität setze, in der weder Boden noch Tiere oder Menschen ausgebeutet werden. Strenge Richtlinien seien dafür ebenso nötig wie gegenseitige Verantwortung. Die Konsumenten müssten begreifen, dass sie für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der heimischen Bauern verantwortlich seien. Die Bauern wiederum müssten sich bewusst machen, dass sie Lebensmittel für Menschen produzieren und damit für deren Gesundheit mitverantwortlich sind.

„Zeit der billigen Lebensmittel ist vorbei“

Mit drastischen Auswirkungen auf den Konsumenten: Zum einen, so Lampert, sei die Zeit der billigen Lebensmittel vorbei. Zum anderen müssten sich auch die Essgewohnheiten der Menschen ändern. Der große Fleischhunger der Europäer könne auf Dauer nicht gedeckt werden – man müsse wieder zu den Zeiten zurückkehren, als es nur ein-, zweimal in der Woche Fleisch zu essen gab. Ein „Umerziehen“ sei da aber gar nicht nötig – irgendwann werde es ganz einfach gar keine andere Möglichkeit mehr geben.

Petra Fleck, ORF.at

 

Der Konzern Monsanto verkauft Saatgut für Gemüse unter anderen Markennamen

http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=/2012/05/03/a0113

Wohlklingende Tochterfirmen

AGRAR Der Konzern Monsanto verkauft Saatgut für Gemüse unter anderen Markennamen. Hobbygärtner ahnen oft nicht, welches Unternehmen hinter ihrem Samentütchen steht

VON SUSANN SCHÄDLICH

BERLIN tazAls Hersteller von Genpflanzen ist er wohlbekannt: der Saatgutkonzern Monsanto. Mit seinen gentechnisch veränderten Pflanzen, etwa dem Mais Mon810, der stetig ein Gift gegen Insekten produziert, bekommt der global operierende Konzern aus den USA in Europa keinen Fuß auf den Boden. Gute Geschäfte macht er trotzdem, und zwar mit Hobbygärtnern, die oft nicht einmal ahnen, dass sie Saatgut des Unternehmens kaufen. Monsanto bedient sich nämlich der Namen aufgekaufter Tochterunternehmen und Vertriebsfirmen, um seine Produkte an den Mann zu bringen.

Monsanto besitzt derzeit 90 Prozent aller weltweit angebauten Genpflanzen und ist damit Marktführer im Bereich gentechnisch veränderter Feldfrüchte – besonders im Anbau der lukrativen „Cash-Crops“ Gen-Mais, -Raps und -Soja. Im Hobbybereich vertreibt der Konzern unter den Namen der Tochterfirmen De Ruiter Seeds und Semenis Saatgut etwa für Gurken, Salate und Tomaten. Gentechnisch verändert sind diese nicht, die Herkunft ihres Herstellers verraten die Samentütchen im Baumarkt dem Käufer aber auch nicht. Herauszufinden, hinter welchem Namen Monsanto tatsächlich steckt, ist darum schwierig. Zwar verweisen De Ruiter Seeds und Semenis auf ihren Homepages auf Monsanto. Doch neben Tochterfirmen unterhält Monsanto ein weltweites Netzwerk an Vertriebsgesellschaften und exklusiven Vertriebspartnern. So lässt sich etwa die Verbindung zu der Marke Kiepenkerl über die Kontaktliste von De Ruiter Seeds bis zu Monsanto zurückverfolgen.

„Wir halten uns klar an die gesetzlichen Richtlinien zur Produktinformation“, sagt Ursula Lüttmer-Ouazane, Geschäftsführerin der Monsanto-Deutschland Agrar GmbH. Grund für die Vermarktung unter einem anderen Namen sei, dass es sich um ein aufgekauftes Produkt handele und den Kunden der Namen bereits vor der Übernahme durch Monsanto ein Begriff sei. Genaue Auskünfte darüber, in welchen Größenordnungen der Mutterkonzern am Endprodukt beteiligt ist, macht Monsanto nicht.

Dass das Unternehmen kein Interesse an erhöhter Transparenz hat, ist für Heike Moldenhauer vom Bund für Natur- und Verbraucherschutz klar. „Würde Monsanto draufstehen, wo Monsanto drin ist, wäre dass das Antiverkaufsargument schlechthin“, sagt sie. Für mehr Klarheit müssten in Zukunft Wettbewerbshüter sorgen.

Das Unternehmen hat kein Interesse an mehr Transparenz

Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, 
daß das was wir Wirklichkeit getauft haben, eine
 noch größere ILLUSION ist als die Welt des Traumes.

(Salvador Dali)

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/rothamsted-contra-take-the-flour-back-streit-um-gen-weizen-a-833206.html

15.05.2012

Gentechnisch veränderter Weizen

Das Korn des Anstoßes

Von Nina Weber

n Großbritannien läuft ein Freilandversuch mit gentechnisch verändertem Weizen. Eine Protestgruppe hat angekündigt, das Feld zu zerstören, das Datum ist schon bekannt. Die Wissenschaftler bitten um ein offenes Gespräch. Der Fall zeigt das Dilemma der Pflanzen-Gentechnik in Europa.

Am 27. Mai soll Schluss sein mit dem Feldexperiment. Jedenfalls, wenn es nach dem Willen der Gruppe „Take the Flour back“ geht. Die Aktivisten protestieren gegen einen Versuch von Rothamsted Research, einer Forschungseinrichtung nördlich von London. Sie haben angedroht, dort einen Freilandversuch zu zerstören.

Die Rothamsted-Wissenschaftler haben acht je sechs mal sechs Meter große Felder mit gentechnisch verändertem Weizen bepflanzt. Das Getreide produziert einen Duftstoff, der Blattläuse vertreibt. So könnten künftig Insektenschutzmittel gespart werden, falls das Konzept aufgeht, meinen die Forscher. „Wir wollen eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“, sagt Gudbjorg Inga Aradottir, die am Projekt beteiligt ist. „Die Insekten werden nur vertrieben, nicht getötet.“ Die Substanz produzieren Hunderte verschiedener Pflanzen. „Es ist eine absolut ungiftige Angelegenheit.“

Die Protestgruppe sieht das anders. Gentechnik hätte bisher nie dazu geführt, dass weniger Pestizide eingesetzt werden. Es sei sogar zu befürchten, dass man am Ende mehr Pflanzenschutzmittel denn je benötige. Sie meinen, die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt seien nicht abzuschätzen. Einige ihrer Argumente:

  • Es drohe eine Auskreuzung des Weizens mit Pflanzen jenseits des Versuchsfelds und bei einer späteren Markteinführung eine Vermischung von gentechnisch verändertem und konventionellem Getreide.
  • Tatsächlich ist – als Marker – ein Gen für eine Antibiotikaresistenz in den Weizen eingebaut. Es könnte im Freiland auf Bodenbakterien übertragen werden, so die Befürchtung.
  • Landwirten würden wirtschaftliche Schäden drohen, wenn ihr Getreide mit gentechnisch verändertem Weizen verunreinigt werde, denn die Verbraucher wollen kein Gen-Food.

Kurzum: Die Mehrheit sei gegen gentechnisch veränderte Pflanzen. Und daher sei der Versuch, der ohnehin ein Problem lösen wolle, das gar nicht existiert (da die Weizenerträge in Großbritannien in Ordnung seien), nichts als eine Gefahr. Bevor die Pollen des gentechnisch veränderten Getreides ausfliegen könnten, wollen die Aktivisten daher nicht nur protestieren, sondern in letzter Konsequenz das Feld zerstören.

Feindbild Monsanto

Es stimmt, dass gerade in Europa gentechnisch veränderte Pflanzen von vielen Verbrauchern abgelehnt werden. Vorteile für den Verbraucher sind erst einmal nicht erkennbar – wer merkt schon, ob der Landwirt mehr oder weniger Pestizide versprüht? Dazu kommt das Auftreten des Großkonzerns Monsanto, das den gesamten Forschungszweig überschattet.

Eine Auswirkung zeigte sich vor kurzem: BASF verlagerte seine Forschung zur Pflanzen-Biotechnologie von Deutschland in die USA – weil die Akzeptanz in weiten Teilen Europas fehle.

Die Stimmung spiegelt sich beim aktuellen Vorfall in Großbritannien wider: Denn im Grunde ist es kurios, dass die Gegner des Versuchs anmahnen, der gentechnisch veränderte Weizen sei nicht gut genug erforscht – und dann ein Experiment zerstören wollen, mit dem eben genau dies geändert werden soll. Unterm Strich scheint es den Aktivisten weniger um die bessere Erforschung des Weizens zu gehen, vielmehr sehen sie den Freilandversuch als eine Art Büchse der Pandora. Und ist die erst einmal geöffnet, ist alles zu spät.

Zumindest ein Feindbild der Gentechnikgegner scheint Rothamsted dabei so gar nicht zu bedienen: Es handelt sich nicht um einen Großkonzern, sondern um eine öffentliche Einrichtung. „Wir werden von der Öffentlichkeit finanziert. Wir machen das nicht, um später an einem Patent zu verdienen“, sagt Aradottir. Aber das will Take the Flour back nicht glauben.

Die beteiligten Forscher reagierten auf die Ankündigung – mit Briefen an die Aktivisten und einem Video. Sie schlagen darin ein Gespräch vor. Und bitten, ihre Forschung nicht zu zerstören. Inzwischen gibt es auch eine Online-Petition mit mehreren tausend Unterzeichnern.

Warten auf den 27. Mai

Aradottir weist darauf hin, dass das Versuchsergebnis offen ist. Die Forscher hoffen, dass der Weizen im Testfeld den gewünschten Effekt zeigt, der in früheren Laborexperimenten auftrat, sowie nützliche Insekten wie Marienkäfer nicht beeinträchtigt. Doch das ist nicht garantiert. Deshalb muss das Experiment weiterlaufen.

Die Umwelt sei durch das Experiment keineswegs in Gefahr. Ein Sicherheitsbereich um den Weizen hält die Pollen auf. Auskreuzung unter diesen Bedingungen nicht möglich, versichert sie. Auch andere Befürchtungen könnten die Forscher ausräumen, sagt sie. Aradottir hofft, dass sich die Gruppe von ihrer Aktion abbringen lässt.

Doch es scheint eher – nach einem weiteren Briefwechsel – die Ruhe vor dem Sturm eingekehrt zu sein.

In einer Mail bestätigt Take the Flour back: „Wenn der Feldversuch mit gentechnisch verändertem Weizen nicht sofort eingestellt wird, wird der Aktionstag am 27. Mai stattfinden.“ Ob die Forscher irgendwelche Argumente vorbringen könnten, die sie vom Gegenteil überzeugen? Fehlanzeige.

http://www.rostock-heute.de/universitaet-rostock-gentechnik-kritik-joerg-bergstedt/45108

Uni Rostock erteilt Gentechnik-Gegner keine Redeerlaubnis

Universität Rostock sagt Vortrag von Ökoaktivist Jörg Bergstedt in den Räumen des Campus Ulmenstraße kurzfristig ab

15. Mai 2012,

Ein Déjà-vu musste gestern die Grüne Hochschulgruppe (GHG) erleben. Bereits vor zwei Jahren hatte sie zu einem Vortrag des Agrogentechnik-Kritikers Jörg Bergstedt eingeladen. Nun sollte er wieder zum Thema „Monsanto auf Deutsch: Seilschaften in der Gentechnik“ sprechen.

Wieder in einem Raum auf dem Universitätscampus in der Ulmenstraße und wieder wurde die Veranstaltung von der Universitätsleitung abgesagt. Allerdings erst wenige Stunden vorher, obwohl der Termin den unteren Ebenen der Universität schon seit drei Wochen bekannt gewesen sein soll, sagt Jan Delph von der GHG.

Hatten die Ereignisse vor zwei Jahren noch für Protest sowohl bei den Gentechnik-Gegnern, die der Universität Zensur vorwarfen, als auch bei den Befürwortern, die durch Zwischenrufe während des Vortrags auffielen, gesorgt, blieb er diesmal aus. Gut ein Dutzend Zuhörer fanden sich schließlich im Haus Böll ein, wohin die Veranstaltung ausweichen konnte.

Zur Begründung der Absage teilt die Universitätsleitung mit, dass die Veranstaltung „nicht den Voraussetzungen für eine Raumvergabe an der Universität entspricht. Einem wissenschaftlichen Diskurs, der auch andere Meinungen zulässt, stehen die Räumlichkeiten der Universität jederzeit offen. In diesem Fall war allerdings zu befürchten, dass die Veranstaltung rein propagandistischen Zwecken dienen soll. Dafür Bühne zu sein, ist nicht Aufgabe einer Universität.“

„Es ist tatsächlich eine Tendenzveranstaltung“, gibt der Student Jan Delph zu: „Aber es wirft ein schlechtes Licht auf die Uni.“

Die Gerüchte über Gewalttätigkeiten gegenüber Uni-Mitarbeitern möchte der Referent Jörg Bergstedt jedoch nicht im Raum stehen lassen. „Es liegt wohl eher daran, dass der Vortrag einen sehr detaillierten Blick in den Kochtopf der Gentechnikseilschaften in Deutschland wirft und auch die Universität Rostock dabei eine relevante Rolle spielt“, so der Ökoaktivist zu Beginn seines gut zweistündigen Vortrages.

Viel Neues hatte er nicht zu berichten. Noch immer sei „alles mit allem verbunden“, der Anbau der Versuchsfelder, die Genehmigung und Kontrolle, die Geldvergabe und Lobbyarbeit. „Manchmal auch in einer einzigen Person, der kurze Weg von Synapse zu Synapse.“ Davon gebe es nicht allzu viele, aber eine sei die in Rostock tätige Inge Broer, so Bergstedt, der für das Herausreißen genmanipulierter Gerste eine sechsmonatige Haftstrafe verbüßte.

Die vielfältigen Proteste hätten sich gelohnt, macht der Gentechnik-Gegner deutlich. Seien es im letzten Jahr noch 18 Felder in Deutschland gewesen, schätzt er, dass die Zahl in diesem Jahr deutlich zurückgeht. Nicht zuletzt wegen des „Totalausfalls der Agrogentechnischem Freisetzung der Universität Rostock“.

Für den 9. Juni ist ein weiterer Vortrag zum Thema Gentechnik geplant. Unterstützt vom Allgemeinen Studierendenausschuss soll dann die Gentechnikwissenschaftlerin Professor Susan Bardócz ab 19:30 Uhr im Audimax über das „Sicherheitsrisiko Gentechnik“ referieren.

http://kurier.at/tv/detail.php?aID=216-0-31579647

Dienstag  |  15.05.

ARTE

Was tun?

Antworten von Vandana Shiva

Reihe, BRD 2010, 10 Min.

Regie: Dirk Wilutzky

14:25

Die Nuklearphysikerin und Aktivistin Vandana Shiva engagiert sich seit den 70er Jahren für den indischen Umweltschutz und den Erhalt der Artenvielfalt. Ihre inspirierende und Mut machende Arbeit basiert auf dem Konzept der Erd-Demokratie. Die Massen-Selbstmorde indischer Bäuerinnen und Bauern, deren Existenz durch das Saat- und Düngermonopol unter anderem der US-Firma Monsanto zerstört wurde, bewegten sie zur Gründung einer Saatgut-Bank auf ihrer Versuchsfarm NAVDANYA (Neun Saaten) im Norden Indiens. Dort bringt sie den Bauern biologischen Landbau bei und befreit sie von der Abhängigkeit von genetisch verändertem Saatgut. Außerdem erforscht sie die ertragstärksten Techniken – mit erstaunlichen Ergebnissen. Ein Film über die unbestreitbaren Vorteile der Diversität im organischen Landbau und eine neue, nachhaltige Idee von Demokratie.